Von super zurück auf normal

Nach der Sonderkonjunktur durch die Umweltprämie kommt das Kfz-Gewerbe im Alltag an.

Frank Muck

Von super zurück auf normal

Beim Kfz-Gewerbe ist ein Jahr nach Einführung der Umweltprämie der Alltag eingezogen. Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes zog zur Jahrespressekonferenz Anfang März die Bilanz des Autojahres 2009 mit seiner durch die Abwrackprämie angestoßenen Sonderkonjunktur.

Diese bescherte dem Handel einen ordentlichen Umsatzzuwachs. Demnach wurden 700.000 Autos mehr verkauft als im Jahr 2008. Das entspricht einem Umsatzzuwachs im Neufahrzeuggeschäft von 11,5 Prozent auf 59,6 Milliarden Euro. Selbst das Servicegeschäft wuchs leicht um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Auslastung der Werkstätten hatte sich 2009 trotz aller Befürchtungen um 2,5 Prozent verbessert. Insgesamt stieg der Umsatz des Kraftfahrzeuggewerbes um 3,7 Prozent. Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk erklärt den unerwarteten Anstieg mit Eigeninitiative der Altautobesitzer. Viele der zwei Millionen Besitzer, die ihren Wagen 2009 verschrottet haben, seien nicht Kunden einer Werkstatt gewesen, sondern hätten selbst am Auto geschraubt oder einen Bekannten schrauben lassen. „Und offenbar gab es genug Fahrzeuge mit einem Alter bis neun Jahren, die in die Werkstatt mussten“, mutmaßt Hülsdonk.

Strukturwandel geht weiter

Äußerst positiv sei zudem die Verbesserung der Rendite im Kfz-Gewerbe, die im vergangenen Jahr auf einen Durchschnittswert von über einem Prozent gestiegen sei. Diese Entwicklung gelte es nun zu stabilisieren.

Doch insgesamt müsse sich das Gewerbe jetzt auf absehbare Zeit an ein Leben mit dem „Normalmarkt“ gewöhnen. Denn an den eigentlichen Trends der Branche hätten auch die positiven Entwicklungen nichts geändert. Immer noch sei das Kfz-Gewerbe von einem Strukturwandel betroffen. Konkret bedeutet das: weniger und dafür größere Unternehmen, mehr Betriebsstätten und weniger Mitarbeiter. Die Branche zählte 38.300 Kfz-Meisterbetriebe zum 31. Dezember 2009, davon 18.250 fabrikgebundene und 20.050 freie Werkstätten. Das ergibt 800 Betriebe (zwei Prozent) weniger als im Vorjahr. Auch die Gesamtzahl der Betriebsstätten werde weiter sinken. Die abnehmende Unternehmenszahl führt außerdem zu Entlassungen. 5.900 Mitarbeiter (1,3 Prozent) weniger arbeiteten zum Jahresende in der Branche. Das sind insgesamt 456.000 Mitarbeiter in technischen und kaufmännischen Abteilungen. Auch die Zahl der Ausbzubildenden ging um vier Prozent auf 85.500 zurück. Überbleibsel der Umweltprämie und der durchwachsenen Neuzulassungen der vergangenen Jahre sind die Rabattschlachten. Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbands, kritisierte das Nachlassgebahren der Branche: „Bei zweistelligen Nachlässen werde im Handel nur noch Geld gewechselt. Deshalb muss es zu einer Normalisierung der Rabatte kommen.“ Das könnten auch die Kunden nachvollziehen.

Für das Kfz-Gewerbe weniger nachvollziehbar ist die für 2013 geplante Änderung der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO). Die EU will die Regelungen bis zum 31. Mai 2013 verlängern. Danach allerdings soll der Mehrmarkenvertrieb eingeschränkt werden. Außerdem sollen die Händler sich bei 80 Prozent ihres Gesamtbezugs an Neuwagen auf ihre Marke beschränken. Geändert werden sollen auch die Kündigungsbestimmungen zwischen Herstellern und Handel. Der Artikel 3 der GVO, der Mindestkündigungsfristen und Möglichkeiten der Übertragung eines Vertrages ohne Zustimmung des Herstellers ermöglicht, soll wegfallen. „Aus Gründen der Rechtssicherheit plädieren wir dafür, die Bestimmungen der aktuellen Kfz-GVO hinsichtlich des Mehrmarkenvertriebs und der bestehenden Kündigungsbestimmungen auf europäischer Ebene lanfristig rechtlich verbindlich zu halten“, sagt Rademacher.

Abschließend gab Rademacher noch den Startschuss für den neuen Internetauftritt des Zentralverbands. Neu ist unter anderem ein Suchportal für Autofahrer, in das sich Meisterbetriebe der Kfz-Innungen ab sofort kostenlos eintragen können.