Die Förderung für das Beraternetzwerk "Berufsbildung ohne Grenzen" soll Ende 2014 eingestellt werden. Doch das Netzwerk ist enorm wichtig, um kleine Handwerksbetriebe bei der Organisation von Auslandsaufenthalten zu unterstützen.
Melanie Höhn

Ende 2014 will das Bundesarbeitsministerium die Förderung des Beraternetzwerks "Berufsbildung ohne Grenzen" einstellen, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mitteilte. In dem Netzwerk stehen seit 2009 rund 40 Mobilitätsberater von Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern Unternehmen, Auszubildenden und jungen Fachkräften bei der Organisation von Auslandsaufenthalten und Praktika zur Seite.
"Wichtige Beratungs- und Unterstützungsstruktur"
Das Bundesarbeitsministerium förderte das Programm mit einer Anschubfinanzierung von 2009 bis 2012 und stellt nach zwei Jahren Verlängerung die Finanzierung nun ein. "Das Programm hat sich erfolgreich entwickelt und wir wollen, dass es weitergeht. Für uns ist das eine wichtige Beratungs- und Unterstützungsstruktur", sagte Christian Sperle, Referatsleiter Abteilung berufliche Bildung des ZDH. "Wir sind gerade im Gespräch mit dem Wirtschafts- und Bildungsministerium. Wir hoffen, dass sich die Ministerien positionieren." Man könne von kleinen Handwerksbetrieben nicht erwarten, dass sie sich alles selbst organisieren. Man brauche dabei Unterstützung, so Sperle.
Seit der Gründung des Netzwerkes "Berufsbildung ohne Grenzen" hat sich die Zahl der Auszubildenden im Ausland verdoppelt. Vier Prozent aller Auszubildenden gehen aktuell zum Praktikum ins Ausland. 2020 sollen es zehn Prozent sein, so will es die Bundesregierung. "Daher sind wir völlig baff, dass die Förderung für das Beratungsnetzwerk 2014 eingestellt werden soll", kritisiert Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Denn: "Ohne die 40 Mobilitätsberaterinnen und -berater wird sich nicht mehr viel bewegen."
Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung
Der ZDH und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatten 2009 die Gründung des Netzwerkes angeregt. Die bei den Kammern angesiedelten Berater nehmen eine Funktion vergleichbar mit Akademischen Auslandsämtern an Hochschulen ein. Sie beraten Betriebe, Ausbilder, Lehrlinge und Gesellen hinsichtlich eines Auslandspraktikums und bereiten die Teilnehmer vor. Im Gegenzug organisieren sie mit internationalen Partnern Praktika junger Ausländer in deutschen Betrieben. "Die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung beweist sich auch bei gleichen Chancen zum Austausch mit dem Ausland", so Schwannecke.
Neue berufsfachliche Kenntnisse, verbesserte Fremdsprachenkenntnisse und mehr interkulturelle Kompetenzen steigern die Chancen der Teilnehmer am Arbeitsmarkt. Die teilnehmenden Betriebe berichten von verbesserten Auslandskontakten, Kenntnissen über neue Märkte und einer gesteigerten Attraktivität als Ausbildungsbetrieb.
Deutsch-französischer Lehrlingsaustausch in Gefahr
Die Handwerkskammer Schwaben beispielsweise konnte durch das Beraternetzwerk von 2010 bis 2013 insgesamt 146 Auslandspraktika vermitteln. "Wie jede Neuerung greift diese Initiative jetzt erst richtig, fruchtet die Arbeit der Mobililtätsberaterinnen und Mobilitätsberater und entwickeln sich deren aufgebaute Kontakte. Der Funke ist auf unsere Handwerksbetriebe übergesprungen und sie erkennen die Chancen eines Auslandspraktikums – zum einen für die Auszubildenden als Weiterentwicklungs- und Fördermaßnahme, zum anderen für sich selbst als Recruiting-Instrument und zum Aufbau internationaler Geschäftsbeziehungen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwaben Ulrich Wagner. "Ohne unsere Mobilitätsberatung bei der Handwerkskammer Schwaben kann beispielsweise auch die Förderkulisse nicht mehr verfolgt werden und ich sehe sogar unseren jahrzehntelangen deutsch-französischen Lehrlingsaustausch in Gefahr. Mein dringender Appell gilt also dem Erhalt der Förderung für das Beratungsnetzwerk", so Wagner.
Auch die Handwerkskammer Dresden hat gute Erfahrungen mit dem Netzwerk gemacht. "Wir sind überzeugt, dass ein Auslandsaufenthalt die Lehrlinge in der persönlichen Entwicklung voranbringt und das Bewusstsein für ihre Ausbildung in Deutschland stärkt. Wir glauben jedoch, dass ein Projekt dieser Art einer zentralen Koordination bedarf. Nur so erreichen wir eine vergleichbare Quote wie bei den Studenten, die ins Ausland gehen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden Andreas Brzezinski. "Unsere Ausbildungsberater haben zudem in den letzten Jahren eine Basis für die Betreuung und Akquise der Betriebe, bzw. Lehrlinge geschaffen, die auch in Zukunft bestehen sollte".