Kleine Firmen haben oft nur ein kleines Budget für Werbung. Matthias Lung, Direktor der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing, spricht im DHZ-Interview über die Möglichkeiten kleiner Branchen, junge Menschen auf sich aufmerksam zu machen.
Frank Muck
DHZ: Herr Dr. Lung, kleine Branchen wie Drechsler haben es schwer, Nachwuchs zu bekommen. Wie können sich die Betriebe besser vermarkten?
Lung: Die Akquisition von Nachwuchs für so ein spezielles Handwerk lebt von der Begeisterung und vom Erleben. Daher können die Aktivitäten der Arbeitsagenturen und die Berufsinfotage der Schulen interessant sein, an denen man Filme, Werkstücke oder Vorprodukte zeigt. Es geht darum, das Erlebnis zu vermitteln: "Toll, das will ich auch können!" Ansonsten bleibt noch als einfache Möglichkeit, die eigene Kundschaft anzuschreiben und um Mundpropaganda zu bitten und Zettel weiterzugeben. Damit bringt man sich auch wieder in Erinnerung und stellt sich als verantwortungsvoller Unternehmer dar.
DHZ: Helfen Anzeigen in den Medien oder verpufft dort die Werbung zu schnell?
Lung: Wer in die Flächenwerbung gehen will, sollte dennoch regional bleiben. Anzeigenblätter, die Lokalzeitung oder ein Bild mit gesprochener Werbung im nächstgelegenen Kino sind sinnvolle Medien. Bei Stellenangeboten nicht vergessen, das Unternehmen zu bewerben.
"Die Kleinen müssen über Nähe und Greifbarkeit punkten."
DHZ: Die Konkurrenz aus der Industrie ist groß beim Kampf um Lehrlinge. Womit können die Kleinen punkten?
Lung: Die Großen punkten über Firmenname und Bekanntheitsgrad. Die Kleinen müssen über die Beziehung punkten, über die Nähe, über die Greifbarkeit des Menschen und dass man den Ort und die Firma kennt. Daher sollte in jeglicher Werbung ein Gesicht sichtbar werden. Die Betriebe müssen mit Bildern arbeiten, haptisch mit Exponaten, mit Gefühlen, mit dem Familiären und dies in einer klaren, bilderreichen Sprache. Ein Auftreten, in dem es menschelt, nimmt man den Kleinen ab, den Großen weniger. So wird eine Schwäche zur Stärke.
DHZ: Wie wichtig sind neue Medien wie die eigene Webseite und Social Media?
Lung: Je direkter und lokaler die Maßnahme, desto größer der Erfolg. Die Webseite ist dann hilfreich, wenn ohnedies bereits eine besteht, in die man das einbauen kann. Gerade Facebook ist das Medium, mit dem man junge Leute ansprechen kann. Vielleicht hat der Drechsler einen jungen Menschen in Griffweite, der seine Freunde zu einer Zwei-Stunden-Veranstaltung mit Vorführungen einlädt. Da rate ich dazu, die jungen Leute "als Unternehmensberater" ins Haus zu holen und sie ein wenig mitdenken zu lassen.
