Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland wächst und gilt mittlerweile als Wirtschaftsfeld mit großer volkswirtschaftlicher Relevanz: Über 130 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr sprechen für sich. Fast 50 Milliarden Euro kommen aus dem Handwerk. Der ZDH fordert deshalb die Bundesregierung auf, die Förderpolitik zukünftig nicht mehr alleine auf die Akademiker zu beschränken. Weiterbildung und Gründungsberatung brauche handwerksspezifische Schwerpunkte.

Die Zahlen sind beeindruckend: 114.000 Handwerksunternehmen aus 70 Gewerken der handwerklichen Kultur- und Kreativwirtschaft erwirtschaften mit rund einer halben Million Mitarbeitern über 48 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Insgesamt umfasst dieses – mittlerweile eigenständige – Wirtschaftsfeld einem Umsatz von 137,3 Milliarden Euro, etwa 240.000 Unternehmen und rund 960.000 Erwerbstätigen, ergab eine Untersuchung des Bundeswirtschaftsministeriums.
Kreativwirtschaft stärken
Zwar ist die Kultur- und Kreativwirtschaft insgesamt von einer hohen Wachstumsdynamik erfasst, doch trotzdem oder gerade deshalb fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), dass auch die Förderpolitik der Bundesregierung an die vorhandenen Strukturen angepasst werden müsste. "Jeder zehnte unserer Handwerksbetriebe gehört zum Kulturhandwerk. Die Förderung der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft durch die Bundesregierung ist richtig. Sie sollte aber künftig auch den Bedürfnissen des Handwerks Rechnung tragen", sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke mit Blick auf die zunehmende Relevanz des Kunsthandwerks als Wirtschaftsfaktor.
Bislang setzte die Bundesregierung bei der Bezuschussung von Weiterbildung und Gründungsberatung in der Kultur- und Kreativwirtschaft den Schwerpunkt auf akademische Bildungsstrukturen, kritisiert der ZDH. Aus Sicht von Holger Schwannecke brauche das Förderprogramm allerdings handwerksspezifische Schwerpunkte, um die handwerklichen Akteure in der Kultur- und Kreativwirtschaft zu stärken und so die Substanz der Kreativwirtschaft insgesamt zu verbessern.
Damit fordert der ZDH die Bundesregierung auf neue Anreize zu setzen, dass sich Mitarbeiter in den Kulturgewerken bis zur Meisterqualifikation weiterbilden und damit langfristig die Vielfalt der traditionellen und kulturbewahrenden Handwerke sicherstellen.
Bundeskanzlerin lernt Kunsthandwerk
Schwannecke erinnerte deshalb auch an den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Ausstellung "Exempla" auf der Internationalen Handwerksmesse in München im Jahr 2012, als diese selbst hier erste Handgriffe zur Fertigung eines bleiverglasten Kirchenfensters gemacht hatte.
Auf der Exempla liefert das Kreativhandwerk jedes Jahr seine Leistungsschau. In "lebenden Werkstätten" oder in einzigartigen Schauen präsentieren sich beispielsweise Glaskunst oder Goldschmiedehandwerk, Steinmetze oder Buchbinder, Glockengießer oder Instrumentenbauer. jtw