Wahl des ZDH-Präsidenten Wollseifer will es noch einmal wissen

Der bodenständige ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer stellt sich zur Wiederwahl. Er ist ein erfolgreicher Kämpfer für den Meisterbrief.

Steffen Range

Hans Peter Wollseifer ist Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). - © ZDH

Am besten ist Hans Peter Wollseifer, wenn er sein Manuskript zur Seite legt. In freier Rede spricht der Maler- und Lackierermeister seinen Kollegen aus der Seele. Er schildert, warum das Handwerk so wichtig für ein intaktes Dorfleben ist. Er erzählt, wie rührend sich Ausbilder um schwächere Schüler bemühen. Und er warnt, wie viele Betriebe bald ohne Fachkräfte dastehen.

Am 8. Dezember will sich der 61-Jährige Präsident der Handwerkskammer zu Köln abermals zum Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) wählen lassen. "Wenn Kopf und Herz gemeinsam Ja sagen, dann gibt es nicht viel zu überlegen“, zitiert er Bundestrainer Jogi Löw. Alles spricht dafür, dass er in Münster klar im Amt bestätigt wird.

2013 war es keineswegs ausgemacht, dass Wollseifer zum höchsten Repräsentanten des Handwerks erkoren würde. Der Bauunternehmer hatte mit Rainer Reichhold aus Stuttgart und Franz Prebeck aus Niederbayern zwei starke Gegenkandidaten. Zu Beginn seiner Amtszeit wurde der Rheinländer kritisch beäugt vom unterlegenen süddeutschen Lager.

Lob für den "Präsidenten für alle"

Jetzt, drei Jahre später, bekommt Wollseifer durchweg gute Noten. Dachdeckerpräsident Karl-Heinz Schneider attestiert ihm eine "äußerst gelungene Amtszeit“. Wollseifer sei ein "Präsident für alle“, der sich in die kleinen und großen Betriebe hineinversetzen könne. "Passt schon“, kommentiert der Bayreuther Handwerkspräsident Thomas Zimmer in fränkischer Bescheidenheit, um anerkennend nachzuschieben: "Wollseifer ist ein Teamplayer.“ Und sein Dresdner Amtskollege Jörg Dittrich stellt fest: "Wollseifer ist ein bodenständiger Präsident und eine gestandene Persönlichkeit.“ Der ZDH-Präsident charakterisiert seine nunmehr fast abgelaufene Amtszeit bescheiden. Er habe dazu beigetragen, dass dem Handwerk "Wertschätzung entgegengebracht wird, die seiner gesellschaftlichen Stellung gebührt“.

Besonders liegt dem ZDH-Präsidenten die Bildungspolitik am Herzen. Wollseifer wird ein guter Draht zu Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) nachgesagt. Er hat mit der Handwerksorganisation dafür gekämpft, Meisterbrief und Bachelor-Abschluss möglichst gleichzustellen. Das Meister-Bafög wurde aufgestockt und aufgewertet. Als Nächstes will er das Berufsabitur vorantreiben, also die Verknüpfung von Gesellenabschluss und Abitur. "Wir wissen, dass wir in Berlin dicke Bretter bohren müssen.“

Angriffe auf den Meisterbrief abgewehrt

Erfolgreich war Wollseifer auch bei der Verteidigung des Meisterbriefs in Brüssel. Er selbst spricht von einem "guten Zwischenergebnis“. Tatsächlich hat die EU die Angriffe weitgehend eingestellt – auch weil es dem Handwerk über Parteigrenzen hinweg gelang, die deutsche Politik hinter sich zu scharen. Wollseifer nimmt Europa ernst wie keiner seiner Vorgänger. Dittrich bescheinigt ihm "großes Engagement auf europäischer Ebene“. Ein Lob, das der ZDH-Präsident als Ansporn für eine mögliche zweite Amtszeit versteht. Er wollte "Ansprüche und Forderungen der Region nach Brüssel tragen“.

Wollseifer ist stolz auf sein gutes Verhältnis zur Großen Koalition in Berlin – und widerspricht Kritikern, die vom ZDH eine härtere Gangart gegenüber der Regierung verlangen. Denn anders als Statur und rheinische Herkunft Wollseifers nahelegen, tritt der breitschultrige Unternehmer keineswegs laut und extrovertiert auf. "Handwerker sind keine Marktschreier“, sagt Wollseifer. "Wir waren immer ehrlich und nie parteipolitisch unterwegs.“ Als Beweis für den Erfolg stiller Diplomatie wertet er die Reform der Erbschaftsteuer, bei der das Handwerk glimpflich davonkam.

Flüchtlingskrise von historischer Tragweite

Ohne Zweifel genießt das Handwerk einen exzellenten Ruf in Berlin, was auch einer schicksalhaften Entwicklung geschuldet ist. In die Präsidentschaft Wollseifers fiel die Zuspitzung der Flüchtlingskrise. Der ZDH-Präsident erkannte die historische Tragweite des Ereignisses, das Handwerk ließ seinen mutmachenden Botschaften Taten folgen: Im Gegensatz zu den Dax-Konzernen stellte das Handwerk Tausende Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Doch Wollseifer machte nicht nur gute Erfahrungen mit der Politik. Bei einem prestigeträchtigen Vorhaben ließ die Regierung den ZDH-Präsidenten im Stich: Der schon sicher geglaubte Steuerbonus für die Dämmung von Gebäuden wurde überraschend zurückgenommen.

Und wie hat Wollseifer seine Amtszeit erlebt, die vielen Reisen in die Hauptstadt, zu Kammern, Innungen, Kreishandwerkerschaften? Er sagt: "Das Amt schlaucht schon – schenkt aber vor allem viel Freude.“ Weggefährten witzeln, der FC-Köln-Fan habe sich zumindest ein Stück Rheinland nach Berlin geholt: Beim Abend der Begegnung des Handwerks ließ Wollseifer sein geliebtes Kölsch ausschenken.