Die Nachfrageschwäche im Autoverkauf macht dem Kfz-Gewerbe in Deutschland zu schaffen. Könnten die Werkstätten nicht bei den Gebrauchtwagen und einem guten Service einiges wieder aufholen, wäre das Umsatzvolumen 2012 noch stärker gesunken als nur um 1,6 Prozent, zeigen die Zahlen, die der Verband bei der Jahrespressekonferenz vorstellte.

"Blicken wir zurück, ist das Kfz-Gewerbe im Autojahr 2012 mit einem blauen Auge davongekommen", beurteilt der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Robert Rademacher, die Bilanz der Umsätze des Kfz-Gewerbes. Mit dem blauen Auge meint er die Situation, dass das schwächelnde Neuwagengeschäft große Auswirkungen auf die Betriebe hat und diese umso mehr mit anderen Leistungen punkten müssen.
Rendite reicht nicht aus
Den deutlichen Rückgängen im Neuwagenhandel standen gestiegene Umsätzen im Service und bei Gebrauchtwagen gegenüber. Insgesamt erreichte das Kfz-Gewerbe im Jahr 2012 ein Umsatzvolumen von 138,5 Milliarden Euro und blieb damit um 1,6 Prozent hinter dem Vorjahreswert von 140,7 Milliarden Euro zurück. Im Neuwagengeschäft gingen die Umsätze um acht Prozent auf 54,6 Milliarden Euro zurück.
So hat die Rendite der Betriebe im Händlerdurchschnitt bei 1,4 Prozent gelegen und damit um 0,6 Punkte unter dem Vorjahreswert. "Unter normalen Marktbedingungen ist im Kfz-Gewerbe eine Umsatzrendite zwischen zwei bis vier Prozent erforderlich", sagte Rademacher zu dieser negativen Werten. Diese Rendite sei notwendig, um Investitionen zu tätigen und Mitarbeiter vernünftig aus- und weiterzubilden sowie angemessen bezahlen zu können.
Aufgefangen wurden die Einbußen durch positive Werte beim Gebrauchtwagenhandel. Dieser blieb mit 44,2 Milliarden Euro um 5,8 Prozent über dem Vorjahreswert von 41,8 Milliarden Euro im Jahr 2011. Aber auch im Servicegeschäft stieg der Umsatz um 3,2 Prozent auf 30,2 Milliarden Euro. 2011 waren es 29,3 Milliarden Euro.

Beliebteste Beruf: Kfz-Mechatroniker
Neben den Veränderungen bei den Umsätzen hat sich 2012 auch die Struktur des Kfz-Gewerbes verändert. Zwar ist die Anzahl der Beschäftigten mit insgesamt 453.600 Mitarbeitern (Stand 31. Dezember 2012) in technischen und kaufmännischen Berufen nahezu stabil geblieben. Es waren 2.400 Menschen bzw. 0,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Doch die Zahl der Betriebsstätten verändert sich.
Zum 31. Dezember 2012 zählte die Branche bundesweit insgesamt 37.800 Kfz-Betriebe, 200 weniger als 2011. Davon waren 17.500 fabrikatsgebundene Betriebe und 20.300 freie Werkstätten.
Anders als in anderen Handwerksberufen hat das Kfz-Gewerbe bei der Nachwuchssuche nicht so große Probleme. Insgesamt gut 90.300 Auszubildende waren zum 31. Dezember 2012 in den Autohäusern und Werkstätten beschäftigt. Damit lag die Zahl fast auf dem Niveau des Vorjahres von etwa 90.900 Azubis. Der beliebteste Ausbildungsberuf war dabei der Kfz-Mechatroniker.
Hoffnungen für den Frühling
Mit Blick auf das Jahr 2013 geht das Kfz-Gewerbe trotz aktueller Schwächen von steigenden Umsätzen aus. Im aktuellen ZDK-Geschäftsklimaindex bezeichnen 47,1 Prozent der Befragten das Neufahrzeuggeschäft als schlecht. Bei den Gebrauchtwagen sind es 30,2 Prozent und im Werkstattbereich 31,7 Prozent.
Doch die Betriebe blicken hoffnungsvoll in den Frühling: Bei den Erwartungen stieg der Index von 90,1 auf 114,4 Punkte. In allen Geschäftsbereichen geht die deutliche Mehrheit der Befragten von zumindest befriedigenden und damit saisonüblichen Geschäften aus. jtw