DHZ-Gespräch mit Wolfgang Lösche Großer Markt für Denkmalpflege

Die Denkmalpflege ist nicht nur ein kulturell-gesellschaftlicher Auftrag, sie stellt auch eine Marktchance für spezialisierte Handwerker dar. Die Deutsche Handwerks Zeitung sprach mit dem Leiter der "Handwerkspflege in Bayern", Wolfgang Lösche, über die Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk. In der von Lösche verantworteten Münchner Galerie Handwerk wurde in diesem Herbst die Ausstellung "Restauratoren im Handwerk" gezeigt.

Wolfgang Lösche. - © Foto: Michael Schuhmann

DHZ: Herr Lösche, was bringt die Fortbildung zum Restaurator im Handwerk?

Lösche: Die Fortbildung weist eine über 25-jährige Geschichte auf und es hat sich gezeigt, dass diese Maßnahme des Handwerks richtig war und die Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Denkmalpflege verbessert hat. Sowohl für staatliche als auch private Restaurierungsmaßnahmen ist dies von Vorteil. Der Handwerker erwirbt mit dem Titel Restaurator im Handwerk eine Art Qualitätsmerkmal, das ihn für die Arbeit in der Denkmalpflege auszeichnet. Auf der anderen Seite werden die Betriebe und Meister auch auf eine sehr spezifische Art und Weise für die Arbeit in der Denkmalpflege sensibilisiert und vorbereitet. Das scheint mir besonders wichtig zu sein. Am Ende sollen natürlich auch die Bauherren von einer guten Restaurierung Nutzen ziehen.

DHZ: Was unterscheidet den Restaurator im Handwerk vom akademisch ausgebildeten Restaurator?

Lösche: Der Restaurator im Handwerk ist und bleibt Handwerker. Auf der Grundlage seiner erlernten Fähigkeiten in einem Handwerksberuf muss er sich zum Restaurator im Handwerk weiterbilden. Von grundlegender Bedeutung sind dabei die klassischen Bauberufe wie Maurer, Zimmerer, Maler, Parkettleger, Glaser, Spengler, Dachdecker etc. Sie haben wichtige Funktionen im Rahmen der Denkmalpflege und können nicht durch akademische Restauratoren ersetzt werden. Der Unterschied der beiden Restauratorengruppen liegt auch in der jeweiligen Aufgabenstellung. Dieser Unterschied ist wichtig und berechtigt. Sowohl der akademische wie auch der Restaurator im Handwerk sind für die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Denkmalpflege wichtige Partner.  

Buchbinder bis Zimmerer

Restaurator/-in im Handwerk ist eine berufliche Weiterbildung nach der Handwerksordnung (HwO). Die Weiterbildungsprüfung ist durch Rechtsvorschriften der Handwerkskammern geregelt. Bildungseinrichtungen der Handwerksorganisationen und andere Bildungsträger bieten Vorbereitungskurse auf die Weiterbildungsprüfung in Voll- oder Teilzeit sowie in Form von Blockunterricht an. Die Weiterbildung wird in folgenden Handwerken angeboten: Buchbinder, Gold- und Silberschmiede, Holzbildhauer, Maler und Lackierer, Maurer, Metallbauer, Orgel- und Harmoniumbauer, Parkettleger, Raumausstatter, Steinmetz und Steinbildhauer, Stuckateur, Tischler, Uhrmacher, Vergolder und Zimmerer.

DHZ: Lohnt es sich für einen Handwerksbetrieb, auf Restaurierung und Denkmalpflege zu setzen? Ist der Markt da und wenn ja, ist er auch groß genug?

Der Restaurator im Holzbildhauerhandwerk Wolfgang Schott aus dem fränkischen Sesslach ergänzt Fehlstellen an hölzernen Figuren und Ornamenten. - © Foto: Schott
Restaurator im Handwerk

Lösche: Es lohnt sich dann, wenn man die Qualität erbringt, die in der Denkmalpflege gefordert wird, und wenn man den Zugang zu Ausschreibungen und Aufträgen erreicht und Arbeiten abliefert, die aufgrund ihrer Qualität beispielhaft sind. Der Markt ist da, alleine in Bayern gibt es über 100.000 denkmalgeschützte Objekte. Er ist aber auch überschaubar und sicher nur für wirkliche Spezialisten im Handwerk geeignet. Man darf aber auch nicht übersehen, dass die Arbeit in der Denkmalpflege immer internationaler wird. Interessant ist dabei die Neugründung der Denkmalmesse "Monumento" in Salzburg. Sie findet im Jahr 2014 zum zweiten Mal statt und bietet auch deutschen Handwerksbetrieben die Möglichkeit, sich dort einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren.  

DHZ: Wie unterstützen die Handwerks-organisationen die Denkmalpflege?

Lösche: Die Handwerksorganisationen bieten in Weiterbildungslehrgängen den Restaurator im Handwerk an. Die Handwerkskammer für München und Oberbayern hat sogar eine eigene Denkmalpflegeberatung als Schnittstelle zwischen Handwerk und Denkmalpflege.  

Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk

Neben den Kursen, die von den Handwerkskammern und Fachverbänden bzw. deren Akademien angeboten werden, gibt es einige denkmalpflegerische Fortbildungsstätten, die zum Restaurator im Handwerk weiterbilden:

Hessen: Propstei Johannesberg, Fortbildung in Denkmalpflege und Altbauerneuerung, Fulda (propstei-johannesberg.de).

Sachsen: Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege e.V. (denkmalzentrum.de). Schloss Trebsen Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege e.V. ( denkmalpflege-trebsen.de).

Berlin-Brandenburg: Kompetenzzentrum Restaurierung, Denkmalpflege, Berufsförderungswerk e.V. des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg Potsdam (restaurator-im-handwerk.de).

Nordrhein-Westfalen: Schloss Raesfeld Akademie des Handwerks, Raesfeld (akademie-des-handwerks.de).

Rheinland-Pfalz: Zentrum für Restaurierung und Denkmalpflege der Handwerkskammer Koblenz (hwk-koblenz.de/beratung/denkmalpflege).

DHZ: Ist es richtig, dass es in Bayern, das ja reich an Bau- und anderen Denkmälern ist, kaum eine Möglichkeit zur Fortbildung zum Restaurator im Handwerk gibt? Wird sich da in absehbarer Zeit etwas ändern?

Lösche: Ja, der Reichtum an Baudenkmälern ist hier besonders groß. Wir freuen uns deshalb sehr, dass nun im Bauarchiv Thierhaupten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege an der Neukonzeption eines qualifizierten Weiterbildungszentrums für Handwerk in der Denkmalpflege gearbeitet wird. Dieses könnte in Zukunft die Arbeit der Handwerksorganisationen, die sich schon um die Fortbildung bemühen, auf gute Weise ergänzen.

Interview: Rudi Baier