Pressenhersteller Schuler Schuler AG - Tradition aus dem Handwerk

Der traditionsreiche Milliardenkonzern Schuler aus Göppingen steht vor einem Eigentümerwechsel. Nach 173 Jahren löst sich die Eignerfamilie von dem Autopressen-Hersteller. Angefangen hat alles mit Louis Schuler, einem Handwerker und Schlosser, der alles aus Blech formte, was gebraucht wurde. Lange, bevor das Automobil überhaupt erfunden wurde. Die Geschichte des Louis Schuler.

Burkhard Riering

Louis Schuler, Firmengründer und Schlosser. - © Schuler

Der Bahnhof von Göppingen ist kein Schmuckstück. Kneipen, Bierstuben, Spielhöllen säumen die Bahnhofstraße. Doch nach einigen hundert Metern öffnet sich der Blick auf ein großes Gebäude mit herrschaftlicher Kuppel. "Schuler Pressen seit 1839" prangt majestätisch darauf. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht eine historische Presse aus dem 19. Jahrhundert.

Genau an dieser Stelle, am Anfang der Sauerbrunnenstraße, beginnt die Geschichte von Louis Schuler. Denn dort stand das Haus, in dem er seine Schlosserei einrichtete, aus der die Schuler AG erwuchs. Das Haus ist zwar längst abgerissen. Schuler aber stieg seitdem zum größten Pressenhersteller der Welt auf.

Zu Lebzeiten Louis Schulers hätte sich niemand auch nur annähernd ausmalen können, was aus der kleinen Schlosserei einmal werden würde. Aber auch für Louis Schuler selbst war das noch nicht absehbar. Denn der Entrepreneur spezialisierte sich erst spät auf eine Branche, und groß wurde das Unternehmen ohnehin erst durch die Massenproduktion im Automobilbau – die erlebte Louis Schuler nicht mehr.

Einer Gerber-Dynastie entsprungen

Georg Ludwig Ferdinand Schuler wird 1814 in eine angesehene Familie hineingeboren. Die Eltern gehören zum wohlhabenden Bürgertum Göppingens. Der Vater Andreas ist wie seine Vorfahren auch Gerber, die Mutter Katharina von Hause aus wohl situiert. Die Familie genießt hohes Ansehen. Es sind beste Voraussetzungen für den Sohn Georg Ludwig Ferdinand, den alle von Anfang an nur "Louis" nennen - das Französische ist in der Zeit eben "en vogue“.

Doch die Gerberei, das erkennt auch Andreas Schuler eines Tages, ist kein Zukunftsgeschäft mehr. Die Branche gerät in den 1830er und 1840er Jahren unter wirtschaftlichen Druck, die guten Zeiten sind vorbei. Gleichzeitig entdeckt Andreas Schulerfrüh die Chancen, die sich aus der Bearbeitung von Metall ergeben. Plötzlich werden Hände gebraucht, die aus Metall Nutzbares machen. Alles ruft nach Maschinen. Daher entscheidet der Vater: Die beiden Söhne sollen die Metallverarbeitung erlernen, das Zukunftsfeld der Industrialisierung.

Louis Schuler wird in die Schlosserlehre geschickt und geht auf Wanderschaft. Unter anderem verschlägt es ihn ins nahe Stuttgart, wo er in Württembergs Hauptstadt in der Schlosserei Schiedmaier das Handwerk erlernt. Mit ihr wird er später noch Geschäfte machen. Louis‘ Bruder geht nach Warschau und eröffnet dort eine Fabrik für Schneidewerkzeuge des täglichen Bedarfs.

Nach den Wanderjahren kehrt Louis Schuler zurück in seine Heimatstadt. Er will als selbstständiger Schlosser arbeiten. Hier trifft es sich, dass der ortsansässige Schlosser Johann Georg Wörner und dessen Ehefrau ihren Betrieb verkaufen wollen. Die Wörners wollen ihr Glück – wie so viele andere damals auch – in der Neuen Welt versuchen.

