Glücksbringer im Schloss Bellevue

Schornsteinfegermeister Thaddäus Mußner war beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Hahn im Korb und Presseliebling

Angelika Basdorf

Auch für den Bundespräsidenten (r.) und seine Frau Eva Luise hatte Thaddäus Mußner einen Glückkspfennig über. Foto: ddp

Glücksbringer im Schloss Bellevue

Das hätte er sich nicht träumen lassen. Schon die Einladung nach Berlin war aufregend für Thaddäus Mußner aus Freilassing. Selbstverständlich trug er beim Defilee im Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten seinen Schornsteinfeger-Ausgehanzug mit den blankpolierten Knöpfen. „Ich habe gar keinen anderen Anzug“, bekannte er, „in diesem habe ich geheiratet und will eines Tages in ferner Zukunft auch darin begraben werden.“ Dass er zusammen mit 62 anderen ehrenamtlich engagierten Bürgern vom Bundespräsidenten empfangen wurde, empfand er als große Ehre und als einen Höhepunkt seines Lebens: „Nach meiner Hochzeit und der Geburt meines Sohnes Florian vor zwei Jahren.“

Mußner ist Initiator und Organisator der „Aktion Kaminkehrer“, bei der Geld für hilfsbedürftige Familien gesammelt wird. Die Aktion erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von einem Jahr, abschließender Höhepunkt ist immer eine Feier mit einem Umzug von bis zu 400 Kaminkehrern. Dass er jemand ist, der anderen Menschen gerne eine Freude macht, erlebten auch die insgesamt über 200 Gäste des Neujahrsempfangs. Der 48-Jährige erwies sich als gut vorbereitet. Nach dem Defilee hatte er für jeden einen Glückspfennig in der Tasche, der ihn nach altem Neujahrsbrauch am Anzugärmel zupfen wollte. Besonders die Damen schienen sich davon Glück fürs neue Jahr zu versprechen, vor allem die Politikerinnen Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso wie Landwirtschaftministerin Ilse Aigner, Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger und die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast. Bereitwillig ließ sich der „Ruaß“, wie Mußner sich selbst nennt, mit allen fotografieren. Sein bajuwarischer Charme kam auch bei den Medien gut an: Fast alle Zeitungen berichteten über den Neujahrsempfang des Bundespräsidenten mit einem Foto von Thaddäus Mußner.

„Ich hab Rotz und Wasser geheult“

Der Bezirkskaminkehrermeister ist Schornsteinfeger mit Leib und Seele. In keinem anderen Beruf komme man mit den Menschen so leicht in Kontakt, schwärmt er. Zu Beginn seiner Lehrzeit sah er das noch nicht so, zumal es in diesem Beruf keine Familientradition gab: „Mein Vater war Maurer. Er kannte einen Kaminkehrer und hat mit ihm ausgemacht, dass der mich als Lehrling einstellt. Am ersten Abend hab ich Rotz und Wasser geheult - der Schmutz, Angst vor Lungenkrebs - ich fand es schrecklich! Aber nach nur einer Woche war ich so begeistert, dass ich nichts anderes mehr machen wollte.“ 1983 legte Mußner die Meisterprüfung ab. Seit 1990 hat er seinen Kehrbezirk, den er heute mit einem Gesellen und einem Lehrling versorgt. Sein soziales Engagement stellt er im Gespräch gerne unter den Scheffel. „Ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich hier bin“, sagte er beim Mittagessen im Schloss Bellevue, zu dem der Bundespräsident und seine Frau im Anschluss an den Empfang die 63 Bürger eingeladen hatten. Aber über seine Kaminkehreraktion könne er fast ein Buch schreiben, bekennt der Initiator. Der schönste Dank sei von der Mutter eines behinderten Kindes gekommen: „Du hast uns ein Stück Glück gebracht!“ Diesen Aspekt hob auch der Bundespräsident in einer kurzen Ansprache an die ehrenamtlich engagierten Bürger hervor. Viele von ihnen arbeiteten unentgeltlich, weil man das, was sie dafür zurückbekommen, ohnehin nicht kaufen könne: Dankbarkeit und Liebe. „Ohne Menschen wie Sie“, sagte Köhler, „kann ein Gemeinwesen nicht funktionieren.“

Zu diesen Menschen darf sich auch Carola Greiner-Bezdeka zählen. Sie hatte der Bundespräsident ebenfalls zum Neujahrsempfang eingeladen. Die Elektroinstallateurmeisterin aus Weichering setzt sich seit 2004 als Vorstandsmitglied der Handwerkskammer für München und Oberbayern dafür ein, dass Mädchen mehr von den vielfältigen Berufs- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk erfahren und ermutigt sie, gewerblich-technische Berufe zu ergreifen.