Die sinkende Nachfrage nach Investitionsgütern hat im vergangenen Jahr einen Schatten auf die Konjunktur geworfen. Unter anderem ließ die Auslastung der Industriezulieferer und der Kfz-Betriebe nach. Jedoch hat sich eine Branche keine Verschnaufpause gegönnt: das Baugewerbe.
Lothar Semper und Marco Wenz
Der Bau boomt weiter und zieht die Handwerkskonjunktur. Auch die Handwerke für den privaten Bedarf haben wenig zu klagen. Dagegen muss das Kfz-Gewerbe ausfpassen. Wie sich die Branchen im laufenden Jahr entwickeln werden:
Keine Atmenpause am Bau
Baugewerbe: Das Baugewerbe arbeitet unter Hochdruck. Die größte Dynamik entfaltet dabei der Wohnungsbau. Auch 2013 werden die Investitionen in der Sparte um preisbereinigt drei Prozent ausgeweitet, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Die Prognose scheint gesichert, denn 2012 gaben die Ämter 214.000 Wohnungen zum Bau frei, ein Plus von sieben Prozent.
Entscheidend für das Wachstum sind gute Beschäftigungs- und Einkommensaussichten. Denn sie heizen den Wunsch nach den eigenen vier Wänden an. Dass die Hypothekenzinsen dieses Jahr niedrig bleiben, verleiht dem Trend zusätzliche Schubkraft und treibt die Anleger in die Sachwerte.
Mehr und mehr werden Wohnungsunternehmen und Immobilienfonds die privaten Haushalte als Impulsgeber ablösen, zumal sich die Renditen mit den rasch steigenden Quadratmeterpreisen verbessern.
Vom Wirtschaftsbau sind dagegen vorerst noch keine großen Akzente zu erwarten. Die deutschen Unternehmen ließen 2012 zwar mehr Raum in neuen Büros, Lagergebäuden, Fabriken und Gaststätten genehmigen als 2011; wann daraus aber konkrete Bauaufträge werden, hängt von den Konjunktur-Perspektiven ab.
Die Kommunen dürften trotz sprudelnder Steuereinnahmen die Bremse nur zögerlich lösen. Schuldenabbau ist das Gebot der Stunde. Als Folge der strukturellen Unterfinanzierung vieler Gemeinden hat sich inzwischen ein chronischer Investitionsrückstand aufgebaut, so bei Bildungsstätten. Dagegen drückt der Bund beim Ausbau der Stromnetze aufs Tempo. Gemäß DIW wachsen die öffentlichen Bauinvestitionen auf niedriger Basis real um knapp sechs Prozent.
Zulieferer in ruhigerem Fahrwasser
Handwerk für gewerblichen Bedarf : Der Maschinen- und Werkzeugbau schlug 2012 eine langsamere Gangart an. Dank der weit fortgeschrittenen Internationalisierung – zwei Drittel der Umsätze werden im Ausland erwirtschaftet – erreichte er dennoch ein Produktionsplus von zwei Prozent. Gleichzeitig rutschten die Auftragseingänge deutlich ins Minus.

Darin spiegelte sich vor allem die Unsicherheit der heimischen Kundschaft, die die Anschaffung von Ausrüstungsgütern zurückstellte.
2013 wird diese Entwicklung voll auf die Handwerke für den gewerblichen Bedarf durchschlagen. Zum Jahresende hatten bereits 31 Prozent der Betriebe über schrumpfende Bestellungen berichtet. Vorbeugend wurden die Personalpläne angepasst. 13 Prozent wollten die Belegschaft verringern; zwölf Monate zuvor waren es nur acht Prozent. Schon ab der Jahresmitte sind die Perspektiven jedoch günstiger.
Die Nachfrage nach effizienten, modernen Maschinen „made in Germany“ wird weiter zunehmen. Um die Wünsche zu erfüllen, ist die Industrie auf eine intakte Wertschöpfungskette angewiesen.