Für die Schulers ist das eine willkommene Gelegenheit. Und sie greifen zu. Das Haus kostet 1400 Gulden, fürs Handwerkszeug werden nochmal 150 Gulden fällig, vier Kronentaler gibt es Trinkgeld. Der „Rathsschreiber“ der Stadt Göppingen vermerkt: "...Johann Georg Wörner und seine Ehefrau verkaufen stat und vest samt allen rechten und Beschwerden an Ludwig Schuler dahier. Eigene Güter, Häuser und Gebäude: Ein 2 stokigstes hauß in der Sauerbronnenstraße mit einer Schloßereieinrichtung und dem vorhandenen handwerkszeug für und um 1550 fl. nebst vier kronenthalern Trinkgeld..." Es ist der 23. Juli 1839. Louis Schuler spürt: Der Anfang ist gemacht.

Bescheidene Gründerzeit

Luxus sieht anders aus. In dem Haus in der Sauerbrunnenstraße hat der gerade 25 Jahre alte Betriebsinhaber nur wenige kleine Kammern zur Verfügung, es ist eng und stickig. Louis Schuler beschäftigt aber immerhin schon einen Gehilfen, der ihm zur Hand geht. Und er darf sich glücklich schätzen, dass die Werkstätte dank Wörner ganz gut ausgestattet ist. Louis Schuler besitzt eine Schlossereinrichtung und das wichtigste Handwerkszeug vom Handhobel bis zur kleinen Drehbank mit Fußbetrieb, ein paar feilen und ein paar Sägen. Zu dieser Zeit wird alles noch per Hand (oder Fuß) gemacht.

Seinen ersten Auftrag erhält der junge Handwerker von besagtem Schiedmaier. Es ist nichts Großes, Schlosser-Arbeiten für einen Neubau. Doch es ist ein Anstoß für seinen kleinen Betrieb, der gerade recht kommt. Durch Schiedmaiers Hilfe gelangt Schuler auch preiswert an die nötigen Rohstoffe. Und der ehrgeizige Louis Schuler legt sich ins Zeug.

Louis Schuler lernt Margarete Karoline Seybold kennen und heiratet noch im Jahr der Firmengründung, am 18. Oktober 1839. Es fügt sich – wie schon bei seinem Vater –, dass sie ein größeres Vermögen in die Ehe einbringt. 599 Gulden und 23 Kreuzer hat sie auf der hohen Kante; Schuler selbst besitzt zum Zeitpunkt der Eheschließung 381 Gulden und elf Kreuzer.

Schuler arbeitet mittlerweile auch viel für die gerühmte Blechwarenfabrik Rau & Cie. Er liefert Werkzeuge und Schnitte für die erste Metallwarenfabrik Göppingens. Bei Rau sieht er auch erstmals, was die Fertigung von Produktionsmitteln bedeuten kann.

Schulers erste Wirtschaftskrise

Schulers Werkstatt wird im Laufe der folgenden Jahre zu klein. Ein Jahr nach der Gründung beantragt Louis Schuler den ersten Anbau beim Amt, später wird er sich das ganze Haus in besagter Sauerbrunnenstraße einverleiben. Langsam, aber stetig baut sich der Schlosser einen Kundenkreis auf. Die beginnende Industrialisierung, etwa der frühe Maschinenbau für die boomenden Branchen Textil und Papier, bringt viele Aufträge für Schlosser mit sich, der Reparatur- und Zuliefererbedarf für die oft aus dem Ausland importierten Maschinen steigt stetig. In seinen Anfängen macht Schuler alles, was anfällt: Er verrichtet alle möglichen Schlosserarbeiten, ob es sich um Mostpressen handelt oder um Gießkannen.

1848 wird für Louis Schuler zudem privat wie wirtschaftlich ein hartes Jahr. Erst stirbt sein Vater, dann erschüttern politische Turbulenzen Deutschland, auch wenn die Folgen der "Märzrevolution" im Königreich Württemberg durch die Geschicke Wilhelm I. relativ gering sind. Aber nichtsdestotrotz folgt darauf noch eine ausgedehnte Wirtschaftskrise. Die trifft auch Schuler. Die Geschäftstätigkeit kommt zum Erliegen.

