Offener Brief an Sigmar Gabriel Qualität gibt es nicht nur im "Biomarkt"

Sigmar Gabriel legt sich mit dem Fleischerhandwerk an. In einem offenen Brief wehrt sich der bayerische Fleischerverband gegen Aussagen des SPD-Parteivorsitzenden zur Lebensmittelqualität in Deutschland und dem aktuellen Pferdefleischskandal. Qualität gibt es nicht nur im "Biomarkt", betont der Verband.

Um gute Fleisch- und Wurstqualität zu bekommen, muss man nicht in den Biomarkt gehen. Auch beim Handwerksmetzger gibt es Qualitätswaren. - © Foto: contrastwerkstatt/Fotolia

"Haben sie schon einmal Fleisch oder Wurst bei einer familiär geführten, handwerklichen Metzgerei, oder Fleischerei, wie es bei Ihnen heißt, gekauft? Und dabei Sorge um Ihre Gesundheit gehabt?" – Mit dieser Frage und einigen Vorwürfen, von denen man sofort merkt, dass dahinter große Wut steht, hat sich der Fleischerverband Bayern an den SPD-Parteivorsitzenden, Sigmar Gabriel, gewendet.

Georg Schlagbauer ist Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes Bayern. - © Fleischerverband Bayern
Georg Schlagbauer

In einem offenen Brief kritisiert der Vorsitzende des Verbands, Landesinnungsmeister Georg Schlagbauer, Aussagen Gabriels zur Diskussion, die vergangenes Wochenende durch die Medien gingen. Wörtlich zitiert der Verband den Satz des Sozialdemokraten: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich nur noch Besserverdiener gesunde Lebensmittel aus dem Biomarkt leisten können." – Und nimmt diese Aussage zum Anlass, die Politik der SPD rund um die Lebensmittelvermarktung in Deutschland zu kritisieren.

Keine anonymen Produkte

Schlagbauer sieht in den Worten Gabriels eine Abwertung der handwerklichen Produkte. "In Bayern arbeiten ca. 4.000 Handwerksmetzgereien täglich mit großer Mühe daran, hochwertigste und gesunde Lebensmittel herzustellen", heißt es im Brief des Verbands. Und weiter: "Regionalität, Rückverfolgbarkeit, Nachhaltigkeit und Ursprünglichkeit sind die Ziele unserer Betriebe. Der Metzgermeister trägt dafür die persönliche und unmittelbare Verantwortung gegenüber seinem im Laden stehenden Kunden und versteckt sich nicht hinter irgendwelchen Firmenlabels einer anonymen Produktion."

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Dem Verband geht es allerdings nicht allein um die hohe Qualität der handwerklichen Produkte, sondern auch um die Versorgung der Kunden vor Ort in kleinen Läden. So lasse die Bezeichnung "Markt" aus Sicht der Fleischer den Schluss zu, dass die SPD den Verkauf von Lebensmitteln über große Einzelhandelsketten auf der grünen Wiese bevorzuge. In vielen Dörfern und kleinen Gemeinden in ganz Deutschlands hätten durch diese Entwicklung in den vergangenen Jahren viele alteingesessene Fleischereien aufgegeben müssen.

Keine Chance für falsch deklariertes Fleisch

In seinem Brief nimmt der bayerische Landesinnungsmeister aber auch Bezug auf den aktuellen Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch und den Forderungen der SPD nun neue europäische Lebensmittelkontrollbehörden zu schaffen. So lässt diese Forderung aus Sicht des Verbands vermuten, dass die SPD die Vermarktung von Lebensmitteln auf europäischer Ebene unterstützt.

"In unseren Augen wäre es dagegen sinnvoll die regionale Wertschöpfungskette in Deutschland zu intensivieren, Fördermöglichkeiten zu schaffen und damit handwerkliche Lebensmittelproduzenten zu stärken", heißt es im Brief. Damit wäre falsch deklariertes Fleisch aus industrieller Produktion weit schwerer zu vermarkten.

Den Brief im Wortlaut des Verbands können Sie unter fleischerverbandbayern.de nachlesen. jtw