Bis 2017 mangelt es bundesweit an 400.000 Mietwohnungen, die Hälfte davon in großen Städten, wie aus einer am Donnerstag vom Pestel-Institut vorgestellten Untersuchung hervorgeht. Das Baugewerbe setzt auf eine Verstetigung der Wohnraumförderung sowie auf stärkere Marktanreize.

Vor allem günstige Wohnungen sind Mangelware. "In den letzten Jahren hat Reich für Reich gebaut", sagte der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, in Berlin. Doch aufgrund der schrumpfenden Einkommen und der gleichzeitig steigenden Mieten wachse der Bedarf an günstigen Wohnungen.
Günstig heißt Mietpreis unter sieben Euro pro Quadratmeter
Unter günstig verstehen die Experten Wohnungen mit einem Mietpreis unter sieben Euro netto je Quadratmeter. "Für sieben Euro kann man jedoch nicht bauen", erklärte der Direktor des Instituts für Wohnungswesen an der Ruhr-Universität Bochum, Volker Eichener. "Das geht nur durch Subventionen."
Aus diesem Grund fordern die Experten der Kampagne "Impulse für den Wohnungsbau", dass die Kompensationszahlungen des Bundes an die Länder auf rund eine Milliarde Euro verdoppelt werden. So könnten jährlich 80.000 subventionierte Mietwohnungen entstehen. Diese Mittel müssten jedoch zweckgebunden sein, damit sie nicht zur Sanierung der Haushaltskassen der Länder herangezogen werden könnten.
Steuerliche Anreize durch höhere Abschreibung
Um den Bau von Mietwohnungen für Investoren attraktiver zu machen, sind auch steuerliche Anreize gefragt. Die Experten schlagen vor, den jährlichen Abschreibungssatz von derzeit zwei auf vier Prozent zu erhöhen. Dadurch würden zwar die Steuereinnahmen des Bundes pro Wohnung schrumpfen, doch wenn dadurch mehr gebaut werde, gleiche sich das wieder aus. "Bei der Abwrackprämie hat es funktioniert", sagte Eichener. Derzeit koste ein Quadratmeter neu gebauter Wohnfläche in Deutschland 2.000 Euro. Der Staat verdiene daran 920 Euro.
Eine Förderung mit der Gießkanne ist laut den Wohnungsbauexperten jedoch nicht zielführend. Denn während in Ballungsgebieten die Wohnungen knapp werden, stehen sie andernorts leer. Dort seien Kombinationslösungen gefragt, die den Abriss alter Wohnungen und den Bau neuer, altersgerechter Wohnungen fördern.
Die Wohnungsnot in Deutschland ist nach Ansicht der Experten"hausgemacht. Denn die Wohnungsbauförderung seitens des Staates sei in den vergangenen Jahren immer weiter geschrumpft. dapd