Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke lud zum E-Frühling. Rund 100 Repräsentanten kamen zum Branchentreff und stellten fest: Die gemeinsamen Interessen müssen noch stärker gebündelt werden.
Morgenluft für die E-Branche
Es wurde vereinbart, dass sich Vertreter aller drei Gruppen in einem Ad-hoc-Arbeitskreis über die zukünftige Messepolitik der Branche intensiv austauschen. Ebenso reagierten Hersteller und Großhändler einlenkend auf die Forderung aus dem Handwerk, die Seriennummerierung über das EAN-Verfahren weiter zu vereinheitlichen und damit zu vereinfachen.
An die eigene Nase fassen
Fachlicher Höhepunkt war der Impulsvortrag von Joachim Schneider, stv. Vorstandsvorsitzender ABB AG. "Es wird Dinge geben, von denen wir heute noch gar nichts wissen": Schneider ging in seinem Vortrag zum Thema "Smart Metering und Energiespeicherung – Zukunftstechnologie für neue Märkte" davon aus, dass in der Energieversorgung schon in nächster Zeit "sehr interessante Entwicklungen" ins Haus stehen. "Das Elektrotechnikerhandwerk ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor und Gewinner. Das geht aber nur, wenn sich die Betriebe darauf vorbereiten", empfahl Schneider.
Er ist überzeugt, dass sich "Smart Grid und Gebäudeautomatisierung optimal ergänzen". Am Ende der Kette der intelligenten Stromerzeugung steht das intelligente Gebäude, denn "je höher der Automatisierungsgrad, desto geringer der Energieaufwand."
Die Gebäudesystemtechnik steuert das Lastmanagement und macht flexible Tarife möglich. Zudem visualisiert sie den Energieverbrauch und managt die Energiespeicherung zum Beispiel für solarstromgestützte Notstromversorgung, für Kühl- und Wärmegeräte, für Wärmeenergie in Wasserspeichern, Elektrowärmespeicherung oder auch Elektro-Fahrzeuge. "Das Speichermanagement macht für Endkunden die wirtschaftliche Stromnutzung über flexible Tarife erst möglich", argumentierte Schneider.
Um die Umsetzung am Markt zu beschleunigen, sei das Elektrotechnikerhandwerk der entscheidende Marktteilnehmer. Stromerzeuger und Verteilernetzbetreiber seien auf seine Beratungs- und Installationskompetenz beim Endkunden angewiesen, setzte Schneider auf die Partner. "Nur wenn viele Marktteilnehmer dabei sind, wird das alles gelingen!"
An den Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an. Fazit: Die handwerklichen Betriebe sollten die Chancen nutzen, die sie durch ihre Kundennähe haben. Es gilt, sich frühzeitig fit für die neuen Techniken zu machen. "Der Stärkere macht das Geschäft. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen", brachte es Hans-Josef Berkenkopf, Obermeister der Innung Brilon, aus dem Publikum auf den Punkt.
Aktivitäten bündeln
Um den "Markenvertrieb der Zukunft", über „"orteile, Nachteile, Kosten und Nutzen bestehender und neuer Vertriebswege" und die "Kundenbeziehung im dreistufigen Vertrieb" sowie um die Zukunft der "Regional- und Hausmessen" drehten sich die Gespräche in den vier über den Tag verteilten Diskussionsrunden.
Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass die Qualität der Produkte und Leistungen für den Kunden deutlicher erkennbar sein müssen. Nur so könne das Vertrauen in die Marken der E‑Branche wachsen. „"eder muss sich auf seine Position und auf seine Aufgaben konzentrieren", sagte Walter Mennekes von Mennekes Elektrotechnik.
Mit Blick auf das E-Marken-Konzept der Elektrohandwerke wurde gefordert, die Markenaktivitäten der jeweiligen Partner stärker zu bündeln und aufeinander abzustimmen. Dem E-Marken-Konzept haben sich inzwischen rund 3.700 Unternehmen, Landesinnungsverbände und Innungen sowie rund 40 Partner aus Industrie, Großhandel und weiteren Branchenorganisationen angeschlossen.
Handwerk fordert verbessertes Datenmanagement bei Preisen
Offen sprachen die Marktpartner über die praktizierte Preispolitik und den Wettbewerb durch das Internet. In diesem Zusammenhang forderte Bruno Kirsch vom Landesinnungsverband Bayern von der Industrie ein verbessertes Management der elektronischen Produktdaten-Verwaltung durch EAN-Nummern. "Viele Daten sind nur schwer zu bekommen und sind wirr", so Kirsch. Industrie und Großhandel sagten zu, mehr Transparenz zu schaffen. dhz