Nachhaltiges Wirtschaften und werteorientiertes Handeln – das waren die Schlüsselbegriffe der diesjährigen Tagung des "Zentralen Besprechungskreises Kirche - Handwerk" Ende Januar in Münster. Repräsentanten der Handwerksorganisation und der beiden großen Kirchen trafen sich traditionell zum Jahresauftakt, um sich über aktuelle gesellschaftspolitische Fragen auszutauschen.
Am ersten Tag stand die europäische Schuldenkrise im Fokus. Das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft hat sich in der jüngsten Krise bewährt und avanciert bei vielen Nachbarländern zur Reform-Blaupause.
Aber auch Deutschland darf sich nicht zurücklehnen, sondern muss mit erheblichen Anstrengungen Sozialsysteme und öffentliche Haushalte zukunftsfest machen, so die Kernbotschaft von Prof. Dr. Michael Eilfort. Der Gastreferent und Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft kam - mit Blick auf die implizite Staatsverschuldung - zu dem Ergebnis, "dass nicht nur Griechen und Italiener, sondern auch wir Deutsche angesichts der demographischen Entwicklung seit Jahrzehnten über unsere Verhältnisse wirtschaften."
Vertrauen ist wesentlich
Die Euro-Schuldenkrise verdeutlicht, dass Politik auf Nachhaltigkeit zielen und auch Staaten sich wie ehrbare Kaufleute verhalten müssen. Maßvolles Wirtschaften und Generationengerechtigkeit, wie es in den inhabergeführten Familienbetrieben des Handwerks seit Jahrhunderten praktiziert wird, "kann aber nur über täglich aufs Neue gelebte Werte gelingen", unterstreicht der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe.
Der wichtigste Rohstoff dafür sei Vertrauen, ergänzte Karl-Sebastian Schulte, Leiter des Kreises und ZDH-Geschäftsführer. Dieses Vertrauen rechtfertigen Handwerker durch ihre Leistungen, durch unternehmerisches Engagement und die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, so Professor Axel Noack, Altbischof der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Handwerk als unerlässlicher Partner der Energiewende
Planbarkeit und Verlässlichkeit forderte der Besprechungskreis auch bei der Umsetzung der ambitionierten Energiewende. Beim beschleunigten Übergang in ein regeneratives Energiezeitalter dürften die Betriebe nicht überfordert werden. Die Menschen müssten durch Anreize statt durch Zwang mitgenommen werden. Die Versorgung mit Energie muss sicher und bezahlbar bleiben. Das Handwerk vor Ort mit seinen qualifizierten Fachkräften sei dabei unerlässlicher Partner für mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich und den Aufbau neuer, dezentraler Strukturen, so der Tenor.
Große Herausforderungen stellen sich in einer älter werdenden Gesellschaft auch im Bereich der Pflege. Die Pflegeversicherung muss demographiefest gemacht werden und finanzierbar bleiben. Wichtig ist, Pflegebedürftigen ein möglichst selbstbestimmtes Leben in gewohnter Umgebung zu ermöglichen. Dies erfordert nicht nur den entsprechenden Ausbau von Pflegediensten und neuen Betreuungsformen, wo kirchliche Einrichtungen oft Vorreiter sind. Auch das Handwerk kann mit Konzepten zum altersgerechten Wohnen und zu wohnortnaher Versorgung bei Bedürfnissen des alltäglichen Bedarfs einen maßgeblichen Beitrag leisten.
Nähe zu den Menschen verbindet Kirche und Handwerk
Ein wichtiges Bindeglied und Erfolgsrezept von Kirchen und Handwerk bei den künftigen Herausforderungen ist die gelebte Nähe zu den Menschen. Das beweise der Dialog in Münster eindrucksvoll, wie HWK-Hauptgeschäftsführer a.D., Horst Eggers, Bundesvorsitzender von "Handwerk und Kirche" in der Evangelischen Kirche Deutschlands betonte. zdh