Die Wohnung ist für die Deutschen wichtiger als der Urlaub. Zwar hat schon fast jeder ein Ikea-Regal bei sich zu Hause aufgebaut, doch wichtiger als billig ist den meisten Deutschen die Qualität ihrer Einrichtung. Auch die Mehrheit der Jungen wünscht sich hochwertige Möbel und will sobald sie das nötige Geld haben, investieren. "So wohne ich, so bin ich", fasst Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer von TNS Emnid zusammen, der die Wohnwünsche untersucht hat.
Christina Geimer

Bei der Einrichtung setzen die Bundesbürger, laut der Studie "Deutschland privat – So wohnen und leben die Deutschen 2012" vor allem auf Funktionalität (96 Prozent) und Qualität (93 Prozent). Die Wertschätzung von hochwertig gefertigten Möbel hängt dabei nicht vom Einkommen ab – auch schlechter Verdienende sind bereit für die Einrichtung, sie über Jahrzehnte begleiten soll, mehr Geld auf den Tisch zu legen.

Eine Trendstudie hat der Möbelhersteller Interlübke zu seinem 75.-jährigen Firmenjubiläum bei TNS Emnid in Auftrag gegeben.
Alle wollen hochwertige Möbel
Leo Lübke, geschäftsführender Gesellschafter, berichtet, worauf seine Kunden achten: Qualität messen sie vor allem an einer soliden Verarbeitung an den Fugen, einem hochwertigen Lack. Auch das Design spielt eine Rolle: Sind die Ecken spitz, sieht das zwar schick aus, aber sie sind auch brüchig und gefährlich. Deswegen wollen die Kunden eher abgerundete Ecken.
Jeder Vierte kauft beim Tischler

Wer glaubte, dass viele am liebsten die Möbel in ihrer Wohnung selbst zusammenbauen irrt. Zwar hat schon fast jeder einmal einen Einrichtungsgegenstand alleine zusammengeschraubt. Doch 80 Prozent der Bevölkerung bevorzugen den Möbelfachhandel. Sogar jeder Vierte kauft nicht von der Stange, sondern lässt sich seine Möbel direkt beim Tischler oder Innenmausbauer anfertigen. Kleineren Herstellern kommt zu Gute, dass die Deutschen bei Möbeln kein Markenbewusstsein haben – nur 14 Prozent kaufen Gegenstände von bekannten Marken. 95 Prozent richten ihre Wohnung nach dem persönlichen Geschmack und nicht nach Trends ein, denn sie wollen sich lange mit ihren Möbeln wohl fühlen.
Dabei erwarten die Menschen eine fundierte Beratung. Zwei Drittel wollen nach einer Vorrecherche im Internet und bei Bekannten ein persönliches Gespräch im Möbelfachhandel. "Wir brauchen eine Qualitätsoffensive bei den Verkäufern", fordert Meinungsforscher Schöppner. Denn durch die Suche im Internet kommen die Kunden besser informiert ins Geschäft.
Möbelkauf ist Familiensache Über die Hersteller und Qualität informieren sich die Kunden nicht nur das Internet, sondern auch Prospekte und Kataloge nehmen die Kunden noch immer vergleichsweise gut an – mehr als 70 Prozent lesen in der Papierwerbung, bevor sie einen Einrichtungsgegenstand kaufen.
Die Kaufentscheidung selbst ist Familiensache. Über 80 Prozent diskutieren ihre Auswahl mit der Familie und dem Partner. Überhaupt ist die Einrichtung ein Gesprächsthema. 60 Prozent beraten sich außerdem mit Freunden und 40 Prozent sogar mit Kollegen.
Allerdings hat das Qualitätsbewusstsein der Deutschen für Möbelbauer auch einen Nachteil: Der Bedarf an Einrichtungsgegenständen ist schon zum Großteil gesättigt. Fast 80 Prozent benötigen zurzeit nichts Neues. Sieben Prozent fehlen einzelne Möbel. Vier Prozent wünschen sich einen neuen Bodenbelag oder ähnliche Renovierungen.
Im Wohnzimmer wollen die Deutschen Blumen

Das Wohnzimmer ist für 60 Prozent der Deutschen der Wohlfühlraum. Unbedingt wollen sie darin eine Sitzgarnitur (95 Prozent) und einen Fernseher (88 Prozent). Aber zum Entspannen braucht die Mehrheit nicht nur Funktionalität, sondern auch Dekoration: Blumen (86 Prozent) und Bilder (88 Prozent) kaufen sich fast alle für ihren Lieblingsraum. Vor allem die Ostdeutschen wünschen sich auch vermehrt Gardinen und Teppiche.
Tapete ist vor allem bei Älteren noch immer ein Muss. Übrigens ist die Küche nur noch für neun Prozent der wichtigste Raum der Wohnung. Im Vergleich zur letzten Wohnstudie von 1989 hat ihre Bedeutung abgenommen.
Farbwünsche ändern sich
Der Wunsch nach möglichst natürlicher Wohngestaltung (40 Prozent), zum Beispiel mit viel Holz und sanften Farben hat in den letzten Jahren abgenommen. Dagegen wählen immer mehr Menschen weiße und helle Farben. Das ist vor allem für jüngere mit einem geringeren Einkommen eine praktische Alternative. Gerade ärmere Haushalte mit einem Nettoeinkommen unter 1.000 Euro greifen auch gerne zu kontrastreichen Farben.

Das Schlafzimmer – einfach, aber intim
Und im Schlafzimmer regiert nach den Wünschen der Deutschen bisher Einfachheit – Bett und Schrank, dass ist es für die meisten bisher. Warum auch mehr? Schließlich nutzen, 65 Prozent das Schlafzimmer vornehmlich zum Lesen und 70 Prozent um intim zu werden. Einen Fernseher oder ein Radio haben nur 30 Prozent im Schlafzimmer.
Ein skurriles Ergebnis der Studie: Die Nutzung des Schlafzimmers variiert je nach Einkommen stark. Während Haushalte mit einem Nettoeinkommen unter 1.000 Euro mehr Lesen (70 Prozent) und auch tagsüber ein Nickerchen machen (65 Prozent), wird es in Wohnungen mit einem Haushaltsnettoeinkommen über 2.500 Euro im Schlafzimmer eher zärtlich. Über 80 Prozent der Personen mit hohen Einkommen, werden im Schlafzimmer regelmäßig intim. Bei den Ärmeren sind es nur 30 Prozent – weil unter ihnen besonders viele Alleinstehende sind, die abends zur Entspannung gerne zum Buch greifen.