Den Fall des Schornsteinfegermonopols hat die Branche gut verkraftet. Ein halbes Jahr nach Einführung eines weitgehend freien Wettbewerbs haben viele Schornsteinfeger und Kaminkehrer entgegen den Erwartungen ihren Umsatz gesteigert. Trotzdem sind noch längst nicht alle Ängste ausgestanden. Denn auch um die Kehrbezirke kommt es zum Konkurrenzkampf.
Ulrich Steudel
Seit 2010 werden die Kehrbezirke nicht mehr nach Bewerberlisten auf Lebenszeit vergeben, sondern müssen alle sieben Jahre neu ausgeschrieben werden. Spätestens zum 1. Januar 2015 müssen sich alle Bezirksschornsteinfegermeister diesem Verfahren stellen. Dann könnten erstmals altgediente Bezirksschornsteinfegermeister ihren Kehrbezirk an einen Kollegen verlieren.
Anfang 2015 werden alle Kehrbezirke ausgeschrieben
Das heißt nicht, dass Bezirksschornsteinfegermeister in diesem Fall arbeitslos würden oder sich als Geselle eine Stelle suchen müssten. Betroffen sind lediglich die hoheitlichen Aufgaben wie die Feuerstättenschau oder der Erlass des Feuerstättenbescheids. „Insgesamt machen diese Arbeiten nur rund 15 bis 20 Prozent des Umsatzes aus“, sagt Stephan Langer, Vorstandssprecher des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks.
Trotzdem glaubt Langer nicht, dass es in vielen Kehrbezirken zum Personalwechsel kommen wird. Vor allem würden Meister aus Altersgründen ausscheiden. Ansonsten hofft man im Verband, dass die vielen Ausschreibungen Anfang 2015 möglichst unbürokratisch vonstattengehen.
Ausschreibung im Pool
Beim diesjährigen Bundesverbandstag der Schornsteinfeger Ende Juni in Würzburg hat Joachim Garrecht, zuständiger Ministerialrat im Bundeswirtschaftsministerium, für die Ausschreibungsverfahren so genannte Poollösungen angeregt. Das heißt, dass mehrere Kehrbezirke einer Region gleichzeitig ausgeschrieben werden. Das würde den bürokratischen Aufwand bei Behörden wie Schornsteinfegern minimieren. Zuständig für die Vergabe der Kehrbezirke sind allerdings die Länder.
Nachdem die Betriebe den Wechsel in den freien Markt so gut verkraftet haben, fordern nun die Gesellen mehr Lohn. „Wir haben uns aufgrund des bevorstehenden Wettbewerbs zuletzt mit Gehaltsforderungen zurückgehalten. Nominal gab es seit 2006 keine Lohnsteigerung. Deshalb fordern wir jetzt ein kräftiges Plus“, sagt Frank Weber, Vorsitzender des Zentralverbandes Deutscher Schornsteinfeger (ZDS), der die Interessen der Gesellen vertritt. In Würzburg hat der Thüringer SPD-Landtagsabgeordnete den aktuellen Tarifvertrag gekündigt.
Neben einem spürbaren Zuwachs in der Lohntüte strebt Weber die Angleichung der Löhne in Ost und West bis 2016 an. „Die Gebühren, die Hauseigentürmer an die Schornsteinfeger zahlen müssen, sind heute schon gleich. Nur bei den Löhnen gibt es Unterschiede“, so Weber, der eine angemessene Bezahlung auch deshalb für wichtig erachtet, damit das Schornsteinfegerhandwerk im härter werdenden Wettbewerb um Fachkräfte bestehen kann.
Ausgleichskasse für die Ausbildung
Um die hohe Qualität der Berufsausbildung aufrechtzuerhalten, wurde eine so genannte Ausbildungskostenausgleichskasse (AKS) eingerichtet. Sie ist im allgemein verbindlichen Tarifvertrag über die Förderung der beruflichen Ausbildung im Schornsteinfegerhandwerk festgeschrieben. Demnach ist jeder Betrieb verpflichtet, 4,4 Prozent des Bruttolohnes, mindestens aber 800 Euro, in die AKS zu zahlen. „Die AKS ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Erhaltung unseres Berufsstandes“, betont Hans-Günther Beyerstedt, Präsident des Bundesverbandes der Schornsteinfeger.
Alles in allem blicken die Schornsteinfeger optimistisch in die Zukunft. Bei den geringen Summen, die sie pro Haus umsetzen, wird ein harter Konkurrenzkampf auch in Zukunft wohl ausbleiben. Vielmehr zählen die weichen Faktoren. „Der Wettbewerb wird nicht über den Preis laufen, sondern über Freundlichkeit, Sauberkeit und Service beim Kunden“, ist sich Verbandssprecher Stephan Langer sicher.
Zahlen und Fakten
Kehrbezirke: rund 7.700
Innungsmitglieder: 7.500 Betriebe, nicht organisiert sind rund 180 Betriebe
Lehrlinge: 1.835, davon 174 weiblich (Stand: Herbst 2012)
Betreute Gebäude: rund 14 Millionen
