Wohnungsbau in Deutschland Niedrigzins: Bauboom durch Mini-Zinsen

Deutschland erlebt einen Bauboom. Ein Grund dafür ist der aktuelle Niedrigzins. Doch vor dem Hintergrund der Mietpreisbremse gibt es noch viel zu tun.

Das Programm "Aufbau Ost" sorgte in den Jahren nach der Vereinigung für einen Boom im Wohnungsbau. Auf dem Höhepunkt des Baubooms in den neuen Bundesländern im Jahr 1997 befand sich mehr als ein Viertel aller in Deutschland fertiggestellten Wohnungen in den ostdeutschen Flächenländern. Insgesamt wurden seit 1991 knapp 8 Millionen neue Wohnungen in Deutschland gebaut – fast zwei Drittel davon in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. - © Foto: Kara/fotolia

Der Boom im Wohnungsbau hält weiter an. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Demzufolge sind im ersten Halbjahr 2014 136.800 Wohnungen genehmigt worden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 9,6 Prozent .

Insbesondere die Baugenehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern konnten um 12,8 Prozent  auf 59.122 Wohnungen gesteigert werden. Damit hat sich die seit 2010 anhaltende positive Entwicklung in Deutschland fortgesetzt. Besonders kräftig war das Plus im ersten Halbjahr 2011, als die Statistiker 27,9 Prozent mehr Baugenehmigungen zählten als im Vorjahreszeitraum.

Bauboom durch Niedrigzins

Ein Grund dafür dürfte das anhaltende niedrige Zinsniveau sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vor wenigen Monaten den Leitzins auf 0,15 Prozent gesenkt. Damit steht er auf einem Tiefststand. Durch die Absenkung des Leitzinses sind tendenziell auch Kredite verbilligt worden.

Zudem gelten Immobilien gerade in gefragten Innenstadtlagen nach wie vor als attraktives Renditeobjekt - erst Recht aktuell, wo klassisches Sparen kaum noch Zinsgewinne bringt.

"Diese Entwicklung geht in die richtige Richtung", kommentiert Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD, die aktuellen Zahlen. "Endlich werden die Wohnungen gebaut, die die Wohnungsknappheit in den Ballungsräumen lindern können."

Ein Vergleich mit den Baufertigstellungen zeige allerdings, dass die Schere zwischen Genehmigungen und Fertigstellungen größer wird. "Viele Bauprojekte scheitern auch noch nach der Genehmigung", erklärt Schick. "In den zentralen Lagen der Ballungsregionen übersteigt die Nachfrage nach Wohnungen deshalb weiterhin das Angebot." Der IVD appelliert daher an die Kommunen, kurzfristig weiteres Bauland zur Verfügung zu stellen und die laufenden Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Nur so kann eine Lösung für die angespannte Wohnungssituation herbeigeführt werden.

Dies gelte besonders vor dem Hintergrund der so genannten Mietpreisbremse , die nach dem vorgelegten Gesetzentwurf dazu führen würde, dass die Bautätigkeit im Mietwohnungsbereich wieder deutlich zurückgeht, da sich Investitionen für viele Initiatoren dann nicht mehr lohnen.

Eigentumswohnungen liegen im Trend

 In Wohngebäuden wurden im ersten Halbjahr gut 118.700 Neubauwohnungen genehmigt, 7,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Darunter waren vor allem Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser  und Zweifamilienhäuser ging jeweils leicht zurück.

Dafür ist allerdings die Nachfrage nach Eigentumswohnungen gestiegen. Hier hat sich die Zahl der Genehmigungen binnen Jahresfrist um 14,3 Prozent auf fast genau 33.000 erhöh. Ein deutliches prozentuales Plus mit 31,6 Prozent gab es bei Umbauten: In 15.818 Fällen ließen sich Bauherren Investitionen in die eigenen vier Wände genehmigen.

"Der Spielraum für den Wohnungsbau ist noch lange nicht ausgeschöpft", so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Heiko Stiepelmann. In diesem Jahr dürfte nach seiner Einschätzung geradeso die Untergrenze der jährlich benötigten 250.000 bis 300.000 neuen Wohnungen in Deutschland erreicht werden. "Investitionen in bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsräumen sind richtig adressiert angesichts der hohen Zuwandererzahlen", sagt Stiepelmann.

Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, kommentiert: "Die Wohnungswirtschaft will weiterhin stark in bezahlbaren Wohnraum investieren. Die Politik muss dafür sorgen, dass nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft die wirtschaftlichen Vorgaben für mehr Wohnungsneubau stimmen." So müsse etwa bei der geplanten Mietpreisbremse der Neubau ausgenommen werden. dpa/dhz