Kfz-Gewerbe erwartet besseres Werkstattgeschäft und will Service für die Familien ausweiten
Frank Muck
Pleitewelle bleibt aus
Die Abwrackprämie gibt es nicht mehr, die Verkaufszahlen sind unter Normalniveau. Doch die befürchtete Pleitewelle blieb aus. Dass sich das Jahr 2010 letztlich zu einem sogar guten Jahr für das Kfz-Gewerbe entwickelt hat, dazu hat nicht zuletzt das gute Servicegeschäft beigetragen. Diesen Markt will der Zentralverband (ZDK) mit einer neuen Initiative sogar noch ausweiten.
Vor allem bei der Zielgruppe Familien sieht der Verband noch Potenzial. Um die Wartung und Sicherheit für Familienfahrzeuge zu erhöhen, hat der ZDK in Zusammenarbeit mit dem Verband der Automobilindustrie und dem Verein Freier Ersatzteilemarkt die Initiative „FamilienMobil - Sicherheit fährt mit“ ins Leben gerufen. Seit dem 11. Oktober läuft ein Pilotprojekt mit den Innungen Bielefeld und Wuppertal.
Gerade Familienfahrzeuge würden zu selten gewartet, obwohl bei der Zielgruppe ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis bestehe. Die Aktion umfasst unter anderem einen kostenlosen Familiencheck. „Der regelmäßige Familiencheck ist mit einem kurzen Werkstattbesuch verbunden, der zeit- und kostenaufwändigen Reparaturen vorbeugt“, sagt Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk. Die Kunden bekommen Familienkalender mit einer eigenen Spalte für die „Auto-Termine“ sowie Erinnerungen an die Reifenwechsel, monatliche Sicherheitstipps und Hinweise auf wichtige Inspektionen. Auf der begleitenden Internetseite familienmobil.info finden sich Tipps und Sicherheitsinformationen. Nach Beendigung des Pilotprojekts zum Jahresende soll im kommenden Frühjahr über Art und Weise einer bundesweiten Umsetzung des Projekts entschieden werden.
Betriebe verbessern Rendite
Trotz der Wartungsmüdigkeit der Familien bleibt nach Auskunft des ZDK das Werkstattgeschäft aber unverändert stabil. Die Auslastung werde von den Betrieben „außerordentlich positiv“ beurteilt. Sie liege derzeit bei rund 83 Prozent. Das Servicegeschäft habe letztlich über die Krise nach der Abwrackprämie hinweggeholfen. Eine Konjunkturumfrage des Verbandes verspricht ein Anhalten des guten Werkstattgeschäfts. Demnach erwarten 31,1Prozent der Betriebe im vierten Quartal 2010 eine bessere Auslastung, 60,4 Prozent rechnen mit einem saisonüblichen Servicegeschäft. Auch das Gebrauchtwagengeschäft entwickle sich in den Verkaufszahlen leicht positiv. Vor allem könnten die Betriebe wieder höhere Bruttogewinne erzielen. Selbst die Neuwagenverkäufe seien nicht so stark eingebrochen wie nach dem Ende der Abwrackprämie befürchtet. Das Jahr 2010 werde nicht die befürchtete Pleitewelle von Autohäusern und Werkstätten bringen, sondern sich als Normaljahr mit rund 2,7 Millionen Neuzulassungen einpendeln, was einem vorhergesagten Rückgang von rund zehn Prozent entspricht. „Auf ein Volumen von zirka drei Millionen Neufahrzeugen und etwa sechs Millionen Gebrauchtwagen werden wir uns einstellen müssen“, sagte Robert Rademacher Anfang Oktober in Mannheim. Der Verbandspräsident ist überzeugt, dass das Kfz-Gewerbe damit auskommen werde. Allerdings nur, wenn sich die Hersteller an der tatsächlichen Nachfrage orientierten.
Mit der positiven Umsatzentwicklung verbessert sich nach Verbandsinformationen auch die Rendite. Im vergangenen Jahr habe sich mit der Abwrackprämie die Durchschnittsrendite auf 1,4 Prozent erhöht. In diesem Jahr werde sie sogar noch besser ausfallen.
Rademacher forderte die Betriebe auf, sich in die Betriebsdatenbank des Zentralverbands eintragen zu lassen. Unter www.kfz-meister-finden.de können Autofahrer Werkstätten inzwischen auch mobil mithilfe eines Apps finden. Bis jetzt sind jedoch nach Auskunft des ZDK erst rund 6.000 Betriebe eingetragen. Dieser Service müsse noch viel besser genutzt werden.
www.familienmobil.info
www.kfz-meister-finden.de
www.kfz-gewerbe.de
