Prominente Unterstützer: Welche Schauspieler und Sportler mitwählen
Die ehemalige Boxweltmeisterin Regina Halmich hat mit Politik in der Regel wenig Berührungspunkte. Am kommenden Samstag wird sie dennoch als Delegierte der Bundesversammlung den nächsten deutschen Bundespräsidenten mitwählen. Halmich wurde von der Stuttgarter CDU-Landtagsfraktion gebeten, die Union in der Abstimmung um das höchste Amt im Staat zu vertreten.
Die 32-Jährige ist nur eine von vielen Prominenten aus allen Teilen der Gesellschaft, die von den Parteien für die Abstimmung über den Amtsinhaber und Kandidaten der Union, Horst Köhler, seine SPD-Herausforderin Gesine Schwan, und den Kandidaten der Linken, Peter Sodann, entsandt werden.
Laut Grundgesetz besteht die Bundesversammlung aus den Bundestagesabgeordneten und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder gewählt werden. Regelmäßig werden neben den Spitzenpolitikern der einzelnen Länder auch Prominente, Sportler oder Künstler gewählt, die ebenso wie die übrigen Mitglieder der Versammlung nicht an Aufträge und Weisungen gebunden sind.
So sitzen im Bundestag am 23. Mai Schauspieler, Sportler, Industrielle und Gewerkschaftsbosse zusammen. Für die CDU sind neben Halmich unter anderem der Sternekoch Harald Wohlfahrt, der ehemalige Biathlet Sven Fischer, Verleger-Witwe Friede Springer und BDI-Präsident Hans-Peter Keitel vertreten.
Auch die alte und neue Garde der Ministerpräsidenten gibt sich ein Stelldichein, so Beispielswiese für die baden-württembergische CDU die beiden ehemaligen Landesväter, Lothar Späth und Erwin Teufel.
Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber wird seinen Sitz in der Bundesversammlung für die CSU wahrnehmen. Ansonsten gehen die Christsozialen diesmal auf Nummer sicher. Einzig die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, geht als prominente Abgesandte aus Bayern nach Berlin. Die Partei will keine Abweichler mehr riskieren, nachdem nach der letzten Bundesversammlung 2004 die von der CSU geschickte Fürstin Gloria von Thurn und Taxis der SPD-Kandidatin Gesine Schwan um den Hals fiel und sagte: "Sie sind eine wunderbare Frau. Ich habe Sie gewählt."
Diesmal gibt es möglicherweise einen Wackelkandidaten auf Seiten der SPD. Handballtrainer-Bundestrainer Heiner Brand hat sich in Interviews sehr zur Freude der Union nicht auf seine Stimme für Schwan festlegen wollen. "Ich habe eigentlich nie gesagt, dass ich Frau Schwan wählen will." Er gehe auch nicht davon aus, "dass man Druck auf mich ausübt, sondern dass man sagt, dass das eine Gewissensentscheidung des jeweiligen Wahlmannes ist".
Zuverlässiger sollte da in jedem Fall Doris Schröder-Köpf sein, die Ehefrau des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD). Sie wird von der bayerischen SPD nach Berlin entsandt. TV-Schwergewicht Ottfried Fischer kommt ebenso für die SPD nach Berlin, wie der Schauspieler Walter Sittler oder der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef Möllenberg.
Die Linke schickt nicht nur den ehemaligen "Tatort"-Kommissar Sodann ins Rennen um das Präsidentenamt, auch als Unterstützer findet sich ein TV-Ermittler der Krimireihe "Polizeiruf 110" in den Reihen der Linken, Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle.
Die Grünen warten mit der Schauspielerin Jasmin Tabatabai und Schriftsteller Feridun Zaimoglu sowie ihrem Ex-Landesminister und heutigen Sportfunktionär Michael Vesper und der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe auf.
Einer, der nominiert war, wird dagegen nicht an der Wahl teilnehmen. Präsident Köhler verzichtete auf einen Platz in der Bundesversammlung und damit auf die Möglichkeit, sich als Staatsoberhaupt selbst wiederzuwählen. Er wurde zwar von der baden-württembergischen CDU-Landtagsfraktion nominiert, sagte aber, er wolle als amtierender Bundespräsident "diese ehrenvolle Aufgabe nicht wahrnehmen".
Kerstin Münstermann/ddp