Automarkt verunsichert
Kraftfahrzeuggewerbe: Absatzprobleme kennzeichnen die Lage am Automarkt. Der Handel mit neuen Pkws nimmt ab und ist von hohen Preisabschlägen geprägt. Die Zulassungszahlen unterschritten im Januar das Vorjahresergebnis um 8,6 Prozent, nachdem sie bereits 2012 um drei Prozent im Schnitt nach unten gerutscht waren.
Für 2013 prognostiziert der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe einen Rückgang auf unter drei Millionen. Allerdings könnten die gewerblichen Kunden die Bilanz aufbessern. Denn eine Konjunkturerholung sollte den Kauf von Nutz- und Firmenfahrzeugen anregen. Im Gebrauchtwagenhandel ist 2013 mit geringen Zuwächsen auf knapp sieben Millionen Pkw-Besitzumschreibungen zu rechnen.
Dabei profitieren die Käufer von einem breiten, attraktiven Angebot als Resultat der vielen Eigenzulassungen in den vergangenen Jahren. Die Kehrseite der Medaille: Die Händler müssen mit niedrigen Gewinnmargen und langen Standzeiten zurechtkommen.
Teure Rohstoffe für im Lebensmittelhandwerk
Lebensmittelhandwerke: Die Entwicklung der Bäcker, Fleischer und Konditoren ist im vergangenen Jahr von gestiegnen Kosten und Nachwuchsmangel beeinträchtigt worden. Sowohl die realen Umsätze als auch die Beschäftigtenzahlen sanken. Zu Jahresbeginn 2013 hofften 75 Prozent der Betriebe auf gute oder befriedigende Geschäfte, das war nur ein Punkt weniger als Anfang 2012.
Immerhin bietet die stabile Verbrauchskonjunktur günstige Voraussetzungen für eine Rückkehr auf den Wachstumspfad. Andererseits zeichnen sich weitere Preis-Rallyes bei Energie und Rohstoffen ab. Während die Ernährungsindustrie von den Ökosteuer-Ausnahmen profitiert, wird das Lebensmittelhandwerk beim Strompreis stärker belastet.
Missernten, Börsenspekulationen und die Verknappung der Anbauflächen als Folge der ausgeweiteten Förderung von Biosprit lassen die Preise für Getreide in die Höhe schnellen. Damit nicht genug, müssen die Betriebe mit den wachsenden Ansprüchen der Kunden zurechtkommen, die bis Ladenschluss das volle Sortiment vorfinden wollen.
Konsum bleibt freundlich
Handwerk für privaten Bedarf: Das Umfeld für die konsumnahen Handwerke bleibt in diesem Jahr freundlich. Sparen lohnt sich aus Sicht der Verbraucher nicht. Allerdings schwächt der Aufwind ab, den die Beschäftigungszuwächse ausgelöst haben. Zudem zehren steigende Energiepreise und Mieten das Einkommensplus teilweise auf.
Vor diesem Hintergrund sind die Spielräume für ein Umsatzwachstum begrenzt. Bei den Friseuren herrscht dennoch Zuversicht, dass das Interesse an Kosmetik und Styling langfristig wächst. Als innovative „Beauty-Dienstleister“ gelingt es den Betrieben immer wieder, neue Trends und Techniken am Markt zu etablieren.
Die Umsätze der Gesundheitshandwerke tendierten im vergangenen Jahr seitwärts. Bei Augenoptikern und Hörgeräteakustikern stagnierten die Stückzahlen. Für 2013 sind Wachstumsspielräume vorhanden – immer mehr Menschen brauchen eine Seh- oder Hörhilfe. Impulse ergeben sich aber auch durch Innovationen, das zeigt die Absatzentwicklung bei Gleitsichtbrillen.
Neben technischen Verbesserungen setzen die deutschen Optiker langfristig auf neue Materialien. Diese können zum Beispiel das Beschlagen der Brillengläser verhindern.