Verantwortung zählt

Textilreinigung: Soziale Standards gehen nicht nur Konzerne an

Auch mittelständische Wäschereien müssen sich zunehmend mit Unternehmensleitlinien beschäftigen.Foto: ve

Verantwortung zählt

In den 90er Jahren rückte der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR), zu Deutsch die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, erstmals verstärkt ins öffentliche Interesse. Nachdem Sportartikelherstellern wie etwa Nike vorgeworfen wurde, ihre Artikel in Dritte-Welt-Ländern von Kindern fertigen zu lassen, reagierten die Unternehmen. Sie forderten von ihren Lieferanten eine sozialverträgliche Produktion und hielten das Versprechen in ihren Unternehmensleitlinien (Codes of Conduct) fest. Heute haben die meisten Konzerne diesen Gedanken aufgegriffen und Leitlinien erarbeitet, in denen sie sich zur verantwortungsvollen Unternehmensführung verpflichten. Doch nicht nur die Großen sind in der Pflicht: Auch der Mittelstand muss sich in Zukunft verstärkt mit dem Gedanken der sozialverträglichen Unternehmensführung auseinandersetzen.

Kunden prüfen Lieferanten

Der Industrieverband Textilservice (intex) in Eschborn, beschäftigt sich derzeit intensiv mit dem Thema. 16 Textildienstleister, die insgesamt 188 Wäschereien betreiben, sind im Wirtschafts- und Arbeitgeberverband intex organisiert. Umsatzstärkstes Segment für die Dienstleister ist die Berufsbekleidung. Dabei verstehen sich die modernen Wäschereien heute als Rundumanbieter. Dazu gehört ein umfassendes Angebot von anforderungsgerechter Bekleidung über die Vermietung bis hin zur Aufbereitung. Ein großer Teil der Aufträge kommt auch aus dem Segment Gesundheits- und Sozialwesen sowie aus der Hotellerie und Gastronomie. „Viele Kunden unserer Mitgliedsunternehmen, ob Grußunternehmen, Hotelketten oder Kliniken, haben Unternehmensleitlinien verfasst und überprüfen auch ihre Lieferanten und Dienstleister nach den festgelegten Kriterien“, erklärt intex-Pressesprecher Andreas Schumacher.

Der Verband trägt der Situation Rechnung und setzt auf Aufklärung: Im Rahmen des Frühjahrs-Unternehmertreffens des Verbandes, am 23. und 24. April in Berlin, beschäftigte sich eine Vortragsreihe mit CSR. Referent Caspar von Hauenschild, Unternehmensberater und Mitglied des Vorstands von Transparency International Deutschland e.V., war 30 Jahre lang im Bankensektor tätig. Er habe selbst erlebt, wie Korruption Menschen, Unternehmen und Demokratien vernichtet. Ein großes Problem, das er in seinem Vortrag ansprach, ist immer noch die mangelnde Vollstreckbarkeit. Es gäbe gar nicht genügend Staatsanwälte, um alle Vergehen zu ahnden. Die Schwierigkeit in Deutschland sei außerdem, dass das Unternehmen, im Gegensatz zur Vorgehensweise in den USA, nicht verantwortlich gemacht wird, wenn Unternehmensleitlinien nicht eingehalten werden „Zudem werden Moral und Ethik nicht als Erfolgsfaktor betrachtet“, erklärte der Berater. Das wird sich in Zukunft allerdings ändern. „Nicht nur die Konzerne müssen sich in Zukunft mit ihren Unternehmensleitlinien beschäftigen“, bestätigt auch Hauenschild.

Als Verband hat intex reagiert und sich mit den eigenen Leitlinien auseinandergesetzt. Auf dem Unternehmertreffen formulierte intex-Geschäftsführer Klaus Jahn das Leitbild des Verbandes: „intex ist Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband, der Verband vertritt und fördert die gemeinsamen wirtschaftlichen, sozial- und tarifpolitischen sowie ideellen Interessen seiner Mitglieder.“ Einbezogen in das Leitbild sind auch die Grundsätze der CSR nach den zehn Prinzipien des Global Compact – einer internationalen Intitiative, deren Ziel es ist, das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen zu fördern. Die Prinzipien beinhalten den Umgang mit Menschenrechten, Arbeitsnormen und Korruption.

Mit der Formulierung des Leitbildes sei der erste Schritt unternommen worden, so Klaus Jahn. In den nächsten Monaten werde der Verband weiter an den Unternehmensleitlinien arbeiten. Sobald diese formuliert sind, sollen die Mitglieder eine Urkunde, den „intex-Qualitätsausweis“, erhalten. Dieser soll auch den Kunden kommunizieren, dass deren Anforderungen sowohl in Bezug auf Qualität als auch auf die Nachhaltigkeit eingehalten werden.