Gute Lage im Handwerk Handwerk legt zu – auch beim Personal

Die Betriebe haben ihre Hausaufgaben gemacht. Die Konjunktur brummt. Jetzt darf die Politik keine Fehler machen.

In Zeiten von Rekord-Steuereinnahmen müssten jetzt kleine und mittlere Einkommen entlastet und die gute Binnenkonjunktur verstetigt werden, fordert der ZDH. - © visivasnc/Fotolia.com

Noch nie ist es im gesamtdeutschen Handwerk so gut gelaufen wie derzeit. "Das Handwerk bietet Bestmarken", sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke auf der Tagung der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammern in Rostock. Mit einem prognostizierten Umsatzplus von dreieinhalb Prozent für dieses und zweieinhalb Prozent für nächstes Jahr und einem Zuwachs der Beschäftigung stabilisiere das Handwerk Wirtschaft und Gesellschaft. "Dafür verdient es Rückenwind", fügte er laut Redetext hinzu. In Zeiten von Rekord-Steuereinnahmen müssten jetzt kleine und mittlere Einkommen entlastet und die gute Binnenkonjunktur verstetigt werden.

Gegen Wahlkampfgeschenke in der Sozialpolitik

Der Solidaritätszuschlag gehört nach Auffassung des ZDH-Generalsekretärs endlich abgeschafft. Die Einnahmen aus der kalten Progression müssten zeitnah an die Steuerzahler zurückgegeben werden. Außerdem sollte die Politik die Steuermehreinnahmen für mehr Investitionen in Verkehrs-, Daten- und Bildungsinfrastruktur nutzen. Mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf warnte er davor, den Sozialkassen neue Milliardenkosten aufzubürden. Vielmehr müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, den Anstieg der Beiträge bei der Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zu begrenzen. Im beschäftigungsintensiven Handwerk machten sich höhere Lohnnebenkosten besonders bemerkbar.

Handwerk will 15.000 Mitarbeiter dieses und nächstes Jahr einstellen

Existenziell ist für die Betriebe die Sicherung der Arbeitskräfte von morgen. "Wir drängen bei den Betrieben, in der eigenen Organisation und in der Bundes- und Landespolitik auf zügige, nachhaltige Wirkungen bei der Nachwuchsproblematik", unterstrich Schwannecke. Nur so sei es zum zweiten Mal in Folge auch 2016 gelungen, die Zahl der Auszubildenden zu erhöhen und Fachkräfte im Handwerk zu halten. Insgesamt erwarte der Verband bis zum Jahresende ein Plus von rund 15.000 Mitarbeitern auf knapp 3,4 Millionen. Für 2017 rechnet er mit einer ähnlichen Größenordnung.

Auftragsreichweiten steigen

Die gute Binnennachfrage stützt die Handwerkskonjunktur. Diese macht sich nach Schwanneckes Worten in steigenden Auftragsreichweiten, zunehmender Auslastung und steigenden Investitionen der Betriebe bemerkbar. So erreiche das Geschäftsklima mit 92 Punkten ein Allzeithoch. Noch nie seit der Wende haben so viele Handwerksbetriebe ihre aktuelle Lage und ihre Erwartungen so gut bewertet.

Besonders gut läuft es derzeit im Bau- und Ausbauhandwerk. Auch das Kfz-Handwerk und das Lebensmittelhandwerk profitieren von der guten Binnenkonjunktur. Nur die Handwerke für den gewerblichen Bedarf, die enger mit dem Export verbunden sind, beurteilen ihre Geschäftslage etwas verhaltener als im Vorjahr. bir