Hauptuntersuchung bald ohne TÜV und Dekra Kfz-Gewerbe möchte ins Prüfgeschäft einsteigen

Weil immer mehr Prüfstellen von TÜV und Dekra ihren Kunden Serviceleistungen rund ums Auto anbieten, möchte das Deutsche Kfz-Gewerbe (ZDK) im Gegenzug ins Prüfgeschäft einsteigen. Die bisherige Trennung zwischen Begutachtung und Reparatur könnte im Zuge einer Vereinheitlichung des EU-Rechts ab 2015 aufgehoben werden.

Die Prüfplakette für eine bestandene Hauptuntersuchung könnte bald in der Meisterwerkstatt vergeben werden. TÜV und Dekra bekämen damit große Konkurrenz. - © TÜV Süd

Die einen reparieren, beheben alle Mängel und bieten Serviceleistungen rund ums Auto an und die anderen prüfen das Fahrzeug auf Herz und Nieren und vergeben dann die gesetzlich notwenige Prüfplakette. Dass sich die Kfz-Werkstätten und die Prüfinstitutionen von TÜV und Dekra den Markt nach diesem Prinzip aufteilen, ist schon länger vorbei. Doch nun könnten sich die Zuständigkeiten komplett ändern. Das Deutsche Kfz-Gewerbe (ZDK) setzt sich dafür ein, dass die Kfz-Meisterwerkstätten künftig TÜV-Plaketten ohne externen Prüfer vergeben können.

Mehr Wettbewerb bei der HU

Bisher liegt die im Volksmund "TÜV" genannte, gesetzlich vorgeschriebene technische Untersuchung der rund 58 Millionen deutschen Autos in den Händen von staatlich anerkannten Prüforganisationen wie den Technischen Überwachungs-Vereinen (TÜV) oder der Dekra. Doch "die Prüfinstitutionen sind seit einiger Zeit auf dem Servicesektor aktiv, was bei uns in der Organisation aufmerksam beobachtet wird", sagte ZDK-Sprecher Ulrich Köster und bestätigte damit einen Vorabbericht der "Auto-Bild".

Bislang ist jedoch noch nichts abschließend beschlossen. "Es geht zunächst nicht um einen Ausstieg aus dem dualen System, sondern um eine Prüfung, ob so etwas überhaupt möglich ist", sagte Köster. Über das Für und Wider einer solchen Neuregelung streiten die Vertreter von Kfz-Gewerbe und Prüforganisationen. Das Gewerbe habe im bestehenden System "ständig Federn gelassen", sagte ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk der "Auto-Bild". Es gehe auch darum, mehr Wettbewerb in das System der Hauptuntersuchungen zu bekommen.

Kosten und Gebühren könnten sinken

Wenn die Änderungen wie geplant umgesetzt werden, könnten Autofahrer die Kfz-Hauptuntersuchung (HU) bald auch von ihrer Stammwerkstatt erledigen lassen, statt ihr Fahrzeug Dekra- oder TÜV-Prüfern vorzustellen. Sie hätten die freie Wahl und könnten möglicherweise mit geringeren Kosten und Gebühren rechnen.

Doch bei den Prüforganisationen stößt die Idee auf wenig Gegenliebe. "Der Vorstoß des Kfz-Gewerbes hat uns überrascht", wird Johannes Näumann vom TÜV-Dachverband (VdTÜV) von "Auto-Bild" zitiert. Die Arbeitsteilung habe sich bewährt und schütze die Verbraucher. Alleine der TÜV Süd führte 2011 nach eigenen Angaben bundesweit über fünf Millionen Hauptuntersuchungen durch.

Kritiker befürchten, die Werkstätten könnten künftig "Gefälligkeitsplaketten" für gute Kunden vergeben oder sich durch unnötig lange Mängellisten selbst Reparaturaufträge verschaffen. dapd