OECD zeigt in aktuellem Bericht erfreulichen Wandel
Aufwertung des Meisters
Die OECD - Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - hat jetzt ihren diesjährigen Bericht „Bildung auf einen Blick“ vorgelegt. Die Untersuchung dokumentiert auch einen bemerkenswerten Lernprozess der OECD selbst. Denn sie nennt den Meisterbrief in einem Atemzug mit Hochschulabschlüssen und nimmt ihn in die Quoten für ihre Vergleiche auf.
Ansonsten aber fällt der Bericht oft doch wieder in alte Schablonen zurück. Insbesondere dann, wenn gebetsmühlenartig die angeblich zu geringe Studienanfängerquote thematisiert wird. Nach Abgrenzung der OECD lag diese 2009 in Deutschland bei 40 Prozent. Der Durchschnittswert aller OECD-Staaten betrug zu dieser Zeit 59 Prozent. Die höchsten Werte erreichten in Europa Polen und Portugal mit 85 und 84 Prozent. Zu Portugal fällt einem ein, dass auch ein hoher Anteil von Studenten und wohl dann auch Akademikern nicht davor schützt, zu den Krisenstaaten in Europa zu gehören.
Angesichts dessen muss man immer wieder darauf hinweisen, dass die Studienanfängerquote vielleicht der denkbar ungeeignetste Maßstab ist. Warum? Weil mancher Abschluss, der in Deutschland im Rahmen der dualen Berufsausbildung erworben wird, in anderen Staaten an Hochschulen, Fachhochschulen oder Fachschulen stattfindet. Um diese Differenzierung sollte sich die OECD dringend bemühen.
Erfreulich ist immerhin schon, dass Deutschland ein „gut ausgebautes Berufsbildungssystem“ attestiert und der hohe Stellenwert der dualen Ausbildung hervorgehoben wird. Für deren Erfolg spricht nicht zuletzt die deutlich unter dem OECD-Schnitt liegende Jugendarbeitslosigkeit bei uns. Wenn man dies alles in die Bilanz aufnimmt, so sieht es um den Erfolg des deutschen Bildungssystems so schlecht nicht aus. Das heißt aber nicht, dass nicht noch viel zu tun wäre. Eine der zentralen Aufgaben der nächsten Jahre muss es sein, Migrantenkinder voll in Schule und Ausbildung zu integrieren. Gerade wegen des Fachkräftemangels ist dies unerlässlich. Dass daneben der bauliche Zustand mancher Schule die Lernmotivation unserer Kinder nicht gerade fördert, ist nicht hinzunehmen. Hier besteht Handlungsbedarf und daher ist der Hinweis der OECD auf die Bildungsausgaben in Deutschland richtig.
Allerdings sieht man hier auch nur die halbe Wahrheit: Denn was die Wirtschaft in der dualen Ausbildung und der Fort- und Weiterbildung aufbringt, taucht in diesen Zahlen nicht auf.