Fleischer-Präsident auf der IHM "Die Franzosen lachen sich kaputt über uns"

Bei der IHM-Pressekonferenz des Deutschen Lebensmittelhandwerks wurden auch die jüngsten Skandale um Pferdefleisch und Bio-Eier thematisiert. Fleischer-Präsident Heinz-Werner Süss forderte die Verbraucher auf, ihr Kaufverhalten zu überdenken. Aber auch die Deklaration von Lebensmitteln sei ein Problem.

Steffen Guthardt

Fleischprodukte sind immer wieder in Lebensmittelskandale verwickelt. - © Foto: Andres Rodriguez/Fotolia

"Wenn im Supermarkt ein Kilo Lasagne für 1,99 Euro zu kaufen ist, sollte sich der Verbraucher schon fragen, ob das Qualität sein kann", sagte der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands anlässlich einer Pressekonferenz der Lebensmittelhandwerke auf der Internationalen Handwerksmesse. Der Verbraucher müsste sich stärker fragen, wo die Produkte herkommen, die er kauft, und ob Niedrigpreise im Supermarkt in Anbetracht der Kosten für Herstellung, Verpackung und Transport von Lebensmitteln für Qualität sprechen. Süss betonte aber auch, dass es für den Verbraucher schwierig sei, die Herkunft und Qualität von Produkten aus dem Supermarkt nachzuvollziehen, weil hier ein Deklarierungsproblem vorliege.

Häme der Nachbarn

Wenn die Franzosen über die Grenze schauen, würden sie sich kaputt lachen über das deutsche Einkaufsverhalten, so Süss weiter. Während bei den Nachbarn Qualität und Genuss immer noch im Vordergrund stehen, würde bei vielen deutschen Verbrauchern leider die Billigmentalität überwiegen.

Aufwind durch Skandal

Das Fleischerhandwerk profitiert allerdings von den jüngsten Skandalen. Der Trend wieder häufiger zum Metzger zu gehen sei da, sagte Süss. Allerdings hegte er bedenken, dass der Verbraucher nach einigen Wochen wieder auf den Discounter umschwenken könnte, wenn die Aufmerksamkeit in den Medien nachlasse. Dies hätten vorherige Skandale leider gezeigt, so Süss.

Er appellierte deshalb an seine Branche, auch öffentlich noch stärker auf die Qualitätsarbeit des Handwerks hinzuweisen. "Wir sind zu brav", sagte Süss. Die Handwerker würden genau wissen, was in ihren Produkten drinsteckt. Auch die Nähe zum Kunden an der Theke sei ein Vorteil, der mehr genutzt werden müsste um noch mehr Stammkunden zu gewinnen.

Kein gesetzlicher Mindestlohn

Auch die Mindestlohndebatte im Lebensmittelhandwerk war ein Thema der Pressekonferenz. Die anwesenden Verbandsvertreter der Fleischer, Bäcker und Konditoren sprachen sich geschlossen gegen einen gesetzlichen Mindestlohn aus. Die bessere Alternative seien gelebte Tarifpartnerschaften.

Für das Geschäftsjahr 2013 erwartet das Lebensmittelhandwerk in allen Bereichen ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr. Eine der wichtigsten Herausforderungen sei es, die Nachfolgeregelung in Betrieben zu verbessern, damit der Trend des Aussterbens kleinerer Unternehmen in der Branche gestoppt werden könnte, erklärte Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Handwerks.