Das Ende naht: 700 Beschäftigte der insolventen Großbäckerei Müller-Brot werden das Unternehmen verlassen müssen. Mit dem 31. März fällt zudem das Insolvenzgeld weg. Ausgerechnet der Ex-Eigentümer Ostendorf hat Müller-Brot jetzt erneut gekauft. Unter ihm kam es erst zum Hygieneskandal.
Der alte Eigentümer ist auch der neue: Eine Investorengruppe um den bisherigen Müller-Brot-Inhaber Klaus Ostendorf und den ehemaligen Geschäftsführer Stefan Huhn hat überraschend die insolvente Großbäckerei erneut übernommen. Dem hat der Gläubigerausschuss nun zugestimmt. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Entscheidung fiel nur wenige Stunden, bevor zum 31. März das Insolvenzgeld für die mehr als 1.000 Beschäftigten ausläuft.
Müller-Brot musste Ende Januar seine Produktion in Neufahrn bei München stoppen, nachdem die Behörden schwerwiegende Hygienemängel festgestellt hatten. Das Landratsamt Freising fand bei einer Kontrolle „Schädlinge in erheblichem Umfang in den Betriebsräumen" - unter anderem Mäusekot und Schaben. Mitte Februar musste die Firma Insolvenzantrag stellen.
700 Mitarbeiter müssen gehen
Der Gruppe um Ostendorf gehören nun wieder das Unternehmen, die Markenrechte und die Filialen - und die Manager werden jetzt gehörig umbauen: Von den 1080 Mitarbeitern sollen 700 entlassen werden – mehr als zwei Drittel. Von den 230 Filialen wollen die Inhaber nur noch 151 übernehmen. Welche Geschäfte schließen, ist öffentlich noch nicht bekannt.
Am Donnerstag waren die Mitarbeiter in München auf die Straße gegangen und hatten vor allem gegen Ostendorf protestiert ("Ostendorf hat uns kaputt gemacht").
Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen“ hatte Insolvenzverwalter Hubert Ampferl nicht Ostendorf, sondern die Münchner Bäckereikette Höflinger mit der Tochter des früheren Inhabers, Evi Müller, als neuen Inhaber bevorzugt. Nichtsdestotrotz erhielt Ostendorf den Zuschlag von den Gläubigern, zu denen unter anderem die Commerzbank gehört. Unter Ostendorf war Müller-Brot in die tiefste Krise der Firmengeschichte geraten und ging Pleite.
Kritiker von Seiten der Arbeitnehmervertreter und der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) hatten den Verdacht geäußert, dass Ostendorf das Unternehmen bewusst in die Insolvenz geführt habe, um sich von Mitarbeitern sowie von finanziellen Verpflichtungen zu entledigen.
Ostendorf hat weiter das Sagen
Ostendorf hatte Müller-Brot im Jahr 2003 übernommen. Damals hatte er sich mit dem Firmenchef Müller überworfen.
Müller-Brot wurde 1930 in Giesing als kleine Bäckerei gegründet. Nach dem Tod der Eltern 1951 positionierte sich der damals 19-jährige Sohn Hans Müller als Großbäcker und wurde mit dieser Strategie der erste Supermarktlieferant für Backwaren in Deutschland. Als Müller dann vor knapp zehn Jahren in den Aufsichtsrat wechselte, übernahm Investor Ostendorf den Chefsessel und wurde gleichzeitig Mehrheitsaktionär. bur / sg
