Die Unternehmen der deutschen Bauwirtschaft starten optimistisch in die neue Bausaison. Nachdem im vergangenen Jahr der Umsatz erstmals die Marke von 200 Milliarden Euro übertroffen hatte, rechnen sie 2012 mit einem weiteren Wachstum von rund einem Prozent auf 203 Milliarden Euro. Die Beschäftigung werde sich über alle Sparten stabilisieren und voraussichtlich um 0,5 Prozent auf 2,35 Millionen Erwerbstätige wachsen.
Ulrich Steudel
Für gute Stimmung sorgt allen voran das Bauhauptgewerbe, das nach dem Einbruch des Wohnungsneubaus in Folge der Abschaffung der Eigenheimzulage im Jahr 2006 laut Karl-Heinz Schneider, dem Vorsitzenden der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, seinen „komaähnliche Zustand“ inzwischen überwunden hat. Waren die Fertigstellungszahlen im Wohnungsneubau von 2006 bis 2009 um 40 Prozent eingebrochen, so hat sich dieser Trend wieder umgekehrt. Für das vergangene Jahr rechnet das Bauhauptgewerbe mit 164.000 neu errichteten Wohnungen.
Einen Grund für diese positive Entwicklung sieht Schneider in dem Wunsch vieler Bürger, aus Angst vor Inflation und Eurokrise in die eigenen vier Wände zu investieren. Dem Bauhauptgewerbe bescherte diese Entwicklung im vergangenen Jahr ein kräftiges Umsatzplus von 22 Prozent.
Öffentlicher Bau bricht ein
Weniger gut sieht es dagegen im öffentlichen Bau aus. Laut Schneider lassen die Rahmenbedingungen kaum Impulse erwarten: Die Mittel der Konjunkturprogramme seien abgearbeitet, die Schuldenbremse lasse den öffentlichen Auftraggebern auch perspektivisch kaum Spielräume für Investitionen. So erwartet Schneider für den öffentlichen Bau einen Rückgang von drei Prozent.
Ausbau leidet unter Hickhack um Gebäudesanierung
Eher vorsichtig blicken auch die Unternehmen des Ausbaugewerbes auf das neue Jahr. Nach einem Wachstum von 5,6 Prozent 2011, rechnen sie nur noch mit einem Plus von knapp einem Prozent, was auch dem Hickhack um die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung geschuldet sei. Zwar sei die Verstetigung des Fördervolumens für zinsgünstige Kredite auf 1,5 Milliarden Euro ein gutes Signal, doch es gebe auch Bauherren, die ohne Kredit investieren wollen, stattdessen auf steuerliche Anreize warten. „Wir appellieren eindringlich an die verantwortlichen Politiker in Bund und Ländern, ihre Blockade endlich aufzugeben und den Weg für ein entsprechendes Gesetz freizumachen“, forderte Schneider.
Energiewende noch nicht im Heizungskeller angekommen
Betroffen von dieser Blockade sind auch die Unternehmen des Bereichs der Energie- und Gebäudetechnik. Anders als erwartet, sei die Energiewende noch nicht in den Heizungskellern angekommen, der Einbau energieeffizienter Technik nicht zum Wachstumsmotor geworden. Seit Jahresbeginn sei der Auftragsbestand der Unternehmen dieses Bereichs leicht rückläufig. Bis Ende 2012 wird ein geringes Wachstum von 0,5 Prozent erwartet.
Trotzdem sieht Verbandschef Schneider die deutsche Bauwirtschaft getreu einem Slogan der Imagekampagne des Handwerks als Ausrüster der Energiewende. Auf die 300.000 Betriebe mit ihren 2,34 Millionen Beschäftigten würden viele Aufgaben warten, das lässt sie positiv gestimmt in die Zukunft blicken.