1865 sind in der einstigen Schlosserei von Louis Schuler noch Produkte wie eine Feuerwehr-Spritze hergestellt worden. - © Schuler
Schuler-Feuerwehrspritze

Seine Dienste sind in dieser Zeit weniger gefragt. Louis Schuler muss sich etwas Neues einfallen lassen. Seine Idee: Musketenbau. Er geht nach Oberndorf, um das Handwerk in einer Waffenschmiede zu erlernen.

Der Bedarf ist da, so Schulers Überlegung: In den Revolutionstagen entstehen viele Bürgerwehren, die sich bewaffnen wollen. Zurück in der Heimat baut Louis Schuler die Gewehre zusammen. Doch ein großes Geschäft wird das letztlich nicht: Der Schlosser und Musketenbauer verkauft 26 Musketen an die Göppinger Bürgerwehr. Es bleibt eine einmalige Aktion; mehr Gewehre wird er zeitlebens nicht bauen.

Mit diesen paar Musketen kann er das andere schrumpfende Geschäft natürlich nicht kompensieren. Er fertigt daher jetzt auch Stimmgabeln für die Musikalienhandlung Zumsteeg, Werkzeuge für besagte Blechwarenfabrik Rau und Kampfgeschirre für Seiderspinnerei-Maschinen. Man schlägt sich durch. Eine klare Strategie fehlt noch.

Die Wende kommt mit Blech

Eine entscheidende Wende in der Laufbahn von Louis Schuler lässt aber nicht mehr lange auf sich warten. Eingeleitet wird sie von der Königlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Württemberg: Die hoheitliche Behörde ordert nach der Weltausstellung in London 1851 einige Ausstellungsstücke, um den schwäbischen Firmeninhabern zuhause präsentieren zu können, welche Innovationen das Ausland zu bieten hat. In Stuttgart wird dafür ein Musterlager aufgebaut.

Auch Louis Schuler fährt hin – und staunt. Anderswo schreitet die Industrialisierung offenbar viel schneller voran als im Schwäbischen, die Innovationskraft ist in England oder Frankreich zu dieser Zeit immens hoch. In den 1850er Jahren sind vor allem die Briten, die in dieser Zeit klar die Nase vorn haben.

Louis Schulers Augenmerk fällt auf die Maschinen zur Blechbearbeitung, sie beeindrucken ihn, er ist begeistert. Der Betriebsinhaber ist überzeugt, dass diese Maschinen die Art der Blechbearbeitung und die ganze Branche grundlegend verändern werden.

Mit nunmehr 38 Jahren entflammt neuer Ehrgeiz in ihm. Jetzt baut er alles um. Er entscheidet sich, voll auf Blechbearbeitungsmaschinen zu setzen. Er schreibt: "...sei mir gestatte, darauf hinzuweisen, daß die fabrikation von Blechbearbeitungsmaschinen seit dem Jahr 1852 (zuerst in Deutschland) von mir als Specialität gepflegt wird". So steht es im Vorwort des "illustren Haupt-Preisbuch über Blechbearbeitungsmaschinen" von 1899. Die Worte klingen, als wolle er es sich selbst auch noch mal sagen, sich Mut machen. Endlich hat er etwas gefunden, auf das er sich ganz konzentrieren kann.

Wie so oft ist auch hier zu sehen: Die eigentlichen historischen Wurzeln der für Baden-Württemberg typischen Werkzeug- und Maschinenindustrie sind die Handwerksbetriebe. Möglich gemacht wird das durch die revidierte Gewerbeordnung von 1836 des Landes Württemberg, die es zulässt, dass Handwerksbetriebe Maschinen in beliebiger Zahl einsetzen dürfen. Vorher herrscht sehr strenger Zunftgedanke.

Expansion und Ehrgeiz

Die Schulers brauchen nun mehr Platz – und weitere Maschinen. In den 1850er-Jahren wird kräftig investiert. 1855 kaufen sie sich in die nahe gelegene Reparaturwerkstatt der Papierfabrik C. Beckh & Söhne ein. Die hat größere Maschinen.

Der Herr Kommerzienrat ist jetzt ganz in seinem Element. Und nichts anderes soll ihn dabei stören: Louis Schuler vernichtet alle Modelle für die Herstellung von Feuerspritzen oder Mostpressen, um die Produktion dieser Maschinen auch ja zu verhindern. Höchstselbst mit der Axt soll er sie zerschlagen haben. Sie sind ihm jetzt ohnehin zu simpel.

