Ehrlich währt am längsten
Nun hat es also auch den FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis erwischt. Die Universität Bonn entzog ihm den Doktortitel, den er sich mehr oder weniger mühsam im Jahre 2000 erarbeitet hatte. Die Reihe der Politiker, die als Plagiatoren enttarnt wurden, ist damit um einen Namen länger. Es mag ungerecht sein, dass sich die Jäger auf Internetplattformen wie „VroniPlag“ besonders Politiker als Opfer aussuchen. Denn nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit dürften Schummler beim Erwerb der anscheinend so wertvollen zwei Buchstaben vor dem Namen auch in anderen Berufs- und Gesellschaftsgruppen zu Hause sein. Aber wer Politiker wird, muss wissen, dass er besonders unter Beobachtung steht.
Jorgo Chatzimarkakis hat nun noch einen besonderen Akzent gesetzt. Schon fast trotzig kündigte er an, er werde dann eine neue Doktorarbeit verfassen. Ein ehrenwerter Entschluss - aber Herr Chatzimarkakis hätte es einfacher haben können, wenn er beim ersten Mal nicht gemogelt hätte. Aber er ist nicht zu beneiden, wenn er das Vorhaben jetzt durchzieht. Denn die Plagiatsjäger werden ihn sehr genau ins Visier nehmen und seine Texte durch sämtliche Suchmaschinen jagen.
Insgesamt lehrt aber auch die Causa Chatzimarkakis einmal mehr: Ehrlich währt am längsten. Denn es wäre fatal, wenn sich die Auffassung durchsetzen würde, man könne die Täuscherei ja mal probieren. Und wenn man einem auf die Schliche kommt, setzt man eine Unschuldsmiene auf und verspricht, nächstes Mal aber wirklich die Arbeit selbst schreiben zu wollen.los