Bauwirtschaft Privater Wohnungsbau stabilisiert Baukonjunktur

Die Bauwirtschaft geht davon aus, dass der private Wohnungsbau die Branche 2013 stabilisieren wird. Dagegen ist für die Verbandsvertreter fraglich, ob Städte und Gemeinde ihre höheren Einnahmen auch für Bauinvestitionen nutzen werden. Die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe wird in diesem Jahr vermutlich nicht weiter steigen.

Karin Birk

Die Bauwirtschaft geht davon aus, dass die Investitionen beim privaten Wohnungsbau 2013 steigen. - © Gina Sanders/Fotolia.com

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden wird auch in diesem Jahr die Bauwirtschaft stabilisieren. „Wachstumsmotor für das Bauhauptgewerbe wird – wie bereits in den Vorjahren – der Wohnungsbau bleiben“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein, der erstmals gemeinsam mit seinem Kollegen vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) einen Ausblick auf das laufende Jahr gab.

Insgesamt erwarten beide Verbände ein nominales Umsatzplus im Bauhauptgewerbe von zwei Prozent. „Bei einer erwarteten Preissteigerung von zwei Prozent ergibt sich damit eine reale Stabilisierung“, sagte HDB-Präsident Professor Thomas Bauer. Dabei hat der Bau nach den Worten Loewensteins nicht nur mit erhöhten Personalkosten, sondern auch mit erhöhten Baustoffkosten zu kämpfen. Eine Ergebnisverbesserung in den Betrieben könne deshalb nicht erwartet werden.

Gute Rahmenbedingungen für private Investitionen

Als Grund für die positive Konjunktur im privaten Wohnungsbau nannten die Verbände das verstärkte Interesse in- und ausländischer Kapitalanleger, die in Deutschland Sicherheit für ihre Finanzanlagen suchten. Gestützt würde die Nachfrage zudem durch die nach wie vor niedrigen Hypothekenzinsen sowie einer stabilen Beschäftigung und steigenden Einkommen. Insgesamt werde deshalb im privaten Wohnungsbau 2013 mit einem nominalen Umsatzplus von rund 3,5 Prozent auf 33,6 Milliarden Euro gerechnet. Für das Vorjahr rechnen die Verbände mit einem Plus von 5,0 Prozent nach 17,5 Prozent im Boomjahr 2011.  

Deutlich vorsichtiger äußerten sich die Verbandspräsidenten bei der Prognose für den Wirtschaftsbau. Hier werde es entscheidend darauf ankommen, ob die Konjunktur im zweiten Quartal wieder an Fahrt gewinne. Dann könnte der gewerbliche Bau nominal um ein Prozent auf 34,5 Milliarden Euro zulegen. Im Boomjahr 2011 ist der Wirtschaftsbau noch um knapp 14 Prozent auf 33,65 Milliarden gewachsen und im abgelaufenen Jahr wird es aller Voraussicht nach ein Plus von 1,5 Prozent sein.

Mehr Geld für Verkehrswege von der öffentlichen Hand

Auch beim öffentlichen Bau gehen die Branchenverbände von einem leichten nominalen Wachstum von 1,5 Prozent auf 26,8 Milliarden Euro aus. Die öffentliche Hand verzeichne zwar deutlich höhere Steuereinnahmen. Es sei aber offen, ob gerade die Städte und Gemeinden diese auch für Bauinvestitionen nutzten oder nicht vielmehr ihr Schulden abbauten. Als positives Signal bewerteten die Verbände, dass die Investitionen in Verkehrswege für das laufende Jahr um 600 Millionen Euro aufgestockt worden seien. Für 2012 wird nicht zuletzt wegen des Auslaufens der Konjunkturpakete mit einem Rückgang von 4,5 Prozent auf 26,4 Milliarden Euro gerechnet, nachdem im Vorjahr noch ein Plus von knapp sechs Prozent verzeichnet wurde. Angesichts einer deutlich schwächeren Baukonjunktur werde auch die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe dieses Jahr nicht weiter steigen, nachdem sie seit 2009 um 40.000 auf 745.000 Beschäftigte zulegte.

Mit dem gemeinsamen öffentlichen Auftritt wollen die beiden Verbände vor allem einen  „engeren Schulterschluss“ gegenüber der Politik deutlich machen, wie Bauer sagte. An eine Fusion sei allerdings nicht gedacht. Vielmehr gehe es darum, bei wichtigen Themen wie etwa der Umsetzung der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie oder der Aufweichung des AGB-Rechtes mit einer Stimme zu sprechen. So hoffen die Verbände, bei der Umsetzung der EU-Zahlungsverkehrsichtlinie eine deutliche Verlängerung der Abnahme- und Zahlungsfristen auf mehr als 60 Tage verhindern zu können.