Die Kfz-Versicherer versuchen, durch Kooperationen und eigene Serviceangebote die Preise für den Kfz-Service zu drücken. Leidtragende sind die Kfz-Betriebe.
Frank Muck
Die Lenkung der Reparaturfälle hin zu Partnerwerkstätten der Kfz-Versicherer gehört bei vielen großen Versicherern inzwischen zum Standard-Angebot. Im Kfz-Gewerbe ist diese Praxis umstritten, wird aber von vielen Betrieben zur Auslastung genutzt.
HUK beruft sich auf Kundenwünsche
Neuere Pläne der HUK-Coburg sind für das Kfz-Gewerbe jedoch nicht mehr nachvollziehbar. Demnach möchte die HUK ihre Kfz-Serviceleistungen noch ausweiten. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steigt die Versicherung in das Geschäft mit Wartung und normalen Reparaturen ein. Das bisherige Netz der HUK umfasse 1.300 Partnerwerkstätten für Unfallreparaturen. Ab 2015 sollen Hunderte von ihnen auch normale Dienstleistungen anbieten. Während die Reparatur von Unfallschäden noch in einem sachlichen Zusammenhang mit der Versicherung stehe, habe diese mit dem gewöhnlichen, regelmäßigen Service fürs Kfz nichts zu tun, beklagt der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe.
Nach Aussage der HUK-Coburg sehen das deren Kunden etwas anders, so Holger Brendel, Pressesprecher der Versicherung. Aus Befragungen habe man erfahren, dass die Kunden den Service aus einer Hand wünschten. Derzeit sei das Projekt in einer Pilotphase, bei der die Serviceangebote in drei Werkstätten in zwei deutschen Großstädten getestet würden. Im Angebot seien unter anderem Wartungs- und Inspektionsdienste, Abgasuntersuchungen und Bremsenwechsel.
Zu leiden haben die Werkstätten
Einen Qualitätsverlust durch weiteren Preisdruck fürchtet die HUK nicht. "Uns ist auch klar, dass wir die Werkstätten unterstützen müssen, zum Beispiel verwaltungstechnisch oder bei der Schadenaufnahme", so Brendel. Ihr Engagement verstehe die HUK auch nicht als Retourkutsche für das zunehmende Versicherungsangebot der Hersteller, wie es die Süddeutsche Zeitung angenommen hatte.
Zu leiden hätten so oder so die Werkstätten. Denn der Preisdruck wächst weiter. Dietmar Clysters kriegt häufig Anfragen von Versicherern. Der Kfz-Mechanikermeister aus Edingen-Neckarhausen in der Nähe von Mannheim lässt sich auf Kooperationen mit Versicherern jedoch nicht ein. "Wir halten nichts davon", sagt er. Denn die Versicherer wollen die Preise trotz der engen Margen noch weiter drücken – um gut und gerne 20 bis 30 Prozent.
Rendite der Betriebe sinkt weiter
Die Kalkulation ist jedoch jetzt schon auf Kante genäht. Um mit den Werkstattketten konkurrenzfähig zu bleiben, haben die Hersteller sogar ihre Margen runtergeschraubt. Clysters beklagt, dass dadurch natürlich die Rendite der Kfz-Betriebe weiter sinkt. Die Unternehmen geraten stärker unter Preisdruck, was unter Umständen zulasten der Sorgfalt und der Qualität der verwendeten Teile geht.
Dennoch bringt Clysters auch Verständnis für Kfz-Betriebe auf, die sich auf Partnerschaften mit Versicherungen einlassen. Bestimmte Reparaturfälle bekommt er ohne Partnervertrag eben nicht zugewiesen. Und so wird diese Praxis im Kfz-Gewerbe zumindest toleriert.
Für Dietmar Clysters ist es letztlich eine Kalkulationsfrage, ob ein Betrieb sich dahingehend engagiert. "Es gibt Betriebe, für die sich das rechnet", gibt er zu. Gleichzeitig stellt er aber auch die Frage, welche Tür man öffnet, wenn man so ein Engagement eingeht.