Zum Produktionsprogramm der kommenden Jahre gehören Exzenterpressen, hydraulische Pressen, Friktionsspindelpressen, Perforiermaschinen oder Falzmaschinen. Eine Spezialität von Schuler sind Münzprägepressen: Schon 1874 bedankt sich das königlich-Württembergische Münzamt für die Ausstattung der Behörde.

Noch heute gehört die Schuler AG übrigens zu den weltweit führenden Herstellern von Münzprägemaschinen, auch wenn das Geschäft nur einen kleinen Betrag zur Bilanz beträgt. Im Ausstellungsraum des Konzerns sind die alten Pressen und Münzen heute zu bestaunen.

Von den Anfängen der Firma liegen heute nur zwei Patente vor, deren Nachdrucke im Parterre der Unternehmenszentrale hängen: das erste Patent, Nummer 4379, wird im März 1878 angemeldet, es geht um "Neuerungen an Lochwerken, Scheeren und dergleichen für handbetrieb". Das zweite bekanntere Patent, Nummer 84410, wird 1895 erteilt: "Hydraulische Ziehpressen mit zwei Kolben" werden nach diesem Patent gebaut.

Finanziell ist die Firma jetzt wohl gebettet, sie wirft was ab, auch wenn konkrete Zahlen nicht vorliegen. Louis Schuler baut in der Olgastraße eine stattliche Villa, die aber heute nicht mehr steht. Dem wirtschaftlichen Aufstieg folgt auf dem Fuße das Ansehen der Unternehmerfamilie in der Stadt. Louis Schuler engagiert sich sozial, und manche Medaille wird ihm dafür verliehen. Dass sich Louis Schuler aber oft in der Öffentlichkeit sehen lassen würde, ist nicht der Fall. Er arbeitet lieber, ansonsten lebt er zurückgezogen. Nach seinem Tod schreibt das "Göppinger Wochenblatt" keinen Nachruf. Nur eine Todesanzeige der Familie erscheint in der Zeitung.

Drei Kinder haben Louis und Margarete Karoline Schuler. Schon 1854 geht sein Sohn Louis – wie sollte er anders heißen – bei ihm in die Lehre. Drei Jahre später macht der Hoffnungsträger sein Diplom. Dessen Abschlussarbeit lautet: eine Kreisschere. Auch er geht danach auf Wanderschaft wie sein Vater. Unter anderem verschlägt es ihn nach Chemnitz zu den Werkzeugmaschinenfabriken von Joh. Zimmermann, doch der alte Schuler zitiert ihn schon 1863 wieder zurück. Junior und Senior wollen und sollen künftig an einem Strang ziehen und das Unternehmen effizienter aufstellen.

Der Sohn nimmt eine völlige Neugestaltung des väterlichen Betriebs vor. Die Schlosserei als selbstständiger Zweig wird aufgegeben. Die ganze Kraft gilt nun dem Bau von Werkzeugmaschinen, vor allem von Blechbearbeitungsmaschinen. Bis 1867 ist Louis Schuler noch alleiniger Firmenchef und Besitzer des Betriebs. In diesem Jahr tritt sein Sohn als Teilhaber ein.

Die Schulers haben einen schweren Stand in der Wirtschaftskrise Anfang der 70er Jahre. Doch sie überwinden sie und haben ihren Mut nicht verloren. Im Gegenteil: Die Pressenbau-Branche boomt immens.

Auch für das Unternehmen Schuler vergeht die Zeit wie im Fluge. Ständig muss die Fabrik erweitert werden, es ist auch das Selbstverständnis des Unternehmens. 1872 zum Beispiel wird eine neben dem Maschinenhaus gelegene Waschanstalt aufgekauft und zur Schmiede umgewandelt. 1875 entschließt sich Schuler auch zu einem Neubau. Dort wird dann die neue Dampfmaschine untergebracht.

Louis Schuler geht zum Bau von Maschinen mit Kraftantrieb über. Er ist damit voll im Trend. 1879 schon präsentiert Schuler auf der Nürnberger Fachausstellung für die Blechindustrie als weltweit erstes Unternehmen Exzenter- und Ziehpressen für den Kraftbetrieb. Jetzt ist er ein Pionier.

