Messe iENA in Nürnberg Erfindertreff: Handwerk als Problemlöser

Am Donnerstag, dem 31. Oktober, beginnt in Nürnberg die internationale Erfindermesse. Gut ein Drittel der mehr als 700 Innovationen stammt aus dem Handwerk. Messechef Heiko Könicke lobt die deutschen Handwerker als "große Problemlöser an vorderster Front".

Horst Buchmann

Burhan Dereli aus Nußloch hat einen SHK-Blitzhalter erfunden. Damit können Zahnputzbecher, Seifen-, Handtuch- und Toilettenpapierhalter ohne zu bohren in Bad befestigt werden. - © Foto: Horst Buchmann

"Ideen, Erfindungen, Neuheiten": Für diese drei Themen steht die internationale Fachmesse iENA, die bis zum 3. November im Nürnberger Messezentrum Innovationen aus 32 Ländern präsentiert. Ob 3-D-Sitzlagerung oder neuartiges Getriebe, ob Produkte aus Polymerbeton oder bohrlochfreie Halterungen fürs Bad – das Handwerk hat einiges zu bieten.

Zum 65. Mal seit 1948 treffen sich die Erfinder aus aller Welt in Nürnberg: Hier wurde schon 1950 eine "Ein-Schienen-Bahn" präsentiert, die später zum Transrapid weiterentwickelt wurde. Auch die kindersichere Steckdose, der Rollenkoffer, Gardinengleiter oder das Klappfahrrad erlebten hier ihre Weltpremieren. Das Spektrum reicht von Neuheiten aus den Bereichen Elektrotechnik, Elektronik und Solartechnologie, Energietechnik, Maschinenbau, Umweltschutz, Sicherheit, Medizin, Kommunikation, Land- und Forstwirtschaft bis zu Bau, Hauswirtschaft und Ernährung.

Patentamt vor Ort

Heute sieht sich die Messe als weltweites Forum Nr. 1 auch für Mittelständler, die Vertriebspartner für ihre Ideen suchen. Ihnen will man Hilfestellung und Informationen anbieten; wichtige Institutionen wie das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) sind vor Ort. Mehr denn je seien für Geschäftserfolge Marktinnovationen nötig, sagte Heiko Könicke bei einer Pressekonferenz vor Messeeröffnung. Bei der Förderung sieht er in Deutschland Nachholbedarf: "Anderswo wird die Ressource Geist besser ausgebeutet."

Zum Beispiel in Asien: Nach Aussage von Projektleiter Henning Könicke kommen die größten ausländischen Gruppen aus China, Malaysia, Iran, Korea, Kroatien oder Spanien. Wichtig findet er Initiativen nach dem Motto "Wie lerne ich erfinden", wie sie z.B. am Maristengymnasium Fürstenzell oder mit dem Querdenker-Club Ingolstadt laufen. 2013 hat man zudem am 2./3. November eine START-Messe integriert, um Erfindern eine Betriebsgründung schmackhafter zu machen.

Schutz vor Plagiaten wichtig

Positive Zahlen legte Petra Knüfermann, Sprecherin des DPMA, vor. So wurden im Vorjahr 61.311 Patente, 64.313 Marken, 15.491 Gebrauchsmuster und 53.862 Geschmacksmuster angemeldet – und 2013 steigen alle Zahlen an. Kleine und mittlere Unternehmen seien dabei leider unterrepräsentiert, obwohl sie "die Säule der Wirtschaft" und Garant der Arbeitsplätze seien. Man müsse sie unterstützen, ihnen Schutz vor Nachahmung und so Investitionssicherheit ermöglichen. Knüfermann: "Wir wollen die Erfindungen und ihre Erfinder schützen."

Sandra Schlöffel und ihr Vater Bernd Hengelhaupt aus Suhl stellen ihre 3-D-Sitzlagerung vor. - © Foto: Horst Buchmann
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Eberhard Kübel vom Deutschen Erfinder-Verband rief dazu auf, gute Ideen im Betriebsalltag nicht untergehen zu lassen. Bedauerlich sei, wenn in Zeiten der Krise Förderungen im Bereich SIGNO (Schutz von Ideen zur Gewerblichen Nutzung) wegfielen. Gerade in diesem Netzwerk seien Handwerker zu 30 bis 35 Prozent vertreten. Die Kreativität sei ihre Stärke.

Wolfgang Müller vom Steinbeis-Transferzentrum Infothek findet die Zeit "reif für neue Ideen" und wies auf Fördermöglichkeiten etwa des ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) hin. Wie groß die Chancen für Neues seien, beweise ein Handwerksbetrieb aus Frankreich, der Scheiben für den scheibenlosen Renault Twizy entwickelt und in kürzester Zeit 5000 verkauft habe.

Bei Innovationen auch die Werbeartikelbranche über Produktpatenschaften mit einzubinden, regte Michael Freter, Geschäftsführer der PSI (Promotional Product Service), an. Bei einer eigenen Fachmesse vom 8. bis 10. Januar 2014 in Düsseldorf kooperiert man mit der iENA.

Auf einen Blick

Die iENA ist am 31. Oktober und 1. November von 9 bis 18 Uhr für Fachbesucher geöffnet, am 2. November von 9.30 bis 18 Uhr und am 3. November von 9.30 bis 16 Uhr für alle Interessierten. Tagestickets kosten ab 11 Euro. Sonderschauen und -Aktionen gibt es zu Themen wie "Innovation made by women", "Green Inventions", "Jugend forscht", ein Symposium "Patentpolitik in Europa" u.v.m.