Elektro-Fahrräder finden in Deutschland immer mehr Anhänger. Der Absatz von E-Bikes werde in diesem Jahr rund 400.000 Stück erreichen, nach 310.000 verkauften Rädern im Jahr 2011, wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) am Dienstag in Bad Soden mitteilte. Der steigende Absatz ist nach Erkenntnissen des Bundesinnungsverbandes Zweiradmechanik auch der zunehmenden Technikbegeisterung der Deutschen geschuldet. "Fahrräder profitieren allgemein von ihrem guten Image", sagt Bundesinnungsmeister Frank Döring.
Aufgrund der technisch aufgerüsteten Fahrräder profitiere vor allem auch der Fachhandel von dieser Entwicklung. Durch das E-Bike fließt zunehmend Hightech in die Räder. Neueste technische Errungenschaften sind etwa elektrisch gesteuerte Schaltwerke oder neue Materialien, die der Gewichtsreduzierung dienen. Wie beim Auto kann der Kunde aufgrund der immer komplizierter werdenden Technik kaum noch etwas selbst reparieren. Logischerweise gehört der Service inzwischen zum standardisierten Angebot vieler Fahrradhändler. Hinzu kommt, dass die Käufer auf eine langlebige Technik wert legen und damit die Beratungskompetenz der Fachhändler gegenüber dem Verkauf in Supermärkten und Handelsketten bevorzugen.
Das Fahrrad gewinnt an Image
Doch es ist nicht nur die Technik, die die Umsätze im Fahrradservice und die Fahrradverkäufe stützt. Das Fahrzeug selbst profitiere von einem außerordentlichen Imagegewinn der vergangenen Jahre. "Das Fahrrad ist in der Politik angekommen", sagt Frank Döring. Wurden Fahrradfahrer – besonders wenn es sich um Politiker handelte – früher zuweilen belächelt, gilt das Fahrrad heute als vollwertiges und umweltfreundliches Verkehrsmittel, das bis auf Reparaturen keine laufenden Kosten verursacht. Städte und Kommunen bekennen sich zum Fahrrad und Tourismusverbände werben mit dem sanften Reisen auf neu und wieder erschlossenen Radwegen.
Wetter drückt auf Gesamtumsätze
Das E-Bike hat sich derweil vom Fahrrad mit Hilfsmotor für alte Leute und Behinderte zum modisch designten Gefährt für jede Altersgruppe gewandelt. Mittelfristig dürfte der jährliche Anteil der E-Bikes am Gesamtmarkt für Zweiräder auf rund 15 Prozent und damit etwa 600.000 Stück steigen. Auf Deutschlands Straßen sind derzeit laut dem Verband mehr als eine Million Elektro-Fahrräder unterwegs.
In diesem Jahr musste der Gesamtumsatz allerdings eine Delle verkraften. Die Zweiradhersteller lieferten im ersten Halbjahr 2012 knapp 2,93 Millionen an Fahrrädern und E-Bikes an den Handel aus. Das waren laut ZVI 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Als Grund nannte der Verband das unbeständige Frühlingswetter. Der Absatz dürfte um drei bis fünf Prozent gesunken sein, erklärte der ZIV.
Ausbildungspläne sollen modernisiert werden
Um mit der fortschreitenden Technisierung der Zweiräder mitzuhalten, müssen nach Meinung von Frank Döring die Ausbildungspläne modernisiert werden. Noch habe die Branche bis zum vergangenen Jahr von steigenden Ausbildungsverhältnissen profitiert, doch der Bedarf steige und es sei damit zu rechnen, dass die Bewerberzahlen wie in allen Branchen zurückgehen. Döring: "Wir müssen daher für die Zukunft eine Neuskizzierung des Berufsbildes vornehmen." Die Ausbildungspläne sind unter anderem Thema auf der bundesweiten Ausbildertagung am 1. und 2. Oktober in Freiburg (siehe Kasten). zweiradberufe.de dapd/fm
| 3. bundeseite Ausbildertagung |
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| innomotion – das Kompetenzzentrum Fahrzeugtechnik Baden-Württemberg – veranstaltet in der Gewerbe Akademie der Handwerkskammer Freiburg eine bundesweite Ausbildertagung im Zweiradmechaniker-Handwerk. Eingeladen sind Lehrmeister und Ausbilder der überbetrieblichen Ausbildungszentren und Berufsschullehre r. Ziel ist es, neue Anregungen und Unterlagen für einen praxisorientierten Unterricht an die Hand zu geben und den Unterricht in den Werkstätten der Handwerkskammern und den Berufsschulen weiter zu vernetzen und zu optimieren. Bundesinnungsmeister Frank Döring wird über die neuesten Entwicklungen und Perspektiven für die Erstausbildung der Lehrlinge und Weiterbildung für Gesellen und Meister des Zweiradmechaniker-Handwerks aus Sicht des Verbandes berichten. Termin: Montag und Dienstag, 1. und 2. Oktober 2012. Veranstaltungsort: Gewerbe Akademie, Wirthstraße 28, 79110 Freiburg. Aufgrund der guten Resonanz der Vorjahre ist es ratsam, sich frühzeitig anzumelden, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Weitere Informationen sowie das Anmeldeformular erhalten Sie von Waltraud Hepting, Tel. 0761/1525014 oder joachim.rapp@hwk-freiburg.de , innomotion-fahrzeugtechnik.de |