Tag des Bieres Das kühle Blonde verliert an Markt

Wasser, Hopfen und Malz – drei Zutaten, die heute vor genau 497 Jahren die Braukunst für Bier definierten. Noch heute nach einem knapp halben Jahrtausend steht das Deutsche Reinheitsgebot für Qualität im Bierhandwerk. Doch Feierstimmung kommt bei den Brauern nicht recht auf.

Christoph Ledder

Der Bierkonsum sinkt. Der demografische Wandel und veränderte Lebensgewohnheiten sind die Gründe. - © Foto: Taffi/Fotolia.com

Der 23. April ist der "Tag des Deutschen Bieres“ – und fest im Terminkalender des Deutschen Brauer-Bundes verankert. Neben deutschlandweiten Brauereiführungen stehen in vielen Braustätten Verkostungen auf dem Programm, um dem hellen oder dunklen Gerstensaft zu huldigen. Gilt Deutschland doch mit seinen über 5.000 verschiedenen Bieren als gestandene Biernation. So weit so gut.

Wandel des Biertrinkers

Doch trotz der großen Sortenvielfalt scheinen die Deutschen diesen Status langsam abgeben zu wollen. Die veränderten Lebens- und Konsumgewohnheiten machen dem Bierhandwerk zu schaffen. "Soziologische und demografische Gründe sind für den sinkenden Konsum des Gerstensaftes verantwortlich", sagt Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher des Deutschen Brauer-Bundes.

Einerseits führe ein verändertes Gesundheitsbewusstsein zum schwächelnden Bierkonsum, andererseits "werden die Menschen immer älter und müssen krankheitsbedingt auf den Biergenuss verzichten", erläutert Huhnholz weiter.

Seite 2: Der Wettbewerb auf dem kleinen Markt ist groß >>>

Um den Bierkonsum wieder zu erhöhen, setzt die Branche verstärkt auf Exporte. „Oktoberfest und Biergenuss stehen stellvertretend für das Deutsche Reinheitsgebot. Im Ausland verschafft es dem Handwerk gewisse Absatzvorteile", betont Huhnholz. Und auch mit Biermischgetränken, die fünf Prozent vom Biermarkt ausmachen, versucht die Branche den Biergenuss hierzulande wieder zu steigern.

Verdrängungswettbewerb auf dünnem Markt

Der Umsatzknick ist allerdings nicht nur mit dem Wandel in der Bierkultur begründet, sondern auch mit dem dünnen, vor allem hart umkämpften Markt. Viele kleine Privatbrauereien kämpfen täglich mit den großen Konzernen.

So gibt es beispielsweise in Sachsen-Anhalt nur noch sieben Privatbrauereien. Diese sind im Verband Private Brauereien in Mitteldeutschland organisiert. Präsidentin Renate Scheibner benutzt klare Worte: "Wir haben einen unglaublichen Verdrängungswettbewerb über den Preis." Da die großen Brauereien den Markt dominierten, sei  es für die kleinen Brauereien unmöglich, den Preiskampf mitzumachen.

Seite 3: Der Beruf des Brauers erfreut sich großer Beliebtheit.Sorgen bleiben dennoch>>>

Um dem entgegenzuwirken, setzten viele kleine Brauereien auf Spezialitäten und stellen ihre regionale Verbundenheit heraus. Doch das kann laut Huhnholz auch zum Problem werden: "Für die regionalen Braustätten ist es schwierig, weil sie sich nur in einem begrenzten Kreis bewegen. Überregionale Brauereien haben es da einfacher."

Darüber hinaus ist die regionale Verbundenheit nicht in jedem Bundesland gleich. In Bayern und Baden-Württemberg ist sie stärker ausgeprägt als beispielsweise in Sachsen-Anhalt.

Ausgelernte haben es schwer

Bei allen Schwierigkeiten, mit denen das Handwerk kämpft, erfreut sich der Beruf bei vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen großer Beliebtheit. Auf den ersten Blick könne von einem Fachkräftemangel nicht die Rede sein, sagt Huhnholz. Doch schaue man genau, haben es Ausgelernte nicht leicht, auf Anhieb eine passende Stelle zu finden.

"Die deutschen Brauer müssen mobil und flexibel sein, wenn sie in Deutschland eine Stelle als Brauer oder Mälzer bekommen wollen. In vielen Fällen müssen sie lange suchen", sagt Huhnholz. Aufgrund der nicht optimalen Berufsaussichten, gehen viele ausgelernte und studierte Brauer ins Ausland. Huhnholz: "Im Ausland ist die deutsche Braukunst sehr gefragt.“