Wie könnte unser Alltag in zehn Jahren aussehen? Ein vom Elektrohandwerk konzipiertes E-Haus simuliert schon heute in sieben Räumen auf 100 Quadratmetern die totale Vernetzung in den eigenen vier Wänden. In der Realität könnte ein Tag in einem ähnlich gestalteten Haus etwa so aussehen.
Steffen Guthardt
Um sieben Uhr morgens werde ich geweckt. Anstatt des schrillen Pieptons meines alten Weckers, der mich bisher abrupt aus den schönsten Träumen gerissen hat, werde ich heute sanft von dem heller werdenden Sonnenlicht und Vogelgezwitscher aus dem Schlaf geholt. Per Zeiteinstellung wurden die Jalousien automatisch nach oben gefahren und das Fenster geöffnet, um frische Luft in das Schlafzimmer zu lassen. Alternativ hätte ich diese Vorgänge auch mit dem neben dem Bett befindlichen Tablet-PC mit einer Wischgeste über den Touchscreen starten können.
Computer im Spiegel
Mein erster Weg führt ins Badezimmer. Ich greife zum Tablet-PC und wähle mein persönliches Duschprogramm aus – jedes Familienmitglied hat sein eigenes. Neben der Wassertemperatur werden auch die Stärke und Spritzweite des Strahls automatisch an meine persönlichen Vorlieben angepasst, nerviges Drehen am Wasserhebel kann ich mir sparen. Die in die Rückwand der Duschkabine eingelassenen LED-Leuchten erfreuen mich mit einem atmosphärischen Farbenspiel. Sorgen um die Energiekosten muss ich mir dabei nicht machen. Die im ganzen Haus installierten LEDs verbrauchen viel weniger Strom als die aussortierten Energiesparlampen und sind zudem noch langlebiger.
Am Waschtisch schnappe ich mir meine Zahnbürste und berühre den Badezimmerspiegel. Hinter der Glasscheibe verbirgt sich ein Flachbildschirm mit modernster Computertechnologie. Ohne Zeit zu verlieren, informiere ich mich über die neuesten Nachrichten. Natürlich könnte ich auch den Spielfilm zu Ende anschauen, bei dem ich gestern eingeschlafen bin. Freundlicherweise erinnert mich der Spiegel mit einer automatischen Sprachansage auch daran, dass ich noch die Nasentropfen einnehmen sollte, dir mir mein Arzt wegen meiner Erkältung verschrieben hat.
Erfrischt begebe ich mich zurück ins Schlafzimmer, um mich für das Büro fertig zu machen. Doch was soll ich anziehen? Ich nehme wieder meinen Tablet-PC zu Hand. Nun habe ich die Wahl, ob ich mir ein Bild von der aktuellen Wetterlage über die an der Außenwand des Hauses angebrachte Kamera mache oder ob ich direkt die Daten der Wetterstation abrufe, die mir die drahtlose Internetverbindung liefert.
Spülen bei Sonne und Wind
Ich bin spät dran und hole mir schnell noch eine Tasse Kaffee aus der Küche. Wenige Minuten später räume ich sie zu dem anderen schmutzigen Geschirr vom gestrigen Abendessen und schalte den Geschirrspüler ein. Doch es passiert nichts. Die Spülmaschine hat mit Betätigen des Startknopfs eine Wettervorhersage eingeholt und die Rückmeldung bekommen, dass heute Mittag die Sonne herauskommen soll und der Spülvorgang dann kostengünstiger sein wird. Für die Prognose wurden der Ort der Photovoltaikanlage sowie die Ausrichtung und die Neigung des Daches berücksichtigt. An einem verregneten und windigen Tag könnte der Geschirrspüler die Energie über das Windrad im Garten gewinnen.
Jetzt aber los. Ich mache mich auf in die Garage. Mein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug hing über Nacht an der Steckdose und ist voll aufgeladen. Da es zum Büro nur knapp 20 Kilometer sind, kann ich bei einer Reichweite von 80 Kilometern nun zwei Arbeitstage rein elektrisch fahren. Ein paar Kilometer gewinne ich noch durch das ständige Abbremsen im Stadtverkehr, bei dem die Batterie mit der freiwerdenden Energie wieder aufgeladen wird.
Kurz vor der Ankunft im Büro zieht ein Regenschauer auf und ich habe die böse Vorahnung, dass das Dachfenster im Bad noch offen steht. Doch kein Problem. Mit meinem Smartphone greife ich unkompliziert auf die im Haus installierten Videokameras zu und das Fenster schließt sich mit nur einer Wischgeste automatisch.
Zugang per Finger
Acht Stunden später liegt ein anstrengender Arbeitstag hinter mir und ich freue mich, wieder nach Hause zu kommen. Über die Webcam in der Küche kann ich schon unterwegs verfolgen, was meine Frau für das Abendessen zubereitet. Den Schlüssel, den ich sonst öfter im Büro liegen gelassen hatte, brauche ich nicht mehr, um ins Haus zu kommen. Ich lege einfach meinen Finger auf einen kleinen Scanner, der den Abdruck mit der Datenbank abgleicht und mir automatisch die Tür öffnet. Das ist praktisch und erschwert zudem Einbrechern den Zugang ins Haus. Ein Bewegungsmelder erkennt sofort, dass ich zu Hause bin, und leitet das Signal an die Heizungsanlage weiter, die eine wohlige Raumtemperatur einstellt.
Den Abend lasse ich auf dem Sofa im Wohnzimmer ausklingen und steuere mit nur einer Fernbedienung alle vorhandenen Multimedia-Geräte. Ob Fernseher oder Stereoanlage – über einen Mediaserver können alle gespeicherten Video- und Audiodateien zentral über die Netzwerkverbindung abgerufen werden. Während ich einen Film genieße, klingelt plötzlich das Telefon. Die Kommunikation unter den Geräten ermöglicht es, dass der Fernseher automatisch leiser wird und ich meinen Gesprächspartner besser verstehen kann.
Teppich besorgt
Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu und ich schlürfe müde ins Schlafzimmer. Unglücklich stolpere ich über das unaufgeräumte Spielzeug meines Sohnes und bleibe auf dem Teppich liegen. Was wäre, wenn ich mich ernsthaft verletzt hätte? Meine Frau ist noch mit einer Freundin im Kino und mein Smartphone nicht in Reichweite. Glücklicherweise ist der Teppich mit kapazitiven Sensoren ausgestattet, die feststellen können, welcher Druck wie lange auf den Boden ausgeübt wird. Daraus kann das System erkennen, ob ich gestürzt bin und ein Signal aussenden, das zum Beispiel an einen Rettungsdienst übertragen wird. Doch es ist alles in Ordnung. Ich rappele mich schnell auf und deaktiviere die Funktion mit dem Tablet-PC. Gut, dass sich Technik auch abschalten lässt.
