Manfred Stather im Interview "Der Sanierungsbedarf ist riesig"

Die Energiewende sorgt im Sanitär- Heizungs- und Klimahandwerk für volle Auftragsbücher. Manfred Stather, Präsident des Zentralverbands, rät im DHZ-Interview den Betrieben trotzdem dazu, weiter in Marketing und Weiterbildung zu investieren. Zumal ihm ein Punkt wirklich Sorgen macht.

Frank Muck

Der Sanierungsbedarf in deutschen Bädern und Heizungskellern ist riesig und wird dem SHK-Handwerk gute Umsätze bescheren. - © Foto: Dan Race/Fotolia

DHZ: Herr Stather, der Umsatz des SHK-Handwerks ist seit 2007 stetig angestiegen, von 30,8 auf 37,9 Milliarden Euro, seit 2004 um insgesamt 28 Prozent. Woher rührt dieses Wachstum?

Manfred Stather: Wie kaum ein anderes Gewerk in Deutschland steht das SHK-Handwerk für die Zukunftsgestaltung in unserem Land. Energie und Demografie sind die beiden entscheidenden Treiber. Oder anders ausgedrückt: Die energetische Sanierung sowie der altersgerechte Umbau von Wohnungen befeuern die Geschäftsentwicklung des SHK-Handwerks.Die Deutschen stecken ihr Geld konsequent in Immobilien. Das Ausbauhandwerk profitiert von diesem Boom seit dem Beginn der internationalen Finanzkrise im Jahr 2008. Kauf, Werterhalt und Wertsteigerung der eigenen vier Wände waren und sind entscheidende Impulse für den guten Konjunkturverlauf im Sanitär,- Heizungs- und Klimahandwerk. Davon profitieren im Übrigen gleichermaßen unsere Klempner, Ofen- und Luftheizungsbauer sowie Behälter- und Apparatebauer.

Erwartet auch in diesem Jahr zufriedenstellende Umsätze für das SHK-Handwerk: ZSHK-Präsident Manfred Stather. - © Foto: ZVSHK

"Der Markt wird zukünftig höhere Anforderungen stellen."

DHZ: Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für die kommenden Jahre ein und was heißt das für die Betriebe?

Stather: Ich bin da bewusst zurückhaltend. Viele Indikatoren deuten darauf hin, dass wir auch 2014 eine gute Geschäftsauslastung haben werden. Der Sanierungsbedarf in deutschen Bädern und Heizungskellern ist riesig. Aber Kapital ist ein scheues Reh; verschreckt durch unerwartete Ereignisse kann die gute Konjunkturentwicklung auch schnell kippen. Für die Betriebe heißt das: die guten Zeiten nutzen, um die Marktpositionierung abzusichern, in das Marketing zu investieren und die eigene Außendarstellung weiter zu optimieren. Zudem wird der Markt zukünftig noch höhere Anforderungen an das Qualifikationsprofil des SHK-Handwerkers stellen. Unsere Betriebe sind am Point of Sale der erste Ansprech- und Vertrauenspartner für den privaten Hausbesitzer. Und dieser wünscht sich Leistungskompetenz aus einer Hand. Folgerichtig sollten unsere Betriebe die gesamte Gebäude- und Energietechnik abdecken und sich weiterqualifizieren.

Seite 2: Was Manfred Stather wirklich Sorgen macht und warum der Verband dabei auch auf Branchenpartner angewiesen ist.>>>

DHZ: Wie viel Unternehmen gibt es insgesamt und spiegelt sich das Umsatzwachstum in der wachsenden Anzahl der Betriebe wider?

Stather: Die Zahl der Betriebe bleibt mit rund 53.000 seit Jahren weitgehend konstant. Auch die Zahl der Beschäftigten ist nur unwesentlich gestiegen. Hier spüren wir die ersten Auswirkungen des Fachkräftemangels. Das Umsatzwachstum geht also fast ausschließlich auf die gesteigerte Arbeitsleistung der 346.000 Beschäftigten zurück.

"Der Arbeitsmarkt deckt den Fachkräftebedarf nicht ab."

DHZ: Die Anforderungen an das Know-how der Betriebe wachsen durch immer intelligentere Energiesysteme und der Markt für die Betriebe scheint vor allem durch den Sanierungsbedarf weiter zu wachsen. Damit wird auch der Bedarf an Fachkräften nicht geringer. Können die Betriebe den Bedarf decken?

Stather: Das ist und bleibt unsere größte Sorge. Der Arbeitsmarkt deckt den Bedarf an Fachkräften im SHK-Handwerk längst nicht mehr ab. Die Bundesagentur für Arbeit hat im Sommer 2013 bestätigt: es fehlen Fachkräfte für Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik. Das trifft über kurz oder lang die gesamte SHK-Branche. Jeder Geselle steht für einen Umsatz von 100.000 Euro. Jeder kann sich ausrechnen, was es heißt, wenn wir im Wettlauf um qualifizierte Auszubildende von anderen Branchen abgehängt werden.

DHZ: Welche Anstrengungen unternehmen der Zentralverband und die Innungen, um ihre Betriebe bei der Nachwuchs- und Mitarbeitersuche zu unterstützen?

Stather: Für die Zukunft entscheidend ist die Nachwuchssicherung. Hier haben wir vor zwei Jahren unsere Kampagne "Volles Rohr Zukunft" an den Start gebracht. Auf Dauer kann das Handwerk dies aber nicht alleine stemmen. Wir brauchen hier die finanzielle Unterstützung unserer Branchenpartner, um ausreichend Kommunikationsdruck aufbauen zu können – sprich: um mit der Konkurrenz beim Werben um den Nachwuchs mithalten zu können.

"Betriebe sind dankbar für professionelle Hilfestellung."

DHZ: Nehmen die Betriebe die Angebote wahr?

© Holzmann Medien

Stather: Ja, die Betriebe sind dankbar für die professionelle Hilfestellung. Das merken wir gerade wieder bei den erfolgreich gestarteten Aktivitäten in den sogenannten sozialen Kommunikationskanälen wie Facebook oder Youtube. Die Kampagne zur Nachwuchssicherung im SHKHandwerk wird damit automatisch zu einem schlagenden Argument für die Leistungskraft des organisierten Handwerks.

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