Wirtschaftlich scheuersaugen

Die Fußboden-Nasspflege in Werk- und Lagerhallen, Verkaufsräumen und Bürogebäuden gilt als qualitätswirksamstes Arbeitskontingent der Betriebsreinigung – und als kostenträchtigstes. Den verfahrenstechnischen Schlüssel zu dauerhaften Spitzenleistungen bietet das Scheuersaugen. Die Optimierung dieser Technologie verdient daher ständiges Augenmerk.

Der Vorteil des Scheuersaugens liegt in der Kombination dreier Arbeitsgänge: Waschflotte ausbringen, kraftvolle Bürstenreibung und Schmutzwasser absaugen. Foto: Kärcher

Wirtschaftlich scheuersaugen

Der Vorzug des Scheuersaugens liegt in der effektiven Kombination dreier Arbeitsgänge: Die Maschine bringt Waschflotte aus, löst durch kraftvolle Bürstenreibung selbst hartnäckige Krusten und saugt das Schmutzwasser ab. Das zügige Fahrtempo ermöglicht hohe Flächenleistungen, zudem ist der Boden sofort trocken, sprich begeh- und befahrbar. Ebenso willkommen ist die physische Entlastung der Mitarbeiter: Reinigungskräfte arbeiten in bequemer Körperhaltung und ohne Kraftaufwand.

Dank einer innovativen Herstellerszene steht eine immer feiner ausdifferenzierte Modellpalette zur Wahl – beste Voraussetzung für die sprichwörtliche Lösung nach Maß. Das Kapazitätsspektrum reicht vom Kompaktgerät (Arbeitsbreite 40 cm) über eine variantenreiche Mittelklasse (Arbeitsbreiten überwiegend zwischen 55 und 70 cm) bis zu Jumbos (Arbeitsbreite ab 1 m). Unterschiedliche Konzeptionen existieren auch für Antrieb (Motorgas, Strom), Schrubbwerk (Scheiben- oder Walzenbürsten) und Führerplatz (Walk-behind-, Aufsitz- und Step-on-Modell).

Ein interessantes Nutzen-Plus bieten Gerätetypen, die sich sowohl mit Scheiben- als auch Walzenbürsten bestücken lassen. Den Bürstenkopf kann man mit wenigen Handgriffen wechseln, um auf einem heterogenen Flächen-Mix die glatten Beläge per Scheibe und die profilierten mit Walzen zu bearbeiten.


Entscheidung zur Investition

Die erfolgsorientierte Implementierung des Verfahrens beginnt mit der objektgerechten Geräte-Wahl. Nach einer generellen Sichtung des vielfältigen Angebots, die sich primär auf Hersteller-Unterlagen stützt, sollten die Spitzenkandidaten bei einem systematischen Probe-Einsatz kritisch verglichen werden. Im Brennpunkt der technisch-betriebswirtschaftlichen Bewertung steht das Anwendungsprofil, das man anhand folgender Fragen untersucht:

● Wird der geforderte Sauberkeitsgrad auf allen Reinigungsflächen und in den Problemzonen (Randbereiche, Kurven etc.) zuverlässig erreicht?

● Ermöglichen Arbeitsbreite, Fahrtempo und Manövriereigenschaften eine hohe Flächenleistung (= Reinigungsfläche pro Stunde)?

● Entsprechen Größe des Waschflottentanks und die Batteriekapazität dem vorgesehenen Reinigungspensum pro Einsatzfall bzw. Arbeitstag?

● Erfolgt die Bedienung mühelos durch günstig plazierte Fuß- und Handschalter und werden die relevanten Betriebsdaten übersichtlich angezeigt?

● Können Rüstfunktionen (Schmutzwasserentsorgung, Bürstenwechsel etc.) einfach und zügig (z.B. ohne Werkzeugeinsatz) vorgenommen werden?

Darüber hinaus sind die Supportfunktionen zu prüfen, von denen neben den Unterhaltskosten der Verfügbarkeitsgrad entscheidend abhängt:
● Ist die routinemäßige Wartung nach Umfang und Frequenz gering und kann sie weitgehendst in Eigenregie erfolgen?

● Lassen verschleißfeste und reparaturfreundliche Bauweise geringen Instandhaltungsaufwand erwarten?

● Besteht eine schnelle, zuverlässige Ersatzteilversorgung und ist nötigenfalls der technische Kundendienst prompt verfügbar?

Das Fragenprogramm lässt sich betriebsindividuell verfeinern. Zudem kann man es als Scoring-Tableau nutzen, indem die Antworten anhand einer Punkteskala (empfohlen: 1 bis 5) erfolgen und den Fragen Gewichtungsfaktoren (empfohlen: 1 bis 3) zugewiesen werden. Zuverlässig kristallisiert sich so die technologische Ideal-Lösung heraus.

Effiziente Einsatzsteuerung

Durch Spezialausrüstungen lässt sich der Scheuersauger auf individuelle Einsatzkonzepte abstimmen. So gibt es eine Kehreinheit, damit vor dem Schrubben nicht in einem separaten Arbeitsgang gefegt werden muss. Der Anbausatz für Schallreduktion mindert den Geräuschpegel um 3 Dezibel, das Sprühsauger-Kit ermöglicht die Reinigung enger Nischen oder schmaler Abstandsflächen zwischen Inventarstücken. Beträchtlichen Zugewinn an Arbeitskomfort und Produktivität bietet der nachrüstbare Fahrersitz für handgeführte Maschinen. Auch eine mobile Recyclingstation zählt zum praxisfreundlichen Zubehörprogramm: Aus der Schmutzflotte werden Klarwasser und Reinigungsmittel zurückgewonnen - ein Plus in ökonomischer und ökologischer Sicht. Hochklassige Produktivität setzt allerdings voraus, dass der Arbeitsprozess sachgerecht gestaltet wird. Folgende Verfahrensparameter sind penibel auf Bodenbelag und Verschmutzungsart abzustimmen:

● Bürstenmaterial und -profil,
● Reinigungsmitteltyp und -dosis,
● Anpressdruck und Flottenzugabe,
● Fahrgeschwindigkeit und -route,
● Verbundarbeiten (Vorsprühen etc.).

Die Optimal-Lösung wird per praktischer Verprobung ermittelt, in die Arbeitsbeschreibungen übernommen und durch standardisierte Instruktionen den Reinigungskräften eingeschärft. Gegebenenfalls wird man das Aufgabenbild des Maschinenführers durch routinemäßige Wartungsarbeiten (Ölservice für Motor und Hydraulik, Batteriepflege etc.) erweitern. Nicht nur, dass diese Lösung Kosten reduziert und die Einsatzflexibilität erhöht: Es entsteht ein ganzheitlicher Arbeitsplatz, der Verantwortungsgefühl und professionelles Leistungsdenken stärkt.


Operatives Controlling

Abgesichert wird ein hoher Effizienzgrad des Scheuersaugens durch das operative Controlling. Das Buchhaltungsprogramm sollte einen maschinenbezogenen Kostennachweis anhand der Positionen Arbeitszeit, Waschflotte, Verschleißzubehör, Energie, Wartung, Abschreibung und kalkulierte Verzinsung führen.

Über diese Daten ergibt sich der Anschluss an das gesamtbetriebliche Budgetierungssystem mit Prognose- und Kontrollrechnung, so dass ständig entscheidungsorientierte Chefinformationen vorliegen und zielsichere Eingriffe in die Reinigungspraxis möglich sind.

Wilhelm Pfeuffer