Vor kurzem hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Pasquale Ruoff lernt Glaser und Celina Brust will Kosmetikerin werden. Sie berichten über erste Arbeitstage und den Weg ins Handwerk.
Ramona Fritz

Der 18-Jährige Pasquale Ruoff hat eine Ausbildung als Glaser bei Thomas Bauer begonnen. “Mein Vater hat mir dazu geraten“, erzählt er. Pasquale holte seinen Hauptschulabschluss an der Peter-Bruckmann-Schule nach. Dabei sind die Schüler über ein Langzeitpraktikum immer einen Tag pro Woche in einem Betrieb. “Ich bin dann einfach hier reinmarschiert und habe gefragt“, erinnert er sich.
Leichter Einstieg dank Praktikum
“Wir sind gut mit diversen Schulen vernetzt“, erklärt Martina Bauer. So kommen immer wieder Jugendliche für ein Praktikum in den Betrieb. “Es ist wichtig, dass die jungen Menschen in den Beruf reinschnuppern“, findet ihr Ehemann und Glasermeister Thomas Bauer. Auch für Pasquale Ruoff war der Einstieg in den Beruf so leichter. Schließlich kannte er die Kollegen bereits. “Ich war trotzdem sehr aufgeregt am ersten Tag“, erinnert er sich. Am meisten Spaß macht ihm die Arbeit mit den Kollegen auf der Baustelle.

“Da lerne ich viel und wir verstehen uns gut“, betont er. “Wer bei uns arbeitet, muss ins Team passen“, unterstreicht auch Martina Bauer. Zehn langjährige Mitarbeiter und drei Meister arbeiten in dem Familienbetrieb, den Thomas Bauer bereits in vierter Generation führt. Von Pasquale waren sie schon im Praktikum schnell überzeugt. “Seine Stärken liegen im Handwerklichen. Unsere Meister haben gesagt, den kann ich ihnen immer wieder mitschicken“, lacht Martina Bauer. Die erste “richtige“ Arbeitswoche war für den jungen Heilbronner trotzdem anstrengend – “Wegen der Hitze“. Fenster ein- und ausbauen, Rollläden reparieren oder neu montieren: “Abends war ich richtig müde“, sagt Pasquale.
Zeit nehmen
“Wir nehmen uns Zeit für unsere Azubis“, betont Thomas Bauer. Schon als Praktikant war auch Pasquale beim Betriebsausflug und der Weihnachtsfeier dabei. Vor allem seine Frau fühlt sich für das Motivieren und Führen der Azubis verantwortlich. “Wenn irgendetwas unklar ist, kommt gleich und fragt“, schärft sie dem Nachwuchs von Beginn an ein. Pasquale Ruoff ist im Betrieb inzwischen angekommen und integriert. “Als Praktikant konnten die Kollegen meine Grenzen nicht so gut einschätzen. Jetzt trauen sie mir mehr zu“, findet er.
Doppelt hält besser
In Künzelsau ist Celina Brust in ihre Ausbildung zur Kosmetikerin gestartet. “Das war schon immer mein Wunschberuf“, erklärt die 19-Jährige. Die Berufsberaterin an der Hauptschule riet ihr aber zunächst zu einer Ausbildung als Friseurin – ein Rat, den die damals 16-Jährige befolgte und nicht bereut hat. “Ich war sehr schüchtern und habe mich im ersten Jahr kaum getraut, mit Kunden zu sprechen.“ Da man aber als Lehrling im Friseursalon ohnehin nicht sofort auf die Kunden losgelassen wird, konnte sie diese Fähigkeit nach und nach entwickeln. Heute ist bei der jungen Frau von Schüchternheit nichts mehr zu spüren.
Für Kosmetikerin Silke Schwing ist Celina damit der perfekte Azubi. “Friseure oder auch medizinische Fachangestellte können mit Kunden umgehen und haben wenig Berührungsängste“, erklärt sie. Denn bei ihr geht es nicht nur um dekorative Kosmetik, sondern um “medical beauty“ für Menschen mit Hautproblemen.
Falsche Vorstellungen
“Das ist nicht immer schön anzusehen“, so Schwing. Mehr als einmal haben Azubis ihre Ausbildung bei ihr abgebrochen, weil sie falsche Erwartungen hatten. “Man braucht als Ausbilder sehr viel Geduld und muss sich bewusst sein, dass ein Azubi zunächst keine Arbeitskraft ist“, betont sie. “Aber je gewissenhafter die Einarbeitung, desto schneller profitiert auch der Betrieb.“ In ihrem Salon gibt es ein schriftliches Regelwerk, das die Lehrlinge vor Ausbildungsbeginn bekommen und unterschreiben. “Da geht es beispielsweise um das richtige Auftreten, Arbeitskleidung oder das Miteinander im Salon“, erklärt Schwing.
Durch ihre Ausbildung als Friseurin sind bei Celina Brust aber schon viele Fähigkeiten vorhanden. “Ich durfte gleich mitarbeiten und die Kolleginnen haben Freunde und Familie als Modelle zum Üben angerufen“, sagt sie über ihre ersten Wochen im Traumberuf. “Es fehlt nur noch der Feinschliff“, meint auch ihre Chefin.