Immer mehr Verbraucher achten auf Produktkennzeichnungen wie "bio", "faitrade" oder "regional". Für die meisten dieser Hinweise gibt es klare Vorgaben, außer für den Herkunftsnachweis "aus der Region". Das Verbraucherministerium möchte das nun ändern und hat ein Modellprojekt gestartet, das auch für das Lebensmittelhandwerk interessant werden könnte. Ähnliches gibt es schon für die Holzwirtschaft. Schreiner und Zimmerer profitieren davon.
Jana Tashina Wörrle

Wie es genau aussehen wird, ist noch unklar. Genauso, wo es zum Einsatz kommt und wer es kontrolliert. Das Bundesverbraucherministerium möchte ein neues Qualitätssiegel für Lebensmittel auf den Markt bringen: das sogenannte Regionalfenster. Doch anders als man erst einmal glauben könnte, soll damit nicht ein weiteres Siegel innerhalb des Kennzeichnungsdschungels entstehen. Stattdessen setzt sich Ilse Aigner für mehr Klarheit bei der Bezeichnung "regional" ein. Sie möchte neue Kriterien festlegen, wann ein Lebensmittel den Herkunftsnachweis "aus der Region" tragen darf und wann nicht.
Um diese neue Kennzeichnung, die Hersteller von Lebensmitteln – darunter natürlich auch Bäckereien, Metzgereien und andere Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk – dann freiwillig nutzen können, mit genauen Vorgaben zu versehen, hat die Ministerin ein Modellprojekt gestartet. 400.000 Euro lässt es sich die Bundesregierung kosten, in fünf ausgewählten Regionen zu testen, wie das neue Siegel aussehen muss, damit die deutschen Verbraucher es annehmen und welche Vorgaben dahinterstehen müssen, damit es viele Betriebe nutzen.
Als "zu ungenau", "nicht greifbar" und "frei auslegbar" galt der Begriff "regional" bislang. Doch ob das neue freiwillige Siegel hier wirklich Klarheit bringt, muss jetzt getestet werden. Geplant ist bislang, dass das Regionalfenster Informationen über die Herkunft der primären Zutaten sowie einen Hinweis auf die neutrale Überprüfung dieser Angaben enthält.
Weniger als Deutschland und mehr als eine Gemeinde
Die primäre Zutat eines verarbeiteten Produktes muss demnach zu 100 Prozent aus der Region kommen und das muss auch auf dem Produkt angegeben sein. Beträgt diese Zutat weniger als 50 Prozent des Gesamtgewichts des Produkts, müssen weitere Zutaten aus der Region stammen, bis mindestens 51 Prozent erreicht sind. Doch damit ist noch keine Definition der Region an sich gefunden. Das Ministerium meldet bislang nur, dass eine klare Angabe der Region erforderlich ist für die Kennzeichnung.
Die Region kann sich demnach an Landschaften oder traditionellen Gebieten orientieren oder auch einfach einen Landkreis bezeichnen. "Sie muss kleiner sein als Deutschland und größer als nur eine Gemeinde", sagt eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung. Wichtig sind also nachweisbare administrative Grenzen und eine nachvollziehbare und nachprüfbare Erläuterung dazu. "Die Region muss klar benannt werden und genau aus dieser Region müssen auch die Zutaten kommen", erklärt sie.
Welche geografische Eingrenzung sich hier am besten eigne, werde jetzt getestet. "Im Augenblick gehen wird davon aus, dass der neue Trägerverein dann die Kontrollen übernimmt", ergänzt die Sprecherin. Doch auch hierbei werde noch ausprobiert, was sich in der Praxis bewährt. Wichtig sei nur, dass sich jeder Betrieb, der sich bereiterklärt mitzumachen, auch an die Vorgaben hält, diese genau im Regionalfenster angibt und weiß, dass er auch kontrolliert wird.
Für kurze Wege und den Arbeitsmarkt vor Ort
Für Handwerksbetriebe, die meist einen starken regionalen Bezug haben, kann sich das neue Siegel vor allem beim Marketing lohnen. Erfahrungen aus der Holzbranche zeigen, dass es sehr vielen Kunden wichtig ist, woher das Material stammt, mit dem die Betriebe arbeiten. Denn Regionalität steht für die meisten auch für Klimaschutz, Nachhaltigkeit, kurze Transportwege und in einer Unterstützung des Arbeitsmarktes vor Ort.
Eine Umfrage im Auftrag des Bundesverbraucherschutzministeriums hat genau das vor kurzem belegt. Demnach achtet rund die Hälfte (48 Prozent) aller Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf darauf, dass Produkte aus einer bestimmten Region kommen. Und 79 Prozent wären auch bereit, mehr Geld für regionale Waren auszugeben.
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Diese Entwicklung beobachtet auch Philipp Strohmeier, einer der Leiter der Initiative "Holz von hier". Auch beim Holz und den aus Holz hergestellten Waren ist es den Verbrauchern immer wichtiger, zu wissen, dass diese keine sehr langen Transportwege hinter sich haben. Das Siegel gibt den Kunden Sicherheit und dient den beteiligten Betrieben als Marketinginstrument. "Wenn ein Betrieb zeigen kann, dass er regionales Holz verwendet, dann spiegelt das ja auch eine Firmenphilosophie wieder. Er setzt sich für den Klimaschutz und die Region ein", sagt Strohmeier.
Seit 2010 gibt es die Initiative "Holz von hier", die als gemeinnützige Organisation gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ins Leben gerufen wurde. Rund 60 Firmen sind mittlerweile als Zertifikatnehmer Mitglied, darunter auch viele Zimmerer, Schreiner und Bodenleger.
Auch bei Ausschreibungen gültig
"Sie alle können mit der Urkunde zeigen, die sie für jedes verwendete Holz mit Siegel zur Hand haben, dass das Holz regional beschafft ist", sagt der Organisationsleiter. Und "regional" meint hierbei, dass alle Wege seit dem Zeitpunkt des Fällens im Wald zurückverfolgbar sind. Jegliche Angaben dazu werden elektronisch erfasst. Die Zertifikatnehmer selbst können dann mit dem Siegel werben und werden in der Datenbank der Initiative gelistet. Die Kosten für eine Teilnahme richten sich nach der Unternehmensgröße.
Die Auszeichnung der Waren mit dem Siegel "Holz von hier" gilt heute als bundesweite Dachmarke für die verschiedenen regionalen Kennzeichnungen und lokalen Initiativen. Doch im Unterschied zu diesen, dürfen sich die Zertifikatnehmer von "Holz von hier" damit sogar bei Ausschreibungen bewerben. Es gilt hier als anerkannte und besondere Qualifikation. "Andere Bezeichnungen stellen dagegen immer eine Wettbewerbseinschränkung dar", erklärt Strohmeier. Holz von hier" gilt jedoch nicht als Siegel für eine Region, sondern als Siegel für Klimaschutz und kurze Wege.
Und genau das soll das Regionalfenster des Bundesverbraucherministeriums auch einmal werden. Doch jetzt wird als erster der Trägerverein aufgebaut, der dann die Kontrolle übernehmen soll. Als nächstes steht die genaue Definition der Teilnahmekriterien auf dem Prüfstand und dann wird über den Start der Kennzeichnung entschieden. "Regionale Initiativen, die noch teilnehmen und sich hierbei einbringen wollen, können sich bei uns melden", sagt die Sprecherin des Ministeriums. Wenn die Testphase erfolgreich laufe, könnte das Projekt möglicherweise über den Lebensmittelbereich hinaus ausgeweitet werden, kündigt sie abschließend an.