IHM-Pressekonferenz Metallhandwerk Metallhandwerk: Wir wollen Fachkräfte aus Europa

Das Metallhandwerk hat es nicht leicht: Der Fachkräftemangel macht der Branche zu schaffen. Nach dem milden Winter ist man für 2014 jedoch verhalten optimistisch.

Melanie Höhn

Das Metallhandwerk will jungen Menschen beibringen, was ihnen ein handwerklicher Beruf bringt. - © Foto: Monkey Business/Fotolia

2013 konnte das Bau- und Ausbaugewerbe viele Arbeitsaufträge durch die lange Frostperiode nicht durchführen. Ab April 2013 besserte sich jedoch die Auftragslage und brachte viele Betriebe im Sommer an ihre Leistungsgrenze, sagte Erwin Kostyra, Präsident des Bundesverbandes Metall (BVM) auf der IHM-Jahrespressekonferenz des Metallhandwerks. "Leider konnten nicht alle Betriebe die Anfangsschwierigkeiten des Jahres kompensieren", erklärte er. Dennoch: Die Auftragslage hat sich zum Jahresende 2013 stabilisiert und der milde Winter 2014 lässt viele Betriebe auf ein gutes Geschäftsjahr 2014 hoffen. "Für 2014 sind wir verhalten optimistisch", so Kostyra weiter. Wenn die Binnenkonjunktur stabil bleibe und die fast überwundene EU-Wirtschaftskrise nicht durch neue Einflüsse wieder auflebe, sei dieser Optimismus gerechtfertigt.

Der Preisdruck und die Wettbewerbssituation im Baubereich sowie im feinwerk-technischen Metallbau und Zuliefererbereich haben sich verstärkt. "Dieser Druck entsteht vor allem durch die EU-Erweiterung: Viele Betriebe haben qualitativ aufgeholt", äußerte Kostyra. Zudem sei es fraglich, wie sich die drohenden Krisen auf das deutsche Exportverhalten auswirken.

Fachkräftemangel großes Problem

Immer mehr Jugendliche streben keine Ausbildung an, sondern ein Studium. Dieses Problem belaste auch die Metallbranche, denn die Ausbildungszahlen im Metallbau und in der Feinwerktechnik sind zurückgegangen, sagte Christian Metges, Landesinnungsmeister des Fachverbandes Metall Bayern. "Wir brauchen zwar Ingenieure und die akademische Ausbildung ist wichtig, dennoch bleibt die Frage: Wer wird unsere Teile in Zukunft machen?" Vor allem bekannte Betriebe aus der Industrie greifen potentielle Auszubildende ab. "Handwerksbetriebe stellen eine anonyme Menge dar, die jedoch an der Wertschöpfungskette enorm beteiligt sind".

Um Fachkräfte in Europa zu finden, müsse ein Ziel sein, deren tatsächlich erlernte Qualifikationen und Verfahrenstechniken vergleichbar zu machen. "Es darf nicht nur auf die Zeugnisse geschaut werden. Zudem müssen wir jungen Menschen beibringen, was ihnen ein handwerklicher Beruf bringt", erklärte Erwin Kostyra. Einen Beitrag dazu leistet die Online-Plattform "Q4europe": Sie unterstützt die Entwicklung, Förderung und Suche passender Fachkräfte auf nationaler und internationaler Ebene. Eine regulierte Zuwanderung müsse jetzt wirksam werden, nicht erst in sieben Jahren, damit zukünftige Mitarbeiter durch Schulungen jetzt integriert werden könnten, so Kostyra weiter. "2020 ist es zu spät".

Rente mit 63 skeptisch betrachtet

Auch die Pläne der Großen Koalition wurden von den Vertretern des Metallhandwerks aufgegriffen. So zeigt sich Kostyra skeptisch gegenüber der Rente mit 63. Sie sei zwar sozial verständlich, jedoch blieben viele Fragen offen. Vor allem sei zu klären, wie das Problem des Arbeitskräfteverlustes aufgefangen werden könne.

Als Fachverband will der Bundesverband Metall auch in Europa auf sein Wissen pochen und die Interessen der Branche vertreten. "Viele Dinge in Brüssel werden dort auf technischer Ebene in die Welt gesetzt ohne zu verstehen, was es für die gesamte Wirtschaftssituation bedeutet", so Landesinnungsmeister Metzes. Der BVM will beispielsweise den Zugang zu den wichtigen europäischen Normausschüssen sichern und so überall präsent sein, wo die Interessen der Mitgliedsbetriebe auf dem Spiel stehen.