Duale Ausbildung Ohne Firmen geht nichts

Viele Europäer beneiden die Deutschen um ihr betriebsnahes Berufsbildungssystem. Ohne Unternehmen geht nichts in der Schulung von Lehrlingen. Das zeigte jetzt eine Konferenz in Brüssel.

Hajo Friedrich

Die Italienerin Silvia Buzzacarin sieht ihre Ausbildung zur Malerin und Lackiererin beim Malerfachbetrieb Ullrich in Freiburg als zweite Chance. - © Foto: Kammer

Groß ist das Interesse in der Europäischen Union an der betrieblichen Berufsausbildung. Dies wurde in der EU-Hauptstadt Brüssel auf einer internationalen Konferenz deutlich, die von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main initiiert wurde. Das besondere an den Gesprächsrunden und dem Erfahrungsaustausch war die Teilnahme von Regierungs- und Wirtschaftsvertretern aus den hessischen Partnerregionen Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes (Frankreich), Emilia-Romagna (Italien) und Wielkopolska (Polen).

Handwerkskammer-Präsident Bernd Ehinger veranschaulichte die Bedeutung der Dualen Bildung als Standort-Faktor: "Wir möchten mit unseren europäischen Partnern noch stärker ins Gespräch kommen und dafür werben, welche Vorteile die Duale Bildung für Wirtschaft und Gesellschaft hat". Aus Sicht des deutschen Handwerks sichert die duale Bildung die Zukunft und Prosperität in Europa und schafft die Basis für die Bekämpfung des Fachkräftemangels.

Betriebsnahe Berufbildung vorbildlich

Die Vertreter der Partnerregionen wiesen auf den Vorbildcharakter hin, den für sie das deutsche betriebsnahe Berufsbildungssystem besitze. Die Bedeutung der Unternehmen in der Ausbildung spiele eine wichtige Rolle in dem neuen Pakt für Arbeit in Italien, sagte Prof. Patrizio Bianchi, der in der Regionalverwaltung der Emilia-Romagna für Europapolitik und Berufliche Bildung zuständig ist. Gleiches gelte für Polen, wo es der Wirtschaft in ihrer Woiwodschaft gut gehe und die Jungendarbeitslosigkeit bei nur rund fünf Prozent liege, sagte Marzenna Wodzinska aus Wielkopolska. Wie wichtig die Regionen bei der Verbesserung der beruflichen Fertigkeiten dank betrieblicher Anbindung sind, zeigte auch der Direktor für duale und berufliche Ausbildung aus der französischen Partnerregion, Emmanuel Closse. "Ohne Unternehmen geht es nicht“, fasste der Moderator der Veranstaltung, der Journalist Peter Riesbeck, die Diskussion zusammen.

Grundsätzlich seien bei der betrieblichen Bildung in der EU "auf allen Ebenen“ noch Verbesserungen erforderlich, sagte Helen Hoffmann, die sich in der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der EU-Kommission mit diesem Thema beschäftigt und auf eine Vielzahl von EU-Aktivitäten zur Förderung der Berufsbildung hinwies. Dazu zählt zum Beispiel "Erasmus Plus“, das erfolgreiche EU-Programm zur Förderung der Mobilität von Auszubildenden. Auch zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sei die Beteiligung von Unternehmen sei entscheidend, sagte die EU-Beamtin.

Erfrischender Erfahrungsbericht

Erfrischend war der Erfahrungsbericht von der deutschen Konditorin Sara Heydweiller, die nach dem Abitur eine Lehre im EU-Ausland absolvierte. "Ausbildung lohnt“ und es sei sinnvoll, auf dem Weg zum Meister Auslandserfahrungen zu machen, sagte Heydweiller. Was sie aus den Auslandserfahrungen mitgenommen hätte? "Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit, Freundschaften und Sprachkenntnisse“, sagte spontan die sympathische Konditorin.

Die Europäische Kommission hat Anfang Juni die Mitteilung "Eine europäische Agenda für Kompetenzen“ vorgelegt. Unter anderem erhält sie Vorschläge wie "Stärkung der beruflichen Bildung“ und "Einführung einer europäischen Ausbildungswoche. "Das ist sehr erfreulich aus meiner Sicht“, sagte Kammerpräsident Ehinger. "Wir müssen uns gemeinschaftlich auf den Weg machen, die duale Bildung in Europa zukunftsfähig zu gestalten." Dies betreffe einerseits die Handwerksorganisationen, die Qualitätsmaßstäbe setzen und die Zukunftsfähigkeit der Lerninhalte innerhalb der beruflichen Bildung garantieren müssen. Auf der anderen Seite aber auch die Politik, die den Rahmen schaffen müsse, um Betrieben den Zugang zur Ausbildung zu erleichtern. "Dabei müssen wir uns sehr genau anschauen, die akademische Ausbildung nicht zu bevorteilen: Wir dürfen nicht am Bedarf vorbei ausbilden“, so Ehinger.

Hessens Kultusstaatssekretär Manuel Lösel betonte den Stellenwert des dualen Bildungssystems in Deutschland: "Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass das System der dualen Ausbildung ein Erfolgsmodell auch im europäischen Kontext ist.“