Das zarte Geschlecht holt auf: In Baden-Württemberg entscheiden sich immer mehr Frauen für eine Karriere im Handwerk. Wie der baden-württembergische Handwerkstag meldet, hat sich der Anteil weiblicher Meisterinnen in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.
Frauen erobern Männerdomänen im Handwerk
Der Anteil der weiblichen Auszubildenden bewegt sich mit 25,8 Prozent auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Auch bei der Weiterbildung sind die Handwerkerinnen spitze: Sie stellen jeden vierten Handwerksmeister in Baden-Württemberg.
Frauen stark in der Ausbildung
Weibliche Azubis dominieren mit 89 Prozent weiterhin ihre traditionelle Hochburg Friseurhandwerk. Zu den zehn Frauenstärksten Ausbildungsberufen zählen unter anderem:
- Das Maßschneiderhandwerk mit einem Frauenanteil von 91 Prozent
- Augenoptikerhandwerk mit 78 Prozent
- Fotografiehandwerk mit 66 Prozent
- Hörgeräteakustikerhandwerk mit 61 Prozent
- Zahntechnikerhandwerk mit 62 Prozent
- Raumausstatterhandwerk mit 46 Prozent
- Maler- und Lackiererhandwerk mit 13 Prozent
- Tischlerhandwerk mit zehn Prozent
Sogar in der bisher klassischen Männerdomäne Bauhandwerk steigt der Frauenanteil. Aktuell besetzen die Damen dort 493 von 9.700 Lehrstellen.
Immer mehr Meister sind weiblich
Frauen zeigen überdurchschnittliches Interesse an der Meisterprüfung und schaffen sich mit der Spitzenqualifikation die Basis für eine Selbstständigkeit im Handwerk. Bei jeder vierten bestandenen Meisterprüfung erhielt eine Frau den Meisterbrief.
Frauenpower im Handwerk entwickelt sich auch bei den Meistern zunehmend in den typischen Männerberufen. Im Baugewerbe leitet immer öfter eine Chefin den Betrieb. Der Frauenanteil an den Meisterprüfungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf nahezu 25 Prozent verdoppelt. 2008 stellten sich 825 Frauen erfolgreich den Prüfern.
Den Löwenanteil der weiblichen Meister stellen erneut die Friseurinnen. Während im Zuge der Handwerksnovelle die Zahl der Meisterprüflinge insgesamt deutlich nachließ, lag die Zahl neuer Friseurmeisterinnen über Jahre hinweg zwischen 400 und 600 und beträgt seit 2006 konstant sogar über 600.
Interesse für das Handwerk stärken
Qualifizierten Bewerberinnen stehen im Handwerk die Türen offen. Derzeit entscheidet sich über die Hälfte der weiblichen Auszubildenden in der Wirtschaft nur für zehn von fast 400 Ausbildungsberufen. Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle forderte deshalb einen Bewusstseinswandel: "Interesse von Mädchen für das gewerbliche, naturwissenschaftliche und technische Handwerk sollte schon im Rahmen der Schulausbildung geweckt werden oder besser noch im Kindergarten."
