Fleischermeister Georg Thomann will Bio-Vertrieb ausbauen
Pionier mit Ambitionen
Georg Thomann hat die Nachfrage früh erkannt. Der Fleischermeister aus Heßdorf bei Erlangen bietet bereits seit 1989 ein Bio-Sortiment nach Zertifizierung des Bio-Verbandes „demeter“. Sein Einstieg fiel in eine Zeit, in der Bio noch ein Nischendasein fristete, und war letztlich der Anregung einer einzelnen Kundin geschuldet. Die Heilpraktikerin war für den „demeter“-Verband tätig und suchte nach entsprechend erzeugtem und verarbeitetem Fleisch. Drei bis fünf Artikel umfasste das Angebot zu jener Zeit. Alles zugelieferte Ware. Inzwischen nimmt der Bioanteil 10 bis 15 Prozent des gesamten Sortiments ein und wird gänzlich selbst hergestellt. Thomann: „Damals hätten wir nicht gedacht, dass sich die Nachfrage so gut entwickelt.“
Neben der alles entscheidenden Nachfragesituation sieht der Deutsche Fleischer-Verband die strategische Unternehmensausrichtung als Schlüssel für einen Einstieg in den Bio-Markt. „Man muss sich die Frage stellen: Was bringt mir Bio?“, sagt Pressesprecher Gero Jentzsch. Wie schätzt der Unternehmer die Geschäftslage ein und wie sieht die Kundenstruktur aus. Die ist bei Georg Thomann relativ konstant. Zwar ließen Fleischskandale die Verkaufszahlen zeitweise immer wieder hochschnellen, doch insgesamt sind die Schwankungen gering. Hauptsächlich Stammkunden kaufen im Hauptgeschäft in Heßdorf und in den vier Verkaufsstellen in Erlangen, wobei Georg Thomann betont, dass man auf die natürlich nicht verzichten könnte. Oft sind es gerade die Besserverdienenden, Gesundheitsbewussten, die das Angebot an Bio-Fleisch und -Wurst zu schätzen wissen.
Noch ist der Anteil an Bio-Fleischern mit unter zwei Prozent eher gering. Eine Ursache sieht Jentzsch in der Wertschöpfungskette. Bezug und Verarbeitung, mit der Garantie, dass alles bio sein muss, seien halt sehr aufwendig. Dafür seien die Abnahmemengen meist zu gering. Hinzu komme der regionale Einkauf der Rohware. Der Fleischmarkt für Bio-Schweinefleisch hat sich zwar nach Auskunft der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle wieder eingependelt, doch die steigende Nachfrage könne mittelfristrig wieder zu Verknappungen führen. Einen Umstellungsdruck verspüren Fleischer ohnehin nicht. Schließlich genießt die handwerkliche Fleischerzeugung sowieso einen guten Ruf im Vergleich zur Supermarkt- oder Discounterware.
Thomann allerdings hält den Markt für noch nicht ausgeschöpft. Der 43-Jährige möchte den in dritter Generation geführten Betrieb, der mit 40 Mitarbeitern jährlich drei Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, weiter für den Bio-Markt öffnen. Durch Investitionen in Vertrieb und Marketing lasse sich die Nachfrage ausbauen, ist Thomann überzeugt. Der Fleischer strebt den Wiederverkauf über Reformhäuser und Bio-Läden sowie einen Vertrieb über das Internet an.fm