Lobbyarbeit Verein "Die Lebensmittelwirtschaft" gegründet – Handwerk beteiligt

Eine neuer Verein namens "Die Lebensmittelwirtschaft" hat sich am Dienstag in Berlin vorgestellt. Der Verein will nach eigenen Worten die Positionen von sieben Trägerverbänden bündeln und Impulsgeber für das Thema Lebensmittel sein. Auch die sieben Lebensmittel-Handwerke sind über den Unternehmerverband Deutsches Handwerk (UDH) an der neuen Plattform beteilitgt.

Der geschäftsführende Vorstand, von links: Geschäftsführer Stephan Becker-Sonnenschein, Markus Mosa (Edeka AG), Gerhard Berssenbrügge (Nestlé Deutschland AG), Dr. Wolfgang Heer (Südzucker AG), Friedhelm Dornseifer (Bundesverband des deutsche Lebensmittelhandels). - © Sophie Schwarz

Der im vergangenen Jahr gegründete Verein "Die Lebensmittelwirtschaft" vertrete sowohl Erzeuger, Hersteller und Handel als auch das Handwerk, sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins und von Nestlé Deutschland, Gerhard Berssenbrügge, am Dienstag in Berlin. Er solle ein Kommunikations- und Dialogforum mit dem Verbraucher sein. Verbraucherschützer begrüßten es, wenn die Branche mehr Transparenz über die moderne Lebensmittelproduktion bieten wolle. Dies alleine reiche jedoch nicht aus. "Qualitätsversprechen einzelner Produkte sind für den Verbraucher schwer nachvollziehbar", räumte Berssenbrügge ein.

Zudem habe eine zum Teil "skandalisierte Berichterstattung" zu Misstrauen geführt. Die Lebensmittelwirtschaft müsse sich zwar nicht dem Vorwurf der bewussten Täuschung stellen, sagte er. "Aber – das müssen wir einräumen – wir haben zuweilen Anlass zur Enttäuschung gegeben." Dem solle entgegengewirkt werden: Der Verein stehe "für den informierten Verbraucher, der ohne Bevormundung zu einem eigenen Urteil findet", fügte Berssenbrügge hinzu.

"Wir wollen mit einer Stimme sprechen", sagt Bäckerpräsident Peter Becker.

Zu den Trägerverbänden gehört auch der Unternehmerverband Deutsches Handwerk (UDH). Dort wiederum ist die Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks angesiedelt. Diese setzt sich zusammen aus dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, dem Deutschen Konditorenbund, dem Deutschen Fleischer-Verband, den Privaten Brauereien Deutschland, demBundesverband italienischer Speiseeishersteller und dem Verband Deutscher Mühlen. "Als wichtiger Akteur der Lebensmittelwirtschaft utnerstützen wir die neue gemeinsame Informations- und Kommunikationsplattform. Wir wollen in grundlegenden Fragen gegenüber Verbrauchern, Politik und Medien mit einer Stimme sprechen", sagt Peter Becker, Präsident des ZV Bäckerhandwerk und Sprecher des Deutschen Lebensmittelhandwerks.

© "Die Lebensmittelwirtschaft e.V."
"Die Lebensmittelwirtschaft"

Ein Problem widerstreitender Interessen gegenüber der Industrie sieht das Handwerk nicht. Amin Werner, Mitglied im Arbeitskreis Kommunikation und Hauptgeschäftsführer des ZV Bäckerhandwerk, gibt sich selbstbewusst: "Wenn wir als Handwerk nicht mitmachen, verliert die Plattform an Überzeugungskraft." Die Lebensmittelhandwerke seien zwar ein relativ kleiner Mitspieler in dem neuen Verein. Das Image der Bäcker, Fleischer, Müller etc. sei dennoch so gut, dass die "Lebensmittelwirtschaft" insgesamt von der Mitwirkung des Handwerks profitiere.

Umgekehrt ist das Handwerk auch von jedem Skandal wie etwa BSE oder jedem wichtigen Thema wie grüne Gentechnik unmittelbar betroffen, so dass seine Stimme bei der medialen Aufbereitung und Bereitstellung von Informationen zu diesen Themen gehört werden sollte.

Gefördert wird der Verein den Angaben zufolge von Unternehmen, Verbänden und Institutionen aus der Lebensmittelbranche. Dem geschäftsführenden Vorstand des Vereins gehören neben Berssenbrügge auch die Vorstandsvorsitzenden von Edeka und Südzucker, Markus Mosa und Wolfgang Heer, sowie der Präsident des Bundesverbands des deutschen Lebensmittelhandels, Friedhelm Dornseifer, an.

Auch die Unternehmen sollen sich verändern

Der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, forderte: "Wir brauchen auch einen neuen Geist der Lebensmittelwirtschaft – eine wirkliche Bereitschaft, sich die Vorstellungen, das Verständnis und die Wünsche der Verbraucher anzuhören und zu akzeptieren." Das würde aus Sicht von Billen auch bedeuten, "sich in der Lebensmittelbuchkommission bereitzuerklären, die Arbeit an einem horizontalen Leitsatz noch einmal aufzunehmen und nicht zu blockieren."

Foodwatch-Sprecher Martin Rücker warnte, die Lebensmittelbranche solle nicht ihr Heil in einer veränderten Kommunikation über gleichbleibende Zustände suchen. Der Verein könne jedoch etwas erreichen, wenn er es schaffe, auch den Unternehmen der Branche klar zu machen, dass auch sie sich verändern müssten, indem sie beispielsweise andere Produktinformationen bereitstellten. dapd/fm