Die Deutschen werden immer älter und immer mobiler. Davon profitieren Handwerksbranchen wie Augenoptiker, Zahntechniker oder das Kfz-Gewerbe. Die Lebensmittelhandwerke gehören dagegen zu den Verlierern des demografischen Wandels. In einer aktuellen Studie hat das Institut für Mittelstand und Handwerk der Uni Göttingen untersucht, wie sich die gesellschaftlichen Veränderungen auf das Handwerk auswirken: Unterschiede gibt es je nach Branche und Region.

Hört man von "Handwerk" und dem "demografischen Wandel " so fallen sofort Schlüsselwörter wie "Nachwuchssorgen" und "Fachkräftemangel". Doch nicht nur die Personalsituation in den Betrieben wird sich in Zukunft verändern, sondern auch die Auftragslage in den einzelnen Branchen. "Der demografische Wandel wird Strukturveränderungen der privaten Nachfrage auslösen, die sich auch auf das Handwerk spürbar auswirken", meldet das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen. Die Forscher haben dort die Auswirkungen auf einzelne Branchen und Regionen untersucht.
Aufwärtstrend in drei Branchen
Fest steht, ein pauschales Urteil für das Handwerk insgesamt kann man nicht fällen. Eine Reihe von Branchen wird mit Nachfragezuwächsen rechnen müssen, andere werden Einbußen spüren. Genauso sieht es mit der geografischen Verteilung aus, da der Rückgang der Bevölkerung auch sehr unterschiedlich ausfallen wird. Im Osten sei demnach mit einem größeren Rückgang zu rechnen.
Drei Handwerksgruppen werden laut der Studie jedoch am meisten von den Veränderungen profitieren:- Das Bauhauptgewerbe kann demnach mit Zuwächsen rechnen, da das Nachfragepotenzial auf dem Wohnungsmarkt in den nächsten zehn Jahren um 50 Prozent steigen werde. 210.000 neue Wohnungen werden gebraucht.
- Mit dieser Entwicklung Hand in Hand geht das Plus, dass das Ausbaugewerbe erwarten könne. Zu nennen sind hier vor allem der altersgerechte Umbau und Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, die zunehmen werden.
- Die großen Gewinner sind der Studie zufolge aber die Berufe im Gesundheitshandwerk. Die Kundenzielgruppe 60+ benötigt bekanntermaßen mehr Brillen, Zahnersatz und ähnliche Artikel. Und diese Zielgruppe wird alleine bis 2030 von 25 Prozent der Bevölkerung heute auf 36 Prozent zunehmen.
Verluste bei Kleidung und Nahrungsmitteln
Die private Nachfrage nach den meisten Produkten und Dienstleistungen wird also steigen. Doch leider gibt es auch einige Branchen, bei denen die Auftragszahlen längerfristig eher abnehmen werden: Der Studie zufolge wird dies im Bereich "Schuhe und Bekleidung" eintreten, genauso wie im gesamten Lebensmittelhandwerk. Schuld sind vermutlich die vielen günstigen Angebote der Discounter und großer Warenhäuser. Gleichzeitig geben die Deutschen ungern viel Geld für Lebensmittel aus, so dass die traditionellen Hersteller gegen die große Konkurrenz nicht mehr ankommen werden.
Die Studie entdeckt hier jedoch einen Widerspruch: Auffällig sei, dass zwar das Interesse der Deutschen an einem ausgeglichenen, gesunden Leben zunehme und die Ausgaben für Unterhaltung und Wellness ansteigen. Trotzdem sinken jedoch die Aufwendungen für Lebensmittel. Schon im vergangenen Jahr mussten rund 500 Bäckereien schließen . dhz