Umsatz und Gewinn der Firma steigen in der Zeit deutlich. Die sprudelnden Gewinne sind allein schon an den Steuern abzulesen: Nach dem ersten Jahr sind 4 Gulden und 18 Kreuzer zu zahlen, 1871 aber schon das Achtfache: 32 Gulden und 48 Kreuzer muss Louis Schuler mittlerweile entrichten.

Die Beschäftigungszahl steigt in der Zeit ebenfalls rasant: 1887 sind dort 150 Arbeiter und zehn Beschäftigte in der Verwaltung, 1897 schon 450 Arbeiter und 25 Beschäftigte.

Die Übergabe

1884 setzt sich Louis Schuler zur Ruhe und er steigt ganz aus dem Unternehmen aus. Als letzte Amtshandlung weiht er die neue Gießerei ein.

Sein ältester Sohn übernimmt wie geplant die Geschäfte. Der Junior heiratet 1867 übrigens Maria Karoline Vaihinger, Tochter der berühmten Industriellenfamilie. Es scheint ein Talent der Schuler-Dynastie zu sein, sich immer mit den Richtigen zu vermählen; Maria Karoline Vaihinger, Großbürgertum pur, bringt ein Vermögen mit in die Ehe ein.

Auf den Sohn ist der Vater natürlich stolz. Er hat Erfolg, wird ein Protagonist der spanlosen Formung. Der Spross ist auch offener und kommunikativer als der etwas verschlossene Gründer. Er ist beständiger Förderer für das Soziale, noch mehr als der Senior, und wahrlich aktiv in Vereinen und Chören. Die Firma gründet unter anderem 1889 die Schuler-Arbeiterstiftung, um schlechte Arbeitsbedingungen – wie in vielen Betrieben in dieser Zeit – erst gar nicht erst aufkommen zu lassen. Er will lieber die Beschäftigten motivieren, damit sie was leisten.

Louis Schuler stirbt 1890. Den großen Erfolg des Unternehmens erlebt er nicht mehr. Unter seinem Sohn wächst die Produktion noch vor der Jahrhundertwende rasch an. Der Junior erweist sich als Glücksfall für die Firma. Bald ist Schuler ein Unternehmen mit Weltruf.

Schuler heute

Mit rund 5000 Mitarbeitern ist die Schuler AG heute das weltweit führende Unternehmen auf dem Gebiet der Umformtechnik. Doch Größe schützt vor wirtschaftlichen Problemen nicht: 2007 kam es aus der Not heraus zur großen Fusion mit dem Rivalen Müller Weingarten. Die beiden Unternehmen hatten sich mit ihrem Preis-Dumping das Leben gegenseitig schwer gemacht. "Wenn wir nicht fusioniert hätten, würde es uns beide heute vielleicht nicht mehr geben", schätzte der damalige Schuler-Vorstandschef Jürgen Tonn die Lage 2009 in einem Gespräch mit der "Schwäbischen Zeitung" ein.

Bandanlagen in Kurzbauform von Schuler. - © Schuler
Schuler

Das Gros des Geschäfts macht Schuler heute mit der Autoindustrie, die mit den Pressen ihre Motorteile und Autotüren formt. Gleichzeitig drängt Schuler aber auch in andere Bereiche, um sich unabhängiger vom Automobilbau zu machen. Und so werden heute auch Hundefutter-Dosen oder Blechbierflaschen mit Schuler gepresst. Nach schwierigen Jahren in der volatilen Autoindustrie hat Schuler im Geschäftsjahr 2010/11 wieder einen Gewinn erzielt und einen Umsatz von rund 950 Millionen Euro erwirtschaftet. Und das aktuelle Geschäftsjahr läuft noch besser.

In der vierten Generation nach der Gründung verliert das Unternehmen nun seine Eigenständigkeit. Das 173 Jahre alte Unternehmen steht vor dem Eigentümerwechsel, die Gründerfamilie und andere Großaktionäre verkaufen in diesen Tagen ihre Anteile an den österreichischen Konzern Andritz.