Augenoptiker verzeichnen ein nur geringes Umsatzwachstum, stellen aber trotzdem mehr Mitarbeiter ein

Vorsprung durch Beratung
Das Augenoptikerhandwerk konnte im vergangenen Jahr mehr Umsatz erzielen. Allerdings ist die Umsatzsteigerung mit 2,8 Prozent eher niedrig. Grund für das geringe Wachstum sei die Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte, sagte Thomas Nosch, Präsident des Zentralverbandes der Augenoptiker (ZVA), anlässlich der Jahrespressekonferenz in Düsseldorf.
Die Umsätze liegen mit 3,76 Milliarden Euro immer noch unter dem Branchenumsatz vor der Streichung fast aller Zuschüsse der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Zuschüsse waren zum 1. Januar 2004 mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz drastisch zusammengestrichen worden. Folglich liege der Anteil der GKV-Zuschüsse am Umsatz derzeit nur noch bei 1,5 Prozent. Nosch sieht in dem niedrigen Anteil jedoch den Vorteil einer wachsenden Unabhängigkeit von Krankenkassen und deren Bürokratie.
Der Beruf bleibt attraktiv
Den größten Umsatzanteil erreicht die handwerkliche Brillenoptik mit 3,047 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Marktanteil von 8,5 Prozent am Gesamtumsatz stieg der Bereich der Kontaktlinsenoptik inklusive der Pflegemittel um 1,5 Prozent von 312 auf 317 Millionen Euro. Die weiteren Marktsegmente verteilen sich mit 7,4 Prozent und 277 Millionen Euro auf den Erlös von Handelsware (wie etwa Sonnenbrillen oder Ferngläser) und den in Augenoptikergeschäften verkauften Hörgeräten. Letztere machen einen Marktanteil von 3,1 Prozent aus und nahmen in Höhe von 117 Millionen Euro minimal (Vorjahr: 115 Millionen Euro) zu.
Der stabilen konjunkturellen Lage entsprechend ist die Zahl arbeitsloser Augenoptiker weiter gesunken. Die Arbeitslosenquote beträgt nach Angaben des ZVA 2,6 Prozent und ist damit um einen Prozentpunkt niedriger als 2006. Die Zahl der Beschäftigten ist mit 44.100 um 600 gegenüber dem Vorjahr gestiegen – zum ersten Mal seit vier Jahren. Auch die Zahl der Auszubildenden hat zugenommen, um knapp zehn Prozent von 5.262 auf 5.791. Die Anstrengungen der Branche bei der Nachwuchswerbung hätten sich ausgezahlt. Thomas Nosch: „Die Augenoptik ist und bleibt zudem besonders für junge Frauen ein sehr attraktiver Beruf, denn 75 Prozent der Auszubildenden sind weiblich.“
Die Zahl der Hauptbetriebe ist dagegen gesunken, von 8.654 auf 8.560. Die zehn größten Filialisten verzeichnen einen Betriebszuwachs um 147. Die mittelständischen Augenoptikerbetriebe hätten, so Nosch, durch die Filialisten eine sehr ernst zu nehmende Konkurrenz. Mit deren Marketing und Preispolitik könnten diese Betriebe nicht mithalten. Doch die Einstellung der Verbraucher habe sich gewandelt. Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ sei auf dem Rückmarsch. Die Qualität von Beratung und Dienstleistung werde von den Kunden wieder gewürdigt. Und diese fänden sie beim mittelständischen Augenoptiker-Betrieb. Doch der Mittelstand müsse weiterhin Nischen besetzen, um sich gegenüber den Filialisten abzugrenzen und zu behaupten. Ein Weg sei die Zertifizierung durch den Verband zum Spezialisten, etwa in den Bereichen Kontaktlinsen, Sportoptik oder vergrößernde Sehhilfen.fm