Pro und Contra Fahrverbot für Diesel-Autos?

Stuttgart macht es vor, weitere Städte könnten nachziehen: Insbesondere älteren Diesel-Autos droht in deutschen Städten ein Fahrverbot. Prof. Hubert Weiger vom BUND und Matthias Wissmann vom VDA schildern Pro und Contra des Fahrverbots für Dieselfahrzeuge.

Experten diskutieren das Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. - © Ingo Bartussek/Fotolia.com

Stuttgart möchte ab Januar 2018 ein Fahrverbot für ältere Diesel-Autos einführen. An Tagen mit Feinstaubalarm müssten die Fahrzeuge stehen bleiben. Auch weitere deutsche Städte planen zeitweilige Verbote bei hoher Schadstoffbelastung. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat je einen Experten aus dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie vom Verband der Automobilindustrie (VDA) dazu eingeladen, ihre Sichtweise zum Thema "Fahrverbot für Diesel-Autos" darzulegen.

"Unter Luftbelastungen leiden alle."

Pro Fahrverbot für Diesel-Autos von Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) - © BUND

Verantwortlich für dieses „letzte Mittel“ sind nicht jene, die Fahrverbote fordern, sondern jene, die wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt dafür politisch Verantwortung tragen und Fahrzeughersteller, deren Lobbypolitik sich regelmäßig gegen strengere Vorgaben zu Klimaschutz und Luftreinhaltung richtet.

Allerdings haben nicht nur ältere Fahrzeuge zu hohe Schadstoffemissionen. Neben zahlreichen Euro-5-Dieseln halten auch die meisten jetzt bei den Händlern stehenden neuen Euro-6-Diesel-Pkw und leichten Nutzfahrzeuge die gesetzlichen Stickstoffoxid-Grenzwerte real nicht ein. Dies zeigen Messungen des Verkehrsministeriums und des ADAC. Es geht deshalb nicht nur um Fahrverbote. Minister Dobrindt muss ein Verkaufsverbot für neue Diesel-­Autos verhängen, wenn sie Grenzwerte verletzen."

"Der Diesel ist notwendig für den Klimaschutz."  

Contra Fahrverbot für Diesel-Autos von Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA):

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). - © VDA

Bürger erwarten von der Politik zu Recht verlässliche Rahmenbedingungen. Deshalb muss alles getan werden, um die Verunsicherung auszuräumen. Der Diesel ist notwendig für den Klimaschutz, er verbraucht bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoff als ein vergleichbarer Benziner und er emittiert bis zu 15 Prozent weniger CO2. Die Luftqualität in deutschen Städten ist heute viel besser als vor zehn Jahren. Mit der Marktdurchdringung moderner Euro-6-Pkw gehen die Emissionen weiter nach unten, ganz ohne Fahrverbote.

Besser als Verbote sind Maßnahmen zur Luftqualität, die rasch und günstig umgesetzt werden können: Verflüssigung des Verkehrs, grüne Welle, Erneuerung des Bestands bei Taxis und Bussen. Sie wirken auf den gesamten Bestand. Diese Instrumente müssen jetzt angepackt werden." dhz