Holzhalle in Berlin So funktioniert energiesparender Gewerbebau

Der neue Firmensitz eines Möbelbauers in Berlin zeigt, wie Verwaltung und Produktion sinnvoll kombiniert werden können. Der Bau überzeugt vor allem durch sein bis ins letzte Detail durchdachtes Energiekonzept.

Steffen Guthardt

In der Produktionshalle stechen sofort die Fischbauchträger an der Decke ins Auge. - © Foto: Daniela Friebel

Hilfst du mir, helf ich dir! Was aus einer vorbildlichen Nachbarschaft entstehen kann, zeigt ein Gewerbebau in Berlin-Tempelhof, der mehrere Preise abgeräumt hat und dieses Jahr beim Handwerker- und Architekten-Wettbewerb "Geplant+Ausgeführt" in der Endausscheidung vertreten war.

Auftrag vom Auftragnehmer

2009 suchte das Architekturbüro "Ziegert Roswag Seiler" eine Werkstatt, die die eigenen Firmenräume ausbauen sollte. Fündig wurden die Architekten gleich im Nachbarhof in Berlin-Kreuzberg. Dort saß die Firma Artis, die seit 1994 individuelle Möbel für den gehobenen Anspruch fertigt. Ein Jahr später wurde der Auftragnehmer dann zum Auftraggeber und die Architekten sollten für Artis eine neue Unternehmenszentrale entwerfen, die sich durch ein einzigartiges Design und vor allem ein energiesparendes Konzept auszeichnen sollte.

15 Monate dauerte es, bis aus der ers­ten Skizze die fertige Gewerbehalle entstand, die reine Bauzeit betrug nur sieben Monate. Herausgekommen ist ein L-förmig angelegtes Gebäude, das aus einer einstöckigen Produktions- und einer zweistöckigen Verwaltungshalle besteht.

Auf den ersten Blick sticht die Holzschindelfassade ins Auge, mit der die Haupthalle errichtet wurde. Die Licht­höhe des eingeschossigen Gebäudes beträgt 8,20 Meter. Für die Gebäudehülle in Niedrigenergiebauweise wurden weitgehend nur CO²-neutrale Baustoffe wie Holz und Zellulose verwendet. Der energetische Standard übererfüllt die Anforderungen der Energiesparverordnung deutlich. Der vorgeschriebene Primärenergiebedarf wird um 86 Prozent unterschritten. Die Außenwände und Dächer sind zudem hochwärmedämmend und diffusionsoffen.

Der Innenraum der Halle wird durch die ausgeklügelte Dachkonstruktion bestimmt. Das Dach wird gestützt durch schlanke Fischbauchträger mit Spannweiten von bis zu 20 Metern, die die Halle fast wie das Innere eines alten Schiffes wirken lassen. Die auf dem Dach befestige Lärmschutzwand besteht aus massivem Brettsperrholz. Ein umlaufendes Lichtband sowie Oberlichter im Dach sorgen für eine Beleuchtung, die Tageslichtatmosphäre schaffen soll. Zusätzlich ist auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert, die mit einer Leistung von 36 kWp vollständig den Strombedarf im Grundbetrieb ohne schwere Produktionsmaschinen decken kann.

Seite 2: Ein Dach wird zum Garten

Durch den Einsatz großer Glasfenster bietet sich von der Verwaltung ein direkter Blick auf die Produktion. - © Daniele Friebel
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Grüne Verwaltung

Im bewussten Kontrast zur Produktionshalle wurde die direkt anschließende Verwaltungseinheit des Firmensitzes konzipiert. Das zweigeschossige Gebäude ist weiß verputzt und die Dachfläche wurde komplett begrünt. Das schafft einen Wärmeschutz für die darunterliegenden Büroräume im Sommer und leistet zusätzlich einen Beitrag zur Verbesserung des Klimas im Stadtbezirk. Der Zugang von Kunden zum Firmengelände findet ausschließlich über eine Außentreppe am Verwaltungsgebäude statt, über die auch die Planungsabteilung des Unternehmens erreicht wird.

Vom ersten Obergeschoss bietet sich über eine verglaste Galerie ein direkter Blick in die Werkhalle. So können von der Planungsabteilung Produktionsabläufe auch ohne Monitor per direktem Sichtkontakt kontrolliert werden.

Seite 3: Modernes Heizen

Klimafreundliche Heizung

Die Heizlast des Gebäudes und der gesamte Wärmebedarf werden über einen 100-kW-Festbrennstoffkessel abgedeckt. Als Festbrennstoff wird ausschließlich das Restholz der eigenen Produktion verwendet. Es wird zu Hackschnitzeln zerkleinert und über einen Vorratsbunker direkt dem Kessel zugeführt. In den Sommermonaten werden die nicht benötigten Hackschnitzel für die heizungsintensiven Wintermonate gesammelt. Durch die Beschränkung der Wärmeerzeugung über Holz schafft es der Betrieb, eine CO²-neutrale Deckung zu erreichen.

Die Produktionshalle wird über eine riesige Fußbodenheizung in Form eines Industrieflächenheizungssystems erwärmt. Dabei wurden die Heizungsrohre direkt in die Bodenplatten der Halle verlegt. Wärmeverluste an das Erdreich werden durch eine ganzflächige Wärmedämmung weitestgehend vermieden. Belüftet werden der Produktionsbereich im Erdgeschoss und die Sanitärräume im Obergeschoss mechanisch. Eine spezielles Zuluft- und Abluftsystem mit einer entsprechenden Anordnung der Luftauslässe ermöglicht es, komplett auf zusätzliche Lufterhitzer zu verzichten.

Mit dem neuen Firmensitz hat sich die Vorstellung der Firma Artis erfüllt, alle Arbeitsschritte der Produktion auf einer Ebene zu bündeln und dabei möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Weitere gemeinsame Projekte mit den Architekten sind schon in Planung.