Pkw-Verkauf sinkt Schwierige Zeiten für kleine Autozulieferer

Der deutsche Automarkt kommt ins Trudeln. Die Zulassungszahlen sacken nun auch in Deutschland ab. Damit brechen auch schwierige Zeiten für Autozulieferer an. Vor allem kleine Firmen sind betroffen, die der Autoindustrie nicht ins Ausland folgen können.

Der Autoverkauf sackt weiter ab. Die Zahl der Neuzulassungen ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 17 Prozent gesunken. - © Foto: Ingo Wagner/dpa

Die großen Fahrzeughersteller in Deutschland vergeben ihre Aufträge an Zuliefererfirmen häufig nur noch online. Für Firmen, die beim digitalen Wettbieten mithalten wollen, reicht es längst nicht mehr, Bauteile günstig nach Wolfsburg, Stuttgart oder München zu liefern. Denn diese werden zeitgleich in Osteuropa, den USA und vor allem in Asien gebraucht.

Der Wettbewerb verschiebt sich immer mehr ins Ausland, da die Automobilbranche mit sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen hat. Gerade für kleine Firmen, die Einzelteile zuliefern, nimmt der Druck immer mehr zu, sich gegen die Großen der Branche behaupten zu können.

Weniger Neuzulassungen

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger dürften in den nächsten drei bis vier Jahren in Westeuropa rund 75.000 Jobs in der Branche verloren gehen. Auch Deutschland wäre davon stark betroffen. Studienautor Marcus Berret schätzt, dass rund ein Drittel bis die Hälfte der Arbeitsstellen in Deutschland wegfallen.

Der Grund für die schwierigen Zeiten der Branche liegt auch in den sinkenden Absatzahlen von Neuwagen. Der Pkw-Verkauf sackt nun selbst in Deutschland, eigentlich Hoffnungsträger inmitten der Euro-Wirtschaftskrise, kräftig ab.

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Die Zahl der Neuzulassungen brach im März verglichen mit dem Vorjahresmonat um 17,1 Prozent auf rund 281.000 Fahrzeuge ein, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mit. Hinzu kommt, dass die deutschen Autobauer mit schwächerer Nachfrage aus dem Ausland zu kämpfen haben. In Deutschland verkauften im ersten Quartal alle großen Hersteller weniger Autos.

Internationaler werden

So spüren auch die Zulieferer, dass sich der Markt verändert. "Die Hersteller machen klar: Wenn man sie beliefern will, dann muss man sie weltweit beliefern", sagt Bernd Welzel, Geschäftsführer beim mittelständischen Zulieferer Fehrer, einem Spezialisten für Sitzpolster aus der Nähe von Würzburg.

Um im Wettbewerb mitzuhalten, entschied sich das Unternehmen vor gut sechs Jahren für den riskanten Schritt in die weite Welt. In China, Indien, den USA und Südafrika ist das Unternehmen – teils über Partner – präsent. Aber in der Heimat sieht es düster aus: Erst vergangene Woche verkündete Fehrer das Aus für einen Standort bei Leipzig.

Am Stammsitz in Kitzingen sollen bis Ende 2014 außerdem 400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Und das obwohl die Firma international gut aufgestellt ist. Kleine Firmen ohne diesen Marktvorteil haben es nun laut den Ergebnissen von Roland Berger noch schwerer. Wer sich den teuren Gang in die weite Welt nicht leisten kann, bekomme Probleme. "Die werden nicht von der Bildfläche verschwinden, sich aber zunehmend schwertun", sagt Berret.

Innovativ und finanziell abgesichert sein

Zu diesem Ergebnis kommt auch der Insolvenzexperte Detlef Specovius, Partner bei der Kanzlei Schultze & Braun. So müssten sich kleine Firmen in Zukunft einerseits stärker anstrengen und mit eigenen Innovationen punkten. Andererseits müssten sie auch darlegen können, dass sie finanziell gut dastehen. Ansonsten werde es schwere Aufträge zu bekommen.

Die große Sorge: Ein kleiner Lieferant könnte in einer Krise ausfallen. "Innerhalb eines laufenden Projekts den Zulieferer zu wechseln ist sehr problematisch", sagt Specovius. Schließlich können schon kleine Verzögerungen die ganze Produktionskette lahmlegen. Und zum Teil haben die Aufträge der Hersteller jahrelange Laufzeiten. dhz/dpa