Gerade beim Thema Digitalisierung verändert sich die Wirtschaft ständig. Deshalb soll es dafür mehr Geld in der beruflichen Bildung geben.
Karin Birk

Angesichts eines immer dynamischeren wirtschaftlichen Umfeldes und eines immer härter werdenden Wettbewerbs um Fachkräfte müssen Handwerk und Politik die berufliche Bildung weiter stärken. "Es geht heute darum, welche Bedeutung die berufliche Bildung für die Arbeitsmärkte der Zukunft und für den Wirtschaftsstandort Deutschland haben", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer beim ZDH-Unternehmerforum "Fachkräfte für das Handwerk". Mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes würden zwar wichtige Strukturentscheidungen vorgenommen. Er vermisse aber immer noch eine angemessene Anerkennung für die Ausbildungsleistung des Handwerks und entsprechende Entlastungen etwa bei Sozialversicherungsbeiträgen.
Bildungsministerium unterstützt Betriebe auch über Jobstarter-Programm
Der Parlamentarische Staatsekretär im Bundesbildungsministerium Thomas Rachel (CDU) zeigte Verständnis für die Forderungen. Entlastungsfragen gingen letztlich aber das Bundessozialministerium und das Bundesfinanzministerium an. Insgesamt gebe es in der beruflichen Bildung nicht nur einen "breite Palette an Herausforderungen", es gebe auch einen breiten Strauß an Aktivitäten, mit denen die Berufsbildung gestärkt werde. Dazu gehöre neben der Novelle des Berufsbildungsgesetzes mit der Mindestausbildungsvergütung und neuen ergänzenden Berufsbezeichnungen auch die Unterstützung kleinerer Betriebe bei ihrer Ausbildungsleistung über das Jobstarter-Programm sowie Maßnahmen zur besseren Verzahnung von Ausbildung und Digitalisierung.
Mehr Geld für die Digitalisierung in überbetriebliche Bildungsstätten
Das Bundesbildungsministerium werde beispielsweise die überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) über das Programm ÜBS-Digitalisierung für vier weitere Jahre mit insgesamt 120 Millionen Euro unterstützen. Damit sollten die Modernität und die Innovationskraft der Ausbildungskurse in den ÜBS weiter gestärkt werden. Außerdem solle über die Qualifizierungsinitiative Digitaler Wandel "4.0" das Personal in der beruflichen Bildung für Veränderungen fit gemacht werden.
Große Herausforderung für das Handwerk: Plattform-Ökonomie
Nach Ansicht von Hans-Peter Klös, Mitglied der Geschäftsführung beim Institut der Deutschen Wirtschaft, ist Deutschland beim Thema Digitalisierung deutlich zu langsam. Deutschland sei zwar sehr gut in der Beherrschung industrieller und handwerklicher Komplexität, die Plattform-Ökonomie sei aber nicht gerade die Spezialität des deutschen Geschäftsmodells, warnte er. Gerade sie werde aber die deutsche Wirtschaft – inklusive Handwerk – herausfordern. Auch ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sieht die "unglaubliche Dynamik in der Digitalisierung" als Herausforderung für die berufliche Bildung. Oft hängten Ausbildungs- und Prüfungsordnungen weiter hinterher. Hier müssten alle Betroffenen wesentlich schneller werden, forderte er.