In Deutschland stehen nach der Schule zwar relativ wenig Jugendliche auf der Straße. Dennoch macht der Staat laut OECD-Bericht nicht genug. Auch das Handwerk sieht Nachbesserungsbedarf.
Karin Birk

In Deutschland gelingt der Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf im internationalen Vergleich relativ gut. "Zum Teil geht dieser Erfolg auf das Konto der guten wirtschaftlichen Lage“, sagte OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher. "Es ist aber auch das Ergebnis der beruflichen Bildung, die international als vorbildlich gilt“, ergänzte er. In fast keinem der 35 in der OECD zusammengeschlossenen Staaten sei der Anteil junger Menschen, die weder in Ausbildung noch erwerbstätig seien, so niedrig wie in Deutschland. Gleichwohl bleibe der Anteil der Geringqualifizierten seit Jahren konstant, bemängelte er. Auch seien die Bildungsausgaben in Deutschland gemessen an der Wirtschaftsleistung relativ gering.
Handwerk fordert mehr Geld für berufliche Bildung
Auch das Handwerk sieht bei der Finanzierung der Bildung noch Nachholbedarf. Die OECD lobe zwar zu Recht die Bedeutung der beruflichen Bildung und die Zunahme der höheren Bildungsabschlüsse, zu denen auch höhere berufliche Abschlüsse gezählt würden. Kritisch müsse man sich aber mit der derzeit unzureichenden Bildungsfinanzierung auseinander setzen, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. "Die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung muss sich endlich auch in der finanziellen Ausstattung niederschlagen“, ergänzte er. Dies gelte etwa für die Berufsbildungszentren, die mehr Geld bekommen, heißt es beim ZDH.
Deutschland bei Bildungsausgaben unter OECD-Schnitt
Kritisch sieht die OECD auch, dass der Staat hierzulande eher Studenten als Kleinkinder finanziert. Der Staat halte sich gerade dort zurück, wo Nachteile aufgrund eines bildungsfernen Elternhauses am ehesten ausgeglichen werden könnten, warnte Schleicher. Bundesbildungsminister Johanna Wanka (CDU) betonte indessen die Erfolge beim Ausbau der vorschulischen Betreuung. Mittlerweile besuchten 94 Prozent der Dreijährigen eine entsprechende Einrichtung. Auch sei der Anteil der Bildungsausgaben an allen öffentlichen Ausgaben gestiegen, unterstrich sie. In Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt ist der Anteil der Bildungsausgaben laut OECD-Bericht allerdings von 2010 bis 2013 zurückgegangen. Auch liegt Deutschland bei den Bildungsausgaben mit 4,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes unter dem OECD-Durchschnitt von 4,8 Prozent.
Mehr als jeder Zehnte ohne Berufsausbildung oder Abitur
Darüber hinaus bemängeln die Bildungsexperten, dass es Deutschland selbst nach Jahren nicht gelungen sei, den Anteil der Menschen ohne Berufsausbildung oder Abitur zu senken. "Er liegt heute bei den 25-bis 34-Jährigen bei 13 Prozent und das ist exakt der gleiche Wert wie den 55-bis 64-Jährigen“, sagte Schleicher und verwies etwa auf Österreich, wo die Quote innerhalb von 30 Jahren von 23 Prozent auf zehn Prozent gesenkt wurde.
Der Präsident des baden-württembergischen Handwerkstages, Rainer Reichhold, sieht auch in der guten wirtschaftlichen Lage einen Grund für Schulabgänger, keine Ausbildung zu machen: "Es gibt genügend Arbeit, da findet man auch ohne formalen Berufsabschluss eine Arbeit“, sagte er. Auch die zuletzt gestiegenen Löhne für ungelernte Arbeitskräfte in der Industrie verringerten die Anreize eine handwerkliche Lehre zu beginnen.
Gute Aus- und Weiterbildung macht sich bezahlt
Der Bericht mache aber auch deutlich, dass sich ein höherer Abschluss als Meister oder Bachelor lohnt und diese vergleichbare Einkommen erzielten. Denn wer sich laut OECD-Studie in Deutschland mit einer unter dreijährigen Ausbildung zum Handwerksmeister weiterqualifiziere, erhält im Mittel 26 Prozent mehr Gehalt als jemand mit Sekundarabschluss oder dualer Ausbildung. Wer eine dreijährige Meister- oder Technikerausbildung oder einen Bachelor macht, dem winkten sogar über 50 Prozent Gehaltsvorteil.
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