Dem zweijährigen Ausbildungsberuf Kfz-Servicemechaniker werden von den Betrieben in der Branche kaum Zukunftschancen eingeräumt. Laut einer Studie besteht kein Bedarf an Mitarbeitern mit vermindertem Qualifikationsprofil, Kfz-Servicemechaniker haben schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Der Ausbildungsberuf Kfz-Servicemechaniker war 2004 eingeführt worden und erfolgt bis Juli 2013 auf Probe. Vor der Überführung in einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf soll eine wissenschaftliche Evaluation die Akzeptanz des neuen Berufs bei Jugendlichen und Betrieben ermitteln, sowie den Bedarf an Fachkräften und mögliche Schwierigkeiten für die Zukunft.
Kein Bedarf bei Betrieben
Eine wesentliche Erkenntnis aus der Befragung ist, dass die Betriebe keinen Bedarf an Mitarbeitern mit vermindertem Qualifikationsprofil sehen – diese sind den Anforderungen in den Werkstätten nicht gewachsen. Gefragt sind in den Werkstätten Allrounder, ein Wandel in Richtung Arbeitsteilung mit gesondertem Servicebereich ist nicht in Sicht. Alle Befragten sind sich einig, dass die Ausbildungsdauer von zwei Jahren zu kurz sei. Selbst Betriebe, die sich prinzipiell vorstellen können, Kfz-Servicemechaniker zu beschäftigen, betonen, dass nach ihrer Auffassung eine zweijährige Ausbildung im Kfz-Bereich für das "High-Tech-Produkt Auto" nicht ausreicht.
Folglich ziehen die Betriebe Kfz-Mechatroniker mit dreieinhalbjähriger Ausbildung den Kfz-Servicemechanikern vor. Die Ergebnisse deuten eher auf einen Bedarf an höherwertiger statt verminderter Qualifikation hin. Ziel des neuen Ausbildungsberufs war es gewesen, "eher praktisch begabten" Jugendlichen mit schlechteren Startchancen ein zusätzliches Ausbildungsangebot im Kfz-Bereich zu eröffnen. Zwar haben diese eine bessere Chance auf den Einstieg in eine Berufsausbildung, aber ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern sich nicht – Betriebe stellen Kfz-Servicemechaniker nur in geringem Maß ein.
Integration in dreijährige Ausbildung sinnvoll
Auffällig ist auch, dass ein vergleichsweise sehr hoher Anteil von 44 Prozent der 3.400 Auszubildenden (Stichtag: 31. Dezember 2009) in außerbetrieblichen Einrichtungen ausgebildet wird, die öffentlich gefördert werden. Rund 79 Prozent der Auszubildenden haben höchstens einen Hauptschulabschluss, maximal 36 Prozent führen ihre Ausbildung anschließend in einem drei- oder dreieinhalbjährigen Ausbildungsberuf fort.
Die Autoren der Evaluation kommen zu der Empfehlung, den Beruf nicht mehr als eigenständigen Ausbildungsberuf bestehen lassen, sondern in den Beruf des Kfz-Mechatronikers zu integrieren. Dies würde eine Veränderung der Struktur des bisherigen Berufes erforderlich machen: so könnte die "Service-Komponente" ergänzend als Schwerpunkt, Fachrichtung oder Einsatzgebiet eingeführt werden. Über eine mögliche Neuausrichtung müssen die beteiligten Bundesministerien und die Sozialpartner abschließend entscheiden.
Für die Untersuchung befragte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zusammen mit dem Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik der Universität Flensburg (biat) und dem Institut Technik und Bildung der Universität Bremen (ITB) bundesweit und anonym Betriebe, Berufsschullehrer, Mitarbeiter in Kammern und Innungen sowie Auszubildende.
